osenhei
und Felertage). —
monallich 90 Plennig.
Der „Nosenhelmer Anzelger“ erscheint täglich nachmillags 4 Uhr kmil Ausnahme der Sonn-Der
Abonnementapreis beträgt viertellährlich 2 Mark 70 Plennig.
Jü# Pohabommenten: Zustellgebühr frei ms Gaus 11 Plennig monatlich.
Fernsptecher: Verlag und Redaktion Kr. 72. Inleralcn-Ableilung Nr. 233.
Nummer 5
die englische Gefahr.
Wir halten es für unlele nalerläinke: Tiut
in den schäumenden Wein einer in man
sen zu Tage getretenen, von ehüte,
wenig be schwerten voreiligen Freude und Genugtuung
über die Brest-Litowoler Verhandlungen
einige Wermutstropfen zu gießen. Wir halten
das um so notwendiger, als uns eine unangenehme
Entläuschung des Volkes von verhäng
nisvollsten Folgen erschiene.
Was muß unser Ziel im Osten und im besonderen
in unseren Verhandlungen mit Rußland,
sein? Nichts anderes, als die Herbeiführung
eines dauernden Friedens, welcher mensch
lichem Ermessen nach für lange Zeil hinaus, möglichst
für immer, kriegerische Reibungen ausschlieht.
Dieses Ziel muh uber allen ande eren Er.
nägungen siehen. Wir haben geradezu ein Le-Uensinteresse
daran, Rußtand als friedlichen und
freundschafnich gesiunten Nachbarn zu wissen.
Der Friede, der jetzt mit Rußland Heschlossen
werden soll, muß eine dauerhafte Form haben,
welche auch eine nach Lenin und Trotzki kommende
Regierung nicht mehr zu zerbrechen wagen dürste,
ohne den Zorn und die Empörung des ganzen
russischen Volkes auf sich zu zieben. Das positive
Ziel unserer Verhandlungen mit Nußland
ist also darin gegeben, dichtes große Reich aus den
Fesseln der Entente herauszulösen, es auf leine
natürlichen geographischen, wirtschaftlichen,
litischen und kulturellen Bedingungen zu versbel.
len und es demgemöäß in den Rahmen der Gemeinschaftsarbrit
mit uns und unseren Verbündeten
einzugliedern. Es kam bei Politikern, welche
die Sachlage kühl und nüchtern betrachten,
lein Zweifel darüber herrschen, daß ein: noch so
ideal gedachte Verbindung Deutschlands mit seinen
Verbündeten auf dem Balkan, daß also eine
noch so sorgfältig zurechtgelegte Politik eines
Mitteleuropa recht erheblichen schwachen, ja zum
Teil direlt um Angriff herausfordernden Punkien
ausgesetzt wäre, menn Rußland künftighin
unser Feind bliebe. Es drückt mit seinem Riesenleib
auf alle unsere Verbundeten, es ist sonach
für alle unsere Bundesgenossen, wie für uns
selbst ale Feind eine stete, die ganze innere und
ällßere Entwicklung der Völkek hindernde Bedrohung
oder aber es bildet als Freund die
Brücke zwischen uns und den mit uns verbündeten
Ländern und VBölkern, die wir einerseits zur Einigung
Europas, andererseits zur Erreichung unserer
notwendigerweise nach dem fernsten Osten
zielenden wirtschaftlichen Bedingungen braushen.
SSo also 4ht e unser voliich ½es Ziel nach seiner
pofitiven Seite ous. Die Konseauen nach
seiner negativen Sir- wäre dann die, daß jetzt
unter allen Umständen verhindert werden muß,
daß England die von ihm schon längst angestrebte
Vorherrschaft auf dem Festlande
an sich reißt!
Nach dieser Richtung hin stehen wir aber heute
vor einer ernsten drohenden Gefahr!
England ist nämlich soeben dabei, in die Verhandlungen
mit Rußland sich einzumischen und
unter dem Vorwande des Eingehens und der
Nachgiebigkeit auf die deutschen Gegenvorschläge
an die Russen seine stets sorgfältig geheimgehaltenen
Pläne zur Durchführung zu bringen.
Den ersten Schriti auf diesem Wege kann man in
dem Vorschlag der russischen Delegation erblicken.
die Verhandlungen von Breit-Litowsk nach
einem neutralen Lande zu verlege
Man tausche sich darüber nicht, daß Engkand in
diesen Weltkrieg eingetreten ist, um letzten Enlhes
seinen jahrzehnteallen Plan zu verwirklichen,
die Herrschaft auf dem curopässchen Festlande
zu gewinnen. Kein anderer als Napoleon hat
für die Zertrümmerung solcker englischen Gelüste
gearbeitet. Größere Napoleons, Hindenb urg u.
o udendorkf. erfüllen jetzt die weltgeschichtliche.
gigantische Aufgabe, das europäische Festland
ein für allemal von britischen Macht- und Herrschaftsplänen
zu befreien. Sie haben das durch
die Genialität der Führung der Kriegshandlungen
mit Hiife der Wnssettn unseele glänzenden
Truppen angestrebt. Die Früchte reisen
Kath.: Heil. 3 König
Anzeiger
Die einspalkige Pelilzelle im Anzeigenteil kostet 15 Pld##„#, die Pettizelle
Die Annahme von Anzeigen, Reklamen und Bellagen erfolgt durch die Annoucen-Expedilion
Haalsenstein & Vogler, A.-G., Rolenhelm, München, Kürnbern, Berlln,
Schluß der Anzeigen-Annahme 12 Uhr milllags.
im Neklametell 40 Ml.
Breslan, Coßel ulmw.
Rosenheimer Tagblatt
Amtliches Bublikafions-Organ
Sonntag, 6. Januar 1918
DieReschstagsmehrheitgess ahrulen
Die Einbusse der Engländer bei den Cambraikämpfen.
Die Unralne Für den Frieden. — HMarlöfung der spaniichen Kamwer.
Schwedische Troppesbewegunges au der Finnischen Grenze.
— —— — —
und England sieht mil
auf die unausweichliche deutiche Offensive in
Westen. Eine andere Frage aber ijt es, ob d
Düplonrati K#, en Vorgänge in Breue
Litowsk dem von den Waffen vorbereiteten Boden
entsprechen. Eugland war immer am gefähelichsten,
wenn es sich versöhnungsbereit und nachwenn
in diesem Augenblicke ganz unverkennbar
giebig zeigte. Es bedeutet eine ernste Gefahr,
von England aus versucht wird. in die Verhandzinger
Einfluß zu gewinnen. Schon wenn Engeine
meirete Hinaus,zichung der Ver-Schrecken
und Bangen
" kandlungen erreichen würde, bätte es einen unbeltreitbaren
Erfolg erzielt. Den englischen gerissenen
Diplomaten dürfte es ein Leichtes sein,
den Russen, die lich nun einmal für die Weltbeglücker
halten und den allgemeinen Frieden
Pecle fineen möchten, vorzuspiegeln, daß sie diese
ihre Ziele erreichen könnten, wenn sie sich noch
etwas gedulden und Englands Gegenvorschläage
abwarten. Die Zoischemeit würde naturgemäß
zu ungeheuerlicher Propaganda in englischem
Sinne ausgenutzt. Wir aber haben ein Interesse
daran, den Frieden mit Rußland mit tunlichlier
Beschleunigung herbeizuführen und vor allem
z verbindern, daß England die Gestaltung der
Dinge im Osten becinflust oder mitbestimmt.
Wird das nicht gelingen, dam wird der größte
Teil unserer militärischen Arbeit auf den rufsischen
Schlachtfeldern in Frage gestellt sein.
Sonst das iit sicher — haben wir in wenigen;
Jahren einen neuen Krieg. England wird Rußland
und namentlich die Grenzgebsete u Herden
leiner hetzerischen Propaganda machen, das neue
Ruhland in englischer Hand oder unter englischem
bestimmenden Druck wird für uns eine eben'o
biee Kriegsgefahr bedeuten, als es das zaristische
Rußland war. Wir sehen dabei ganz ab
von den gewaltigen wirtschaftlichen Hemmungen,
die ein unter Englands Gebot slehendes Nland
uns bereiten könnte. Gerade aber die klare
und bestimmte Regelung unserer wirtschaftlichen
Bezlchungen nach O#en hin wird eine hauptsächliche
Voraussetung für den künftigen wirischaft.
lichen Wiederaufban unseres
. seiner Glieder sein.
Es wird notwendig sein, daß alle Kreise des
Volkes dieser den Friedensverhandlungen im
* von England her
engegenzutreten. Es würde im deutschen Volke
nicht verstanden werden, wenn der Unterton der
Verh andlungen in Brest-Litowsk durch unsere
diplomat. Vertreter elma darauf abgestimmt
würde. in England um gui Wet er zu bilten. Non
diesem Eesicktspunkte aus erschemt uns? die F Cor-Forderung
des Seltelbestinmungfreckteo der
Völler als nicht unbedentlich. Es kann nicht unfer
Interesse sein, England in diesem Augenblicke
unsere Karten zu zeigen. Die Warnung ist daher
am Platze, daß wir auf das äußerste auf der
Hut sind, um nicht durch scheinbare enalische Nachgiebigleit
den ganzen Erfolg von Brest-Litowsk
in Frage zu stellen.
#
Vorstende Ausführungen erhalten cine
eigenartige Beleuchtung durch nachstehende Informationen,
die uns aus Berlin zugehen:
Die gewisse, auf Englands Freundwilligkeit
ahzielende Politik einiger unserer regierenden
Kreise findet einen ganz besonders interessanten
Ansdruck in Berliner Gerüchten, wonach in der
von Zwisckenfällen zu rechnen Bätten. Ein l-e!
Reiches und aller
worden.
drohenden Gefaht
Hat ins Auge schauen, aber auch den Willen bekunden,
ihr mit aller gebotenen Entschlossenheit
Umgebung des Herrn von Kühlmann bereits urt
einem Waffenstillstand mit England
gerechnet würde. Es werde in jenen Kreiten hinzugefügt.
daß die Brest-Litowsker Politil Herrn
ron Kühlmanns zu diesem Ergebmis
geeignet sei. Eine Belräftigung rfahren diese
Gerüchte durch die Tatsache, daß Herr von Kuhlmann
vom Kaiser zum Vortrag empfangen worl
kabinetts und der Chef des Admiralstabe vom D
Man bringt diese
Empfänge mit Fragen der U. olant
den ist und daß daraufhin der Chef des Marine-Kaiser
empfangen wurden.
führung im Falle eines Waffenstillstande
mit England in Verbindung. Auch spricht man
von einer ganzen Reihe anderer wichtiger Konferenzen
unter hohen Persönlichleiten. 1
Die Friedensverhaudlungen.
des Reichskanzlers
über den Zwischenfall.
WT Berlin, J. 1. Der Hauptausschuß de?
Reichstages trat heute vormitrag 10 Uhr eu einer
neuen Beratung zusammen. Als ersler Redner
sprrach Abg. Graf Westarp uber die Friedens-.
verlandlungen in Brelkt-Litowok. JIm Anschluß
an seine Ausführungen ergrifg, Hrickvians er Dr.
Graf von Hertling das Wort zu folgenden
Ersärungen:
Der Herr Vorredner hatte die Güte, an da
zu erinnern, was ich gestern am Schlusse meiner
kurzen einleitenden Worte sagte, daß das, was
gestern galt, vielleicht beute nicht mehr gelten
wurde, und daß wir immer mit der Moglichteit
Erklärungen
der Zwischeufall scheint eingetreten
zu sein. Schon früher hatte wiederholt während
der Verhandlungen die russische Regierung
den Wunsch auesprechen lassen, daß die Verbnd-Lungen
von Breil-Lucowsl verlegt und an cinen
neutralen Ort, eiwa in Stockholm, sortgeietzt
werden möckten. "
Nun ist dieser Vorschlag ausdrucklich gemacht
Frot.: Erschein. Chr.
zu führen:
I iiiivekteiiiibik eine
Die russische Regierung schlägt die
Verlegung nach Stockholm vor. Ganz
algesehen davon, daß wir nicht in der Lage sind.
und von den Russen vorschreiben zu lassen, wo
wir die Verhandaemgen weiterfubren sollen.
darf ich darauf hinwe sen, daß die Verlogung nach
Stodholm zu außerordentlich großen Schwierigkeiten
führen würde. Ich will nur die Schwierigleit
anfülhren, daß eine direlte Verbindnnz.
die die verhandeluden Deleaierten mit ihren
Lauptflädten Berlin, Wien, Sofia und Peiersvͤurg
haben müssen — die direlten Verbindungen,
die in Brest- Litowsl angelegt sind. funklionieren
gut in Steckholm auf die grôßten
Schwierigkeiten sloßen“ würde. Schon dieser eine
Punkt führt dazu, daß wir nicht darauf eingehen
lönnen.
Dazu kommt, daß die Machenschaften
der Entente. Miß“rauen zu säen zwischen der
russischen Regierung, ihren Vertretern und uns
dort neuen Boden gewinnen würden. Ich habr
daher den Staatssekrelär von Kühlmam beauftragt,
diesen Vorschlag abzulehnen.
(Bravo!) Inzwischen sind in Brest-Litowol
die Vertreter der Ukraine eingetroffen und zwar
nicht nur als Sachverständige, sondern mit Vollmachten
zu den Verhandlungen ausgestattet. Wir
werden ganz ruhig mit den Aertretern der
Ulraine weiter vethandeln.
64. Jahrgang
Ich suge noch hinzu, daß von Petersburg milgeteilt
worden in, die russische Regierung könne
auf Punkt 1 und Zunserer Vorschläge
nicht eingeben. Diese beiden Punkte bezehen
sich auf die Modal täten der Räumung
“ Gebiete und die Vornahme von Volksabstimmungen.
In der russischen Presse wird uns insinuiert,
vah in diesen Punlkten 1 und 2 ausgedruckt
sei, wie wir uns in illoaler Weise unserer
Zusage, betrefssend das Selbstbestimmungsrecht
der Volker, entziehen wollen. Ich muß diese Inlinnalion
zurucweisen (Bravot) Punit 1 und 2
sind lediglich durch praltische Erwagungen bestimmi;
wir lönnen davon nicht abgelen.
Ich glaube, meine Herren, wir können
getroft abwarten, mie dieser Zwischenfall weiter
verlaufen wird. Wir üuyen uns auf unsere
Mackhitellung. auf unfere lonale Gesinnung und
auf unser gutes Recht. (Lebbaftes Bravo!)
Der Aueickunt vertagie sich nach diesen Er-
„llarungen, um den Fraktionen Gelegenhrit zu
bicten, zundchit urner sich uber die Situantion zu
beraten.
Die Lage u Rußland.
ic neueren Mitwilungen aus Rußland zeigen
Annäpbernan der bie jegzt
der neuen Regierung widerstrebenden Elemente
au diese. Jnebesondere in die charakteristische
Cricheinung des Tages die Tatlache, daß das
Verhaltnis zwiscken der Ukrainc und den Bolschewili
sich bessert. De incuesten Nachrichten
sckeinen darauf linzudenten, daß ein Ausgleich
der S uricrigleiten zu erwarten ist. Ao#n#besonderem
Interesse zur Beurteilung dieser Dinge
durste die Taisache sein, daß bereits mehrere
Telegierte der Ulraine in Brest # towek
cingetrossen sind, um cn den dortigen Friedensvderlum#ungen
teilennnelmen. Der deutsche
Slaais Sekre: ar des Auswmärtigert hat die r*—is
nische Delegation durch Tel-#### un seine Bekeilwilliakeit
wissen lassen. min ihr tz Verha ndlungen
Vnzutceten. iese? En- Segen kommen hat die
Utrasner mit —B ideter Freude erfunt. Wie wir
hoten. werden die ultainischen Deleg: erten in
Prei Luowel die HBerderung der Selbtt öndigleit
der Akraine erheben. Wir können wei ter mirleilen.
daß die No darichten der Cnientepress. als
ob die Utraine der Wunschen und Forderungen
der entente sich ergeben haie, vollftandig irreful
rend sind. Die Ulrainer sind vielmelr nicht
arwillt. sich in die ihr von der Entente zugedachlen
FJeielung zu fugetn.
Buchauan auf der Reise nach London.
* Aus dem Haag. 1. Jan. Reuter meldet
aus London: Der englische Bolchafter Sit Buchanan
hat wegen Kranlbeit Peiers burg verlassen,
um nach Londen K#uruckzakel. ren. Die Mitalieder
der br il Icth en Kricgölomm. ien find ebenfalls
abgereift.
Ein neuer Putsch Kalcdins:
Stocklholm. 3J. 1. Saopas meldet aus
Pceterrburg. daß die ganze Bevöllerung des
Mon Tales, Mar ner und Frauen. mobilisiert
worden sei. Die Mobiljsianto#nt sei in 24 Stunden
Surachefeht worden. Alle Manner im militärpflicktigen
Alier befüänden sich bereits unter
den Wassen. Tausende von O ffizieren der kegularen
Armee romien z der Fahne Kaledine.
da sie der Ueberzeugung seien, daß das Leben
unter der maximaliüsnscken Herrschaft fur sie unerträglich
sei, Kaledin soll ein Korps von mehr
als 20 000 Unteroffizieren (I) gebildet haben.
Alcrandrowsl sei von den Kosaken ohne Widersiand
besetzt worden. Die Versendung von Kohlen
nach dem Norden sei unterbrochen.
Schwedische Truppenbewegungen.
* Basel. 4. 1. Pari##r Blätter verzeichnen
unter allem Vorbehalt Folgende Londoner Meldung:
Schwedische Truppen sind an der finnilben
Krenze konzentrier!. an erwartet
von einem Tag zum anderen, daß sie in
Finnland einmarschieren mit der Begründung, die
NRechte Schweden? verteidigen zu müssen.
—