56 Der Weltwirtschaftskrieg.
Weltbaumwollernte in Höhe von über 48 Millionen Doppelzentnern gegen
37 Millionen Doppelzentner auf die Vereinigten Staaten entfielen.
Indien produzierte nur 7,6, Agyppten 3,4 Millionen Doppelzentner, die
übrige Welt, d. h. insbesondere Mittel- und Ostasien und Südamerika,
5,2 Millionen, wovon 1½ bis 2 Millionen auf Rußland entfallen mochten.
Der Wert der Weltbaumwollernte stellte sich, wenn man seiner Berechnung
die Durchschnittswerte an der Bremer Baumwollbörse zugrunde
legen will, auf 5½ Milliarden Mark. Der Ausfuhrwert der auf den Weltmarkt
gelangenden Baumwolle bezifferte sich vor dem Kriege nach den
Anschreibungen der Ausfuhrhändler auf etwas über 3 Milliarden Mark.
Hiervon entfielen in runden Zahlen auf die Vereinigten Staaten 2,2 Milliarden,
auf Agpypten 560 und auf Indien 380 Millionen Mark. Die
deutsche Einfuhr belief sich auf rund 5 Millionen Doppelzentner im Werte
von 580 Millionen Mark. Die Volkswirtschaft der Vereinigten Staaten
würde schwerster Beeinträchtigung ausgesetzt sein, wenn der amerikanischen
Baumwolle nach dem Kriege künstlich der Weg auf den deutschen Absatzmarkt
verschlossen würde. Während des Krieges fanden die Baumwollfarmer
der Nordamerikanischen Südstaaten für den verschlossenen deutschen
Markt in der Hauptsache Ersatz durch den riesigen Bedarf der Bekleidungsämter
sämtlicher Ententestaaten und den Bedarf ihrer Munitionsfabriken.
Auch dieser letztere zählt mit sehr erheblichen Beträgen, und es gehört
wohl zu den schwersten Enttäuschungen der Entente, daß es den deutschen
Munitionsfabriken gelungen ist, sich durch die Fortschritte der deutschen
Technik von der Baumwollversendung unabhängig zu machen.
Ungeachtet der gewaltigen Anforderungen, die durch die Kriegsversorgung
der Ententeländer an die Baumwollbelieferung gestellt wurden,
haben die Südstaaten Nordamerikas keinen ausreichenden Albsatz finden
können, was um so beachtenswerter ist, als auch die Baumwollproduktion
trotz erweiterter Anbauflächen einen beträchtlichen Rückgang erfahren hat,
und zwar wesentlich infolge des Ausbleibens der deutschen Kalilieferungen.
Von 16 Millionen Ballen im Jahre 1915 ist die amerikanische Baumwollernte
auf weniger als 15 Millionen Ballen im Jahre 1917 gesunken. Bei
so verringerter Ernte wurde am 1. Juli 1918 erstmals in der Geschichte
der amerikanischen Baumwollstatistik ein Borrat von rund 2 Millionen
Ballen in Ameerika festgestellt — ein deutlicher Beweis, daß trotz der
Kriegesteigerung des Berbrauchs in allen Ententeländern der deutsche
Absatzmarkt seitens des nordamerikanischen Baumwollhandels empfindlich
vermißt wurde.
Inzwischen hat die deutsche Webwarenindustrie große Anstrengungen
machen müssen, sich ohne die Baumwollbelieferung einzurichten. Jeder
Versuch, die Baumwolle mithineinzuziehen in das Programm des wirt-