Volltext : Lehr- und Lesebuch oder die Vaterlands- und Weltkunde.

langen  fann,  mb  der  Wirth  forbert  feine  andere  Bezahlung,  alß  ein
fromme®:  Gott  jet  gebanft!

Aber  wern  gehört  denn  der  Wald?  —  Ei  nun,  wo  nicht  hier  und
da  ein  reicher  Mann  ein  Stückchen  gefauft  hat,  gehört  aller  Wald  bem
Fürften.  Der  Zürft  läßt  Die  Bäume  pflanzen  und  pflegen  ind  forgt
auch,  daß  du  unangefochten  durch  den  bichteften  Wald  gehen  Fannit.
‚Darum  if}’3  auch  Diebftahl  und  Sünde,  wenn  einer  im  Walde  Holz
haut,  Das  ihm  nicht  wom  Förfter  angemielen  ift.

55.  Die  Burgen.

sm  und  am  thüringer  Wald  und  noch  weiter  in  der  thüringifchen
Ebene  Hin  Haben  jonft  auf  manchen  Bergipiken  Hohe  und  ftarfe  Burgen
geitanden;  die  jahen  fühn  und  ftolz  in  die  Gegend  hinaus.  Manche
jolhe  Burg  Ffannft  du  noch  jekt  mit  ihren  Fenftern  und  Dächern  im
Sonnenjhein  einer  Tchonen  Yanbfchaft  Hlinfen  fehen;  aber  die  meiften
ftehen  trüb  und  traurig  ald  Ruinen  da;  ihre  glängenben  Gemächer
Ind  zerjehlagen  nder  zerfallen,  die  Thore  mit  Schutt  oder  Gefträuch
verwahrt,  Die  Weniterhöhlen  offen,  die  hohen  Thürme  jchmanfen  im
Winde;  mande  find  auch  ganz  von  der  Erbe‘  verfefwunden,  und  bie
Tannen  mwurzeln  auf  ihrem  Grunde.  |

Auf  den  Burgen  wohnten  einft  mächtige  Ritter,  da  tönte  Sang
und  Klang  in  den  hohen  Sälen,  in  den  Ställen  fcharrten  Die  Noffe,
Maffer  fin  in  den  Burggräben,  Thore  und  Zugbrüden  öffneten  und
Ichlsffen  fih.  Ha,  was  für  ein  Leben  war  da!  Wenn  ber  Wärtel
auf  dem  Thurme  ind  Horn  ftößtl  Keinde  fommen!  fehreit  e8  in  ber
Burg.  Da  johmetterte  Die  Trompete,  die  Knappen  reißen  die  Gäule
aus  dem  Stalle,  auf  dem  Burghofe  ftampft’3  und  mwiehert’3,  Die  Kitter
Hirren  daher  mit  fehweren  Sporen  und  mächtigem  Schwert,  in  Eifen
gefleidet  von  Kopf  bis  Fuß.  Zu  Roßl  ruft  der  Burgherr,  und  Ritter
und  Rappen  Ipringen  raffelnd  in  die  Sättel;  Schwert,  Speer  und  Schilb
hlißen  im  Sormenfchein,  Helmbüfche  und  Fahnen  flattern  in  der  Luft;
die  Zugbrüde  finkt,  fchnaubend  und  ftampfend  donnert  die  Schaar  hinüber,
  den  Schloßberg  Hinab,  dem  Feinde  entgegen.  —  Wie  da  die
Schwerter  hauen!  Speere  zerfplittern,  Schilver  fpringen,  das  Blut  fließt,
die  Roffe  bäumen  fich,  und  mancher  Neiter  finft  in  ben  Sant.

Und  Abends,  wenn  die  fiegreiche  Schaar  heimfehrt  mit  gefangenen
Feinden,  erbeuteten  Roffen,  mie  ift  da  Jubel  in  der  Burg.  Abends
bei  dem  Mahle  werben  dann  fehaurige  Gefchichten  erzählt  von  Dem
-KRampfe,  und  der  Wein  perlt  dabei  aus  großen  Bechern,  und  bie  Sinaben
laufchen  aufmerffam  Hinter  den  Siken  der  Ritter.

Nicht  wahr,  da  Hätteft  du  auch  zuhören  mögen?  und  du  meinft,
die  Ritterzett  müffe  Doch  recht  fchon  gemefen  fein?  —  Sa,  ich  weiß
aber  auch  fchlimme  Gefchichten;  folhe  —  erzählen  die  BTutnelfen.