Full text : Gesetz- und Verordnungs-Blatt für das Königreich Bayern. 1912. (39)

Nr.  28.  495

krankten  Tiere  verbunden  sind  (§  10  Abs.  1  Nr.  9  des  Gesetzes).  Die  Merkmale  solcher
Störungen  sind

a)  bei  lebenden  Tieren:  Fieber,  stärkere  Störung  der  Futteraufnahme  oder  große
Mattigkeit,

b)  bei  toten  Tieren:  Parenchym-Veränderungen  (trübe  Schwellung  oder  fettige  Entartung)
  an  der  Leber,  dem  Herzmuskel  und  den  Nieren,  unter  Umständen  auch
Schwellung  sämtlicher  Lyumphdrüsen  und  der  Milz  sowie  Gelbfärbung  sämtlicher
  Gewebe.  ·

Werden  bei  einem  geschlachteten  oder  verendeten  Schweine  nur  der  chronischen  Schweineseuche
  eigentümliche  Veränderungen  der  Brustorgane  ohne  weitere  Erscheinungen  der  unter  b
angeführten  Art  gefunden,  so  fällt  dieser  Befund  nicht  unter  den  Begriff  der  Schweineseuche.

J.  Ermittlung.
§  271  (259).

(1)  Ist  der  Ausbruch  der  Schweineseuche  oder  Schweinepest  oder  der  Verdacht  dieser
Seuchen  festgestellt,  so  haben  die  Distriktspolizeibehörde  und  der  Bezirkstierarzt  Ermittlungen
darüber  anzustellen,  wie  lange  die  verdächtigen  Erscheinungen  schon  bestanden  haben,  ob,
wohin  und  an  wen  neuerdings  Schweine  aus  dem  Bestande  verkauft  oder  sonst  entfernt
worden  sind,  ob,  wann  und  wo  die  kranken  oder  seuchenverdächtigen  oder  diejenigen  Schweine,
auf  deren  Einbringung  in  den  Bestand  der  Seuchenausbruch  nach  Lage  der  Sache  zurückzuführen
  ist,  erworben  sind,  und  wer  ihr  früherer  Besitzer  ist.

(2)  Nach  dem  Ergebnisse  dieser  Ermittlungen  sind  die  erforderlichen  Maßregeln  ohne
Verzug  zu  treffen  und  nötigenfalls  die  beteiligten  Distriktspolizeibehörden  —  für  außerbayerische
  Gebietsteile  des  Deutschen  Reichs  die  beteiligten  Ortspolizeibehörden  —  sofort  zu
benachrichtigen.

§  272  (260).

(1)  Sind  Schweine  unter  Erscheinungen  der  Schweineseuche  oder  Schweinepest  gefallen
oder  wegen  Verdachts  dieser  Seuchen  getötet  oder  geschlachtet  worden,  oder  finden  sich  verdächtige
  Erscheinungen  nach  der  Schlachtung,  so  sind  die  Kadaver  oder  bei  geschlachteten
Schweinen  die  für  die  Feststellung  der  Seuche  erforderlichen  Teile  (Brust=  und  Baucheingeweide)
  bis  zur  amtstierärztlichen  Untersuchung  aufzubewahren,  wobei  jede  Berührung
der  aufbewahrten  Stücke  mit  anderen  Tieren  oder  durch  unbefugte  Personen  zu  verhüten  ist.

(2)  Aus  Beständen,  bei  denen  Schweineseuche=  oder  Schweinepestverdacht  besteht,  dürfen
Schweine  vor  der  amtstierärztlichen  Untersuchung  nicht  abgegeben  werden.