132 Zweiter Zeitraum.
Bataillon stundenlang den Kirchhof gegen eine siebenfache Übermacht. Aber trotz
der heldenmütigen Tapferkeit mußten die Preußen das brennende Dorf Hochkirch
räumen; in größter Ordnung zogen sie ab und stellten sich in Schlachtordnung.
Daun hütete sch wohl, mit dem gereizten Löwen am hellen Tage den Gang zu
wagen; er verschanzte sich und ließ den ambrosianischen Lobgesang anstimmen. Der
Papst schenkte ihm für diesen Sieg einen geweihten Hut und Degen. Und in der
That hatte das preußische Heer einen schweren Verlust erlitten: es hatte 9000 Mann
an Toten und Verwundeten sowie 101 Kanonen verloren; Prinz Franz von Braunzibahese
uen Feldmarschall Keith waren gefallen, Moritz von Dessau schwer verwundet.
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Doch die Früchte dieses Sieges sollte Daun nicht ernten. Friedrich
umging ihn durch Gewaltmärsche in weitem Bogen, ließ seinen Bruder Heinrich
gegen ihn zurück und gelangte glücklich nach Schlesien. Sofort hoben
die Osterreicher die Belagerung von
Neiße auf und räumten Schlesien.
Friedrich eilte nach Sachsen zurück,
und Daun zog nach Böhmen. So
endete das Jahr 1758 für Friedrich
doch günstig: Schlesien und Sachsen
waren in seinen Händen, die Schweden
waren nach Pommern zurückgedrängt,
und die Russen hatten sich nach vergeblicher
Belagerung Kolbergs nach
Polen begeben.
Das Kriegsjahr 1759.
Wieder wurde auf beiden Seiten
aufs eifrigste gerüstet. Friedrichs
Feinde brachten wieder ein fast doppelt
so großes Heer zusammen als er;
noch schlimmer war, daß es ihm an
tüchtigen Offizieren und alten Sol-Keith.
daten fehlte. Von den nenu ausgehobenen
Rekruten war nur ein Drittel
aus seinen Staaten. Da die englischen Hilfsgelder und die Steuern der
preußischen Provinzen den für den Feldzug erforderlichen Geldbedarf nicht
deckten, so sah sich der König genötigt, den von ihm besetzten Ländern,
namentlich Sachsen, hohe Kriegsschatzungen aufzulegen und, als auch diese
noch nicht reichten, große Summen bei den Münzpächtern zu erheben, die sich
dafür durch Ausprägung immer schlechterer Münzen — nach dem Münzjuden
Ephraim Ephraimiten genannt — entschädigen durften. Bisher hatte Friedrich
den Feldzug stets mit einem Angriff begonnen; bei dem mangelhaften
Zustande seines jetzigen Heeres beschloß er aber, vorläufig den Krieg verteidigungsweise
zu führen. "
Den Feldzug eröffnete auch diesmal Ferdinand von Braunschweig. Er
wollte den Franzosen das während des Winters von ihnen besetzte Frankfurt a. M.
wieder entreißen, wurde aber in der Nähe der Stadt bei Bergen zurück-