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durch Herausgabe einer griehiihen Spradhlehre. Doch Hlieb bie
Theologie das Hauptfeld feines Yorjchens, und bejonderen Eifer menbete
er dem urfprünglich in griechiicher Sprache gejchriebenen Neuen Teftamente
zu. Sechs Sabre Iehrte Melandhthon in Tübingen.
ALS Kurfürft Sriedrih Der Weile fih nach den gelehrteften Männern
umjah zur Hebung jeiner neubegrünbeten Univerfität Wittenberg,
wurde ibm al8 ein ausgezeichneter Lehrer Melanchthon empfohlen.
Melanäthon ftand in feinem 21. Jahre, als er Tübingen verließ. Sein
Sintritt in Die jächtiiche Univerfität Wittenberg gefhahb am 29. Aug
1518. Sn jeiner Antrittörede Sprach er über bie Verbefferung des
Sugendunterricht8 durch eine gründliche Bildung in den alten Sprachen.
Bald erfannte Luther feinen ganzen Werth und jchrteb in einem
Hriefe an Spalatin über ihn: „Sch Danke ed meinem guten Philipp,
daß er und griehifch lehrt. Ih Kin älter al8 er, allein ba8
hindert mich nicht, von ihm zu lernen. Sich fage e8 frei heraus, er
verfteht mehr ald ich, deffen ich mich auch gar nicht Ichäme." Meland:
thong Kenntniffe umfaßten jammiliche Univerfitätäwifjenichaften Der
damaligen Zeit. Gr fand unglaublichen Beifall in Wittenberg, und
in den Vorträgen, Die er bald auch über dad Neue Zeitament Htelt,
Jah man 2000 Zuhörer, und weit darüber, verjammelt. Die nicht
in den Bänfen ober ftehend, in deren Awijchenräumen, Plaß fanden,
Eletterten an den Penftern empor und laufchten won oben herab. Aus
Sstalien, dem damaligen Sibe der Wiffenfchaft, auß dem rauhen Nor:
den kamen fie wie Vögel geflogen, um bie Kömer der Weisheit auf:
zulefen und mit fort in die Ferne zu tragen. Auch Füritenfühne jaßen
su Füßen des Eleinen unfcheinbaren Mannes. „Die Sünger Jeju“,
verfichert ein Augenzeuge, „haben ihrem Meifter nicht aufmerkjamer
sugehört, al3 die Stubenten ihrem Melandthon.“
Melde Univerfität Hatte aber auch zwei Lehrer, wie Luther und
Melanhthon aufzumeifen? Die beiden Männer Hatten fich jehnell
an einander angejchloffen. Sie unterftügten fih gegenfeitig bei Dem
großen Werk der Bibelüberfegung. Melandthon Iehnte ih an
Luther al3 an den Stärferen; er war eine milbe, janfte Natur. Luther
jelöit jagt fehr treffend tn der Vorrebe zu einer Schrift jeine8 Freundes:
„SG bin Dazu geboren, daß ich mit den Motten und Zeufeln muß
friegen und zu Selbe Liegen; darum meine Bücher viel ftürmijch und
friegerifch find. Sch muß die Klöke und Stämme ausrauten, Dornen
und Heden weghauen; ich bin ber grobe Walbrechter, ber Bahn bres
GHen und zurishten muß. Aber Magifter Philtppus fähret fäuberlich
und ftilfe daher, Kauet und pflanget, fäet und begiepet mit Luft, nadbem
Gott ihm gegeben feine Gaben reichlich." Wie Melandhthon als einer
der erjten Förderer des proteftanttfehen Kirchenglaubens gejhäßt wird, je
ift auch fein Verbienft um die höhern und niebern Schulen Deutjchlands
nicgt genug anzuerfennen, weshalb im feine Beitgenofjen den Namen:
„der Schullehrer Deutfhlands” gaben. Gr wollte Die Menjchen dur
die Wiffenfchaften veredeln. Melandithon Iebte bi8 zum Jahre 1560.