Das deutsche Reich und seine einzelnen Glieder. 205
1. Oct. (Preußen.) Mit diesem Tage erfolgt die Einführung der
deutschen Sprache als obligatorischen Lehrgegenstandes in sämmtlichen
Volksschulen Nordschleswigs.
„ „ (Bayern.) Schreiben des Bischofs von Regensburg an den
Cultusminister v. Lutz in Antwort auf den Erlaß desselben vom
27. Aug.:
„... Doch es gibt für die bayrische Staatsregierung einen sehr naheliegenden
Ausweg aus diesem Labyrinthe; er ist vorgezeichnet in der bekannten
Tegernseer Erklärung. Ihr gemäß ist das Concordat Staatsgesetz,
und soll als solches angesehen und vollzogen werden, und liegt
allen Behörden ob, sich genau nach seinen Bestimmungen zu richten. Nach
der Bestimmung des Art. 1 steht aber der Kirche, wie oben gezeigt wurde, das
Recht zu, die Offenbarungslehre immer vollständiger dogmatisch zu fixiren; dieses
und nichts anderes ist auf dem Vaticanum geschehen. Also sind die Bischöfe
Bayerns befugt zu verlangen, daß sie in der pflichtmäßigen Verkündung der
vaticanischen Glaubenslehren durch die Staatsregierung nicht behindert werden.
Sollte letztere der Ansicht sein, daß das Placet auch auf Glaubensgegenstände
sich erstrecke, so hat sie, umd zwar ungebeten, dieses Placet zu ertheilen,
und zwar um so mehr auch im vorliegenden Falle, als das Dogma von dem
unfehlbaren Lehramte des Papstes weder neu ist noch staatsgefährlich. Ja
wohl, es ist weder neu noch staatsgefährlich, und kann dies nicht
sein, weil der heil. Geist der Kirche besteht. Dies ist meine innerste Ueberzeugung.“
„ „ (Sachsen.) Die (seit 1866) preußische Besatzung des Königssteins
wird von einer sächsischen abgelöst. Der Commandant der
Festung bleibt indeß ein preuß. General.
2. „ (Sachsen.) Ergänzungswahlen für den Landtag. Die verschiedenen
liberalen Parteien behaupten in demselben ihr bisheriges
Uebergewicht in noch einigermaßen verstärktem Grade. Dresden, bisher
conservativ, wählt diesmal liberal.
3.—5. „ Versammlung des deutschen Protestantentages in Darmstadt.
Derselbe, aus allen Gegenden Deutschlands (am schwächsten aus
Bayern) und selbst durch Delegirte aus der Schweiz und aus England
zahlreich besucht, beschließt fast einstimmig folgende Resolutionen:
„I. Betreffend das Dogma der päpstlichen Unfehlbarkeit: 1) Insofern
die von dem vaticanischen Concil 1870 beschlossene Unfehlbarkeit des
Papstes lediglich den Sinn hat, innerhalb der katholischen Kirche die absolute
Autorität des Papstes zu begründen, enthält sich der Protestantenverein jeder
Meinungsäußerung darüber; 2) insofern aber das neue römische Dogma dazu
dienen soll, im Sinne der Jesuiten: a. die Souveränetät des modernen Staates
überhaupt und des deutschen Reiches, sowie der deutschen Staaten insbesondere
anzugreifen; b. den confessionellen Frieden in Deutschland zu gefährden;
c. die Geistes= und Gewissensfreiheit und unsere ganze Cultur zu bedrohen:
sind die deutschen Protestanten und das ganze deutsche Volk veranlaßt und
verpflichtet, dieser Bedrohung des Staates, des Friedens und des modernen
Geisteslebens ansschtden entgegenzutreten und auf Beseitigung dieser ernsten
Gefahren entschlossen und sorgsam hinzuwirken. II. Bezüglich des Jesuitenordens:
In Anbetracht 1) daß der Jesuitenorden durchweg aus Mitgliedern
besteht, welche ihrer Familie, der bürgerlichen Gesellschaft und ihrem Vaterlande
entfremdet sind und unbedingt den Befehlen ihrer römischen Obern ge-