Full text : Das Civil-Medizinal-Wesen im Königreiche Bayern. 3. Band. Die Medizinalpolizei (Fortsetzung). (3)

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Ehrerbietigkeit,  ohne  heuchlerischen  Sinn  und  übertriebene  Berdemüthigung.


Ein  williger  und  pünktlicher  Gehorsam  ist  daher  gesehen
und  ungesehen  strenge  Pflicht  eines  jeden  Jünglings.

§.  3.  Außerdem  wird  erwartet,  daß  die  Zöglinge  dieser  mit
königlicher  Großmuth  ausgestatteten  Wohlthätigkeitsanstalt  sich  als
Glieder  einer  Famlie  betrachten  und  benehmen,  indem  hier  alle
ohne  Rücksicht  auf  Alter,  Abkunft  Fähigkeiten,  Confession  und
andere  Verhältnisse  gleiche  Aufnahme,  gleiche  Sorgfalt  und
gleiche  Liebe  genießen,  sowie  sie  aber  auch  gleiche  Pflichten  und
gleiche  Bestimmung  haben.

Besonders  nachdrücklich  muß  eingeschärft  werden,  daß  ein
jeder  Zögling  die  religiöse  Ueberzeugung  seiner  Mitzöglinge  achte,
und  sich  nicht  etwas  beigeben  lasse,  in  dieser  Ueberzeugung  einen
andern  unberufen  wankend  oder  irre  zu  machen.

Wer  dergleichen  wahrnimmt,  hat  die  Pflicht,  es  dem  Vorgesetzten
  unverzüglich  zur  Anzeige  zu  bringen.

§.  4.  Die  gefälligen  Tugenden,  als  da  sind,  Höflichkeit,
Bescheidenheit,  Schonung  und  Nachgiebigkeit,  sowie  die  wechselseitige
  Aushilfe  und  Dienstfertigkeit  in  erlaubten  Dingen  werden
nachdrücklich  empfohlen,  dagegen  Rohheit  und  Anmassung,  Unverträglichkeit
  und  Zanksucht,  sowie  lieblose  Neckerei,  kränkende
Spottsucht,  Anklägerei  und  schmutzige  Selbstsucht,  besonders
aber  alle  Partheisucht  auf  das  Schärfste  verboten.

§.  5.  Fühlt  sich  ein  Zögling  beleidigt,  oder  gekränkt,  so
darf  er  sich  durchaus  nicht  selbst  Recht  verschaffen,  oder  sich
rächen,  sondern  er  hat  Klage  bei  den  Vorzgesetzten  zu  stellen,
denen  es  zukömmt,  über  das  befundene  Recht  oder  Unrecht  das
Geeignete  zu  verfügen.

§.  6.  Ebenso  ist  jeder  Zögling  in  seinem  Gewissen  verpflichtet,
  sträfliche  Excesse  und  ärgerliche  Aeußerungen,  welche  er
an  seinen  Mitzöglingen  wahrnimmt,  den  Vorgesetzten  unverzüglich
  anzuzeigen,  nicht  aber  durch  deren  Verheimlichung  fremder
  Sünden  sich  theilhaftig  zu  machen,  besonders  wenn  der
fehlende  Mitzögling  durch  brüderliche  Abmahnung  nicht  zurecht
gewiesen  werden  kann.

§.  7.  Jeder  Zögling  muß  die  ihm  durch  die  allergnädigste
Aufnahme  in  die  Anstalt  zu  Theil  gewordene  Wohlthat  mitl  innigstem
  Danke  ehren,  und  sich  des  Genusses  der  Allerhöchsten