Full text : Das Civil-Medizinal-Wesen im Königreiche Bayern. 2. Band. Die Medizinalpolizei. (2)

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und  vor  Allem  durch  Mangel  an  gehöriger  Reinlichkeit.  Wer
daher  auch  einmal  oder  üfter  sogar  der  Krätzansteckung  sich
ungestraft  aussetzte,  der  rechne  nicht  darauf,  daß  er  deßhalb
immer  so  glücklich  sein  wird.

Daß  die  Krätze  eine  äußerst  unangenehme,  lästige  und
eckelhafte  Krankheit  ist,  weiß  wohl  Jedermann,  aber  nicht  Jedermann
  kennt  die  nachtheiligen,  oft  unheilbaren  Folgen  derselben,
welche  bei  Vernachläßigung  und  ungeeigneter  Behandlung  so
oft  entstehen.  So  wenig  auch  eine  frisch  durch  Ansteckung  entstandene
  Krätze,  bei  einem  sonst  gesunden  Menschen  an  und  für
sich  zu  bedeuten  hat,  so  sicher  und  schnell  sie  hier  durch  Anwendung
  geeigneter  äußerlicher  Mittel  geheilt  werden  kann,  so
gefährlich  und  unheilbringend  kann  sie  durch  sehr  lange  Dauer
und  allgemeine  Verbreitung,  vorzüglich  bei  Menschen,  die  ohnehin
  nicht  ganz  gesund  sind,  und  bei  schneller  Unterdrückung
(z.  B.  durch  ungeeignete  schädliche  Mittel,  Erkältung,  heftig
wirkende  Laxirmittel)  werden.  —  Wahnsinn,  Fallsucht,  Nervenkrankheiten
  aller  Art,  Lähmungen,  Engbrüstigkeit,  Wassersucht,
hauptsächlich  aber  Brustkrankheiten  und  Schwindsuchten  waren
schon  sehr  oft  die  traurigen  Folgen  hiervon.  Zum  Unglücke
haben  diese  verderblichen  Folgen  der  Krätze  noch  die  Eigenheit,
daß  sie  sich  nur  allmählig,  oft  erst  lange  Zeit  nach  dem  Verschwinden
  des  Ausschlages  zeigen,  woher  es  dann  kommt,  daß
sie  häufig  vorkommt,  und  auf  Rechnung  anderer  Ursachen  geschrieben
  werden.

Um  sich  vor  der  Krätze  zu  schützen,  ist  es  vor  Allem  nothwendig,
  daß  man  auf  das  sorgfältigste  jede  Gelegenheit  zur
Ansteckung  durch  nähern  Umgang  mit  Krätzkranken  oder  Berührung
  solcher  Gegenstände,  deren  sie  sich  kurz  zuvor
bedient  haben,  vermeidet.  Wird  daher  in  einer  Familie  irgend
ein  Mitglied  von  der  Krankheit  befallen,  so  sorge  man  dafür,
daß  es  so  viel  wie  möglich  außer  aller  Berührung  mit  den
übrigen  Familiengliedern  bleibe,  daß  es  sich  seines  eigenen
Geschirres,  seines  eigenen  Bettes,  Handtuches,  seiner  eigenen
Kleidung  rc.  bediene,  daß  überdieß  Schlösser,  Klinken,  Handgriffe
im  Hause  täglich  mit  Seifenlauge  gut  abgewaschen,  überhaupt
aber  die  größte  Reinlichkeit  beobachtet  werde.  Wer  neues  Gesinde,
  neue  Handwerksgehilfen,  oder  neue  Arbeiter  in  Fabriken
einzustellen  Willens  ist,  überzeuge  sich  zuvor  genau,  ob  sie  nicht
von  der  Krätze  angesteckt  sind,  verweigere  ihnen  in  diesem  Falle