Volltext : Wilhelm Heinzes Quellen-Lesebuch zur vaterländischen Geschichte für Lehrerbildungsanstalten und höhere Schulen. Zweiter Teil. Deutsche, vornehmlich brandenburgisch-preußische Geschichte bis 1815. (2)

undt  feindtschaft  auff  Euch  ladet,  undt  dadurch  auch  was  Ihr  schon  habet  in  ge—
fahr  setzet,  Jedoch  das  Ihr  Euch  keines  weges  von  Eueren  Landen,  grenssen,  oder
wollhergebrachten  gerechtigkeitten  etwas  entziehen  oder  nehmen  lassen  sollet,  Da
auch  deßwegen  einiger  Streitt  entstehen  mochte,  kan  zuforders  in  der  gutte
solches  beizulegen  gesucht  werden,  Wan  aber  gegen  alles  verhoffen  solche  gutliche
vergleichung  nichts  verfangen  wolte,  So  muß  man  Sich  best  muglichst  dabey  zu
manutenirent)  angelegen  sein  lassen,  Wan  auch  zwischen  zwe  anderen  krieg  entstehen
  solte,  So  suchet  durch  Euere  interposition?)  den  streidt  beizulegen,  aber
stehet  alzeitt  in  gutter  postur,  damitt  Ihr  nachdruck  habet,  Solches  habe  Ich  alzeitt
  gethan,  undt  durch  Gottes  gnade  viell  unglucks  damitt  abgewandt,  Wan  aber
notwendig  krig  sein  muß,  so  lasset  in  Euere  Landen  gutte  ordre  halten,  undt
gebet  nicht  zu  das  Euere  unterthanen  unterdruckt  undt  vergewaltiget  werden,  den
durch  Ihre  mittell  musset  Ihrs  außfuhrtren

Mit  dem  Kayser  als  oberhaubt  undt  wegen  der  Schlesien  nahen  angrensenden
Landen,  kündt  Ihr  sehr  woll  in  gutter  Alliance  stehen,  jedoch  aber  solcher  gestalt,
  das  Ihr  furnehmlich  auff  des  Reichs,  der  Evangelischen  undt  Euerer  wolfahrt
  fleissige  acht  habet,  undt  darin  dem  Kayser  nichts  einreumet,  so  dawider
undt  zu  des  Reichs  undt  der  Evangelischen  untergang  undt  benehmung  Der
Teutschen  freiheitt  gereichen  mochte,  folget  hirin  Euerer  vorfahren  Rumlichen
exempell,  deren  consilias)  zu  des  Reichs  bestem  noch  heuttiges  tages  vom  freundt
undt  feinden  gelobt  worden  sen  .

Es  weisset  undt  gibet  auch  die  stette  erfahrung,  Das  wenig  auf  Alliancien
zu  bauen  stehet,  jedoch,  heldt  ein  Schwerdt  zum  ofteren  das  andere  in  die
scheiden,  es  bedencket  Sich  auch  noch,  einer  oder  der  ander,  das  er  in  regardt  der
Alliancen  nicht  leicht  etwas  beginnet,  oder  anfangt,  Dieweil  er  Sich  befahren
muß,  das  wegen  eines  oder  des  anderen  interesse,  einige  assistens  geschehen
mochte.  Mitt  Engelandt  in  Alliance  zu  sein,  ist  nöttig,  beforab  weill  Engelandt
sehr  mechtig  zur  See  ist,  undt  auff  den  notfall  Euch  in  Euere  Sehaffen  So  ahn
der  Ost  See  gelegen  assistiren  kan,  Mitt  Denemarck  hatt  es  dieselbe  consideration,
undt  liget  selbiger  Euch  noch  neher  als  Engelandt  .  .  .

Mitt  anderen  mehren  Alliancien  zu  machen,  wirdt  die  coniunctur  der  zeitt
solches  schon  ahn  die  handt  geben,  undt  muß  man  Sich  alzeitt  darnach  reguliren,
undt  richten,  undt  dan  dasjenige  thun,  was  Seinem  Staadt  nutzlich  undt  ersprislich
  sein  kan:  Alliancen  seindt  zwahr  gutt,  aber  eigene  Krefte  noch
besser,  darauff  kan  man  Sich  sicherer  verlassen,  undt  ist  ein  herr  in  keiner
consideration"),  wan  es  selber  nicht  mittel  undt  volck  hatt,  den  das  hatt  mich  von
der  zeitt  das  ichs  also  gehalten,  Gott  sey  gedanckt)  considerabell  gemact

Nehmet  Euch  auch  woll  in  acht,  das  Ihr  nicht  gar  zu  weitleuftige  hofstadt
haltet,  Sonderen  ziehet  denselben  nach  gelegenheitt  der  zeitt  ein,  undt  Reguliret
allemahl  die  außgabe  nach  den  Einkunften,  undt  lasset  die  berechnete  diener  alle
Jahr  fleissige  rechnung  ablegen,  wan  der  Cammer  Staadt  wider  in  gutten  stande
ist,  So  werdet  Ihr  mittel  gnugsahm  haben,  undt  habt  Ihr  alß  dan  nicht  ursache
die  Stende  umb  geldt  zu  ersuchen,  oder  anzusprechen,  Auch  ist  es  alßdan  nicht  nottig
  ville  undt  kostbahre  Lantage  zu  halten,  Den  jemehr  Lantage  Ihr  haltet,  jemehr
  Autoritet  Euch  benommen  wirdt,  weill  die  Stende  alzeitt  was  suchen,  so
der  Herschaft  ahn  Ihrer  hocheitt  nachteillig  ist

1)  behaupten.  *)  Vermittlung.  5)  Ratschlöge.  /)  Ansehen.