Metadata : Erinnerungen des Kronprinzen Wilhelm.

durch  dessen  Leiter,  den  Admiral  von  Tirpitz.  In  ihm
erschloß  sich  mir  eine  wirklich  überragend  große  Persön—
lichkeit,  ein  Mann,  der  nicht  stur  auf  das  engere  Feld
seiner  Aufgaben  und  Pflichten  starrte,  sondern  das  Ganze
bis  in  seine  weltpolitischen  Fernen  und  Wirkungen  sah
und  dem  Ganzen  mit  allen  reichen  schöpferischen  Kräften
seines  umfassenden  Könnens  diente.

Das  große  Werk  der  Schaffung  einer  deutschen  Kriegsflolke
  war  ihm  vom  Kaiser  anverkrauk,  und  sein  Leben,
Denken  und  Tun  war  erfüllk  allein  von  dem  Drang
und  Willen,  die  ungeheure  Aufgabe  kroß  aller  äußeren
und  inneren  Widerstände  zum  Wohle  des  Reiches  zu
meistern.  Wie  sehr  ihm  das  gelungen  ist,  dafür  wird
ihm  die  Schlacht  am  Skagerrak  ein  ewiges,  ehrendes
Zeugnis  und  Denkmal  bleiben  —  Ckagerrak,  wo  die
von  ihm  geschaffene  und  von  seinem  Geiste  gekragene
deulsche  Flotte  ihre  Feuerkaufe  gefunden  und  im  Kampfe
mit  der  vielfach  stärkeren  ersten  Flotte  der  Welt  glänzend
  bestanden  hat.  Deutschland  haffe  damals  allen
Grund,  auf  den  herrlichen  Angriffsgeist  und  die  vorbildliche
  Disziplin  seiner  blauen  Jungens  stolz  zu  sein.

Nur  in  einer  grundlegenden  Frage  war  ich  in  jenem
Jahre  der  Zusammenarbeik  anderer  Ansicht  als  der  Großadmiral.
  Er  hielk  daran  fest,  daß  der  Kampf  mit  England
  um  die  Freiheit  der  Meere  einmal  ausgekragen
werden  mußte,  und  sein  Ziel  war  der  „Risikogedanke“,
das  will  sagen:  er  krak  dafür  ein,  unsere  Flokke  so  stark
zu  gestalken,  daß  den  Engländern  ein  ekwaiger  Kampf
gegen  uns  als  ein  zu  schweres  Wagnis  erscheinen  mußte,
weil  für  sie  alsdann  ein  zu  großer  Einsatz  auf  dem  Spiele
stand.  Ein  Einsatz,  der  nichk  erfolgen  konnke,  ohne  daß

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