Full text : Lehrbuch der bayerischen Geschichte.

Bayern  unter  König  Max  1  Joseph.  351

des  Kaisers  Alexander  von  Rußland  mit  Napoleon  bei  der
Versammlung  zu  Erfurt,  wo  beide  Kaiser  und  die  Fürsten  des
Rheinbundes  (1808)  zusammengekommen  waren,  sehr  in  Abnahme
begriffen,  und  die  Behandlung,  welche  hier  die  Fürsten  Deutschlands
von  Napoleon  erfuhren,  ließ  sie  ihre  unwürdige  Stellung  gegenüber
dem  Gewaltigen  schmerzlich  fühlen.  Diese  Stimmung  und  die
Verwickelung  Napoleons  in  den  Kampf  mit  Spanien  und  in
die  Händel  mit  dem  Papste  glaubte  das  von  England  aufgereizte
  Wiener  Cabinet  zu  einem  nochmaligen  verzweifelten
Kampfe  für  die  deutsche  Freiheit  und  zur  Herstellung  seines
politischen  Ansehens  benutzen  zu  sollen.  Zu  diesem  Zwecke  betrieb
  Erzherzog  Karl  mit  großem  Eifer  eine  neue  Einrichtung
des  Heerwesens  (400,000  Mann  für  den  Felddienst,  300,000
Mann  Landwehr  und  eine  dreifache  Reserve).  Als  Napoleon
wegen  dieser  Rüstungen  die  Fürsten  des  Rheinbundes  aufforderte,
ihre  Contingente  in  Bercitschaft  zu  halten,  beschloß  der  Wiener
Hof,  dem  Angriffe  Napoleons  zuvorzukommen.  Die  Brüder  des
Kaisers,  die  Erzherzöge  Karl  und  Johann,  sollten  die  österreichische
  Urmee  nach  Bayern  und  Italien  führen,  aus  beiden
Ländern  Verstärkungen  an  sich  ziehen  und  Napoleon  zur  Schlacht
zwingen,  bevor  er  seine  Macht  concentrirt  hätte.  Leider  verfuhr
Oesterreich  auch  dießmal  gegen  Bayern,  daß  sich  ihm  anschließen
  sollte,  nicht  offen.  Ein  Brief  des  Erzherzogs  Karl,
des  Generalissimus  in  diesem  Kriege,  an  den  König  von
Bayern,  worin  angezeigt  war,  daß  man  vorwärts  marschiren
und  die  Franzosen  überall,  wo  sie  gefunden  würden,  bekämpfen
werde,  war  Alles,  was  Oesterreich  in  diesem  wichtigen  Augenblicke
an  Bayern  erließ.  Zu  gleicher  Zeit  drangen  österreichische  Truppen
über  den  Inn  nach  Bayern  und  von  Böhmen  her  in  die
Oberpfalz  ein  und  veranlaßten  durch  ihr  Erscheinen  einen
Aufstand  der  mit  der  bayerischen  Regierung  unzufriedenen
Tyroler.  In  dieser  unheimlichen  Lage,  die  Bayerns  Selbstständigkeit
  in  Frage  stellte,  entschloß  sich  König  Max,  neuerdings
mit  Frankreich  zu  gehen,  und  die  übrigen  Glieder  des  Rheinbundes
  folgten  seinem  Beispiele.  Der  Kampf,  der  nun  auf
bayerischem  Boden  losbrach,  war  in  wenigen  Tagen  entschieden.
Die  österreichischen  Heermassen  (200,000  Mann)  rückten  ohne