Full text : Das Civil-Medizinal-Wesen im Königreiche Bayern. 2. Band. Die Medizinalpolizei. (2)

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allzugroßer  Tiefe  auf  nicht  rurchlassender  Unterlage  ruht,
entwickelt.  Deßhalb  sehen  wir  den  Milzbrand  spontan  wirklich
  nur  auf  solchen  Bodenarten  entstehen,  während  er  auf
völlig  durchlassendem  Boden  durch  Selbstentwickelung  gar  niemals
  vorkommt.  Wenn  nun  dieses  Miasma  gleichwehl  als  die
eigentlichste  und  diejenige  Ursache  des  Milzbrandes  betrachtet
werden  muß,  welche  allein  im  Stande  ist,  den  Milzbrandkrank-=heiten
  das  ihnen  eigene  specifische  Gepräge  zu  geben,  so  ist  sie
doch  nicht  die  Einzige;  es  gehört  vielmehr  auch  bei  denjenigen
Thieren,  welche  den  Einwirkungen  dieses  Miasma  ausgesetzt
sind,  eine  bis  zu  einem  gewissen  Grade  ausgebildete  besondere
Anlage  dazu,  um  von  der  fraglichen  Krankheit  befallen  werden
zu  können.  Alles  was  die  Lebenskraft  auf  direkte  oder  und
fast  mehr  noch  auf  indirekte  Weise  herabzustimmen  und  Blutanhäufungen
  und  Stockungen  im  Pfort-Adersysteme  zu  erzeugen
vermag,  geschehe  Dieses  nun  durch  klimatische,  atmosphärische
oder  in  Fütterung,  Wartung  und  Pflege  liegende  Verhältnisse,
kann  daher  zur  Ausbildung  der  Anlage  zum  Milzbrande  deitragen.
  So  wirkt  z.  B.  große  Hitze  dadurch,  daß  sie  die
Energie  des  Nervensystemes  erschöpft,  die  Respiration,  die  Lungenexhalation,
  die  Blutbereitung  und  namentlich  die  Arterialisation
des  Blutes  in  der  verdünnten  Luft  stört,  zwar  keineswegs  für
sich  den  Milzbrand  erzeugend  nichts  destoweniger  aber  die
Disposition  zu  demselben  in  hohem  Grade  erhöhend,  und  wenn
nun  zu  Zeiten,  wo  solche  Temperatur-Verhältnisse  bestehen,
gleichzeitig  auch  jenes  Misma  entwickelt  wird,  so  sehen  wir
gewöhnlich  eine  größere  oder  geringere  Anzahl  von  Thieren  von
jener  Seuche  befallen  werden.  Wenn  aber  trotzdem  nicht  alle
Thiere  erkranken,  so  liegt  dies  eben  in  dem  Umstande,  daß
nicht  bei  allen  Thieren  die  Anlage  in  gleichem  Grade  ausgebildet,
  ja  daß  dieselbe  bei  Vielen  vielleicht  gar  nicht  vorhanden
ist,  wie  es  denn  überhaupt  eine  höchst  merkwürdige  Erscheinung
ist,  daß  die  Anlage  zum  Milzbrande,  obgleich  die  am  Allgemeinsten
  im  ganzen  Thierreiche  verbreitete,  doch  in  den  Individuen
eine  viel  beschränktere  als  für  die  meisten  übrigen  Seuchen  ist.
So  wie  große  Hitze,  besonders  wenn  sie  häufig  mit  Gewitterregen
  wechselt,  so  wirken  auch  andere  in  Nahrung,  Wartung
und  Aufenthalt  liegende  Schädlichkeiten  gleichfalls  nur  die
Disposition  erhöhend,  ohne  die  Krankheit  selbst  zu  erzeugen,  so
lange  nicht  die  unerläßliche  Bedingung  zur  Entstehung  derselben,