7. Erhebung Preußens zu einem Verfassungsstaate unter Friedrich Wilhelm IV. 237
Einwohnerzahl war von neun auf fünfzehn Millionen, die Staatseinnahme
auf das Dreifache gestiegen. „In keinem Lande der Welt gab es eine so menschliche,
so sorgsame, so gerechte Verwaltung, in keinem eine so volkstümliche,
so ganz unerschöpfliche Wehrbarkeit.“ Preußen konnte schon damals ein Heer
von 500000 Mann ins Feld stellen. Dazu stand das Schulwesen in Blüte;
besonders die preußischen Seminare und Volksschulen konnten denen anderer
Länder als Muster dienen.
(4. Die Erhebung Dreußens zu einem Derfassungsstaate unter
Friedrich Wilhelm IV.
1840—1861.
1. Bis zum Ausbruch der Nevplukion.
Als Kind berechtigte Friedrich Wilhelm IV. (geb. 15. Oktober 1795)
durch ungewöhnliche Begabung und Wißbegierde zu den größten Hoffnungen.
Seine Mutter, die Königin
Luise, erweckte in seinem empfänglichen
Gemüte den Sinn
für alles Schöne und Edle und »
legte in ihm den Grund zur »J«
Gottesfurcht. Tüchtige Lehrer, «-wie
Scharnhorst und der Staatsmann
und Gelehrte Niebuhr,
führten ihn in lie Kriegs- “ 4
und Staatswissenschaft ein. As. —— ZX
Knabe sah er Preußen in ““ ’““ § 1 #
seiner tiefsten Erniedrigung, als. *
Jüngling nahm er an den Be411| . .
freiungskriegen teil, und eine W
tiefe Abneigung gegen die Re- » 4 *
volution sowie eine wahre W 1 I
Frömmigkeit, gepaart mit großer n Mun 28 "I
Sittenstrenge, war die Frucht ENNN“]PöPIll
dieser bewegten Jahre. Die Friedrich Wilhelm IV.
Kunstschätze von Paris und
Rom, der Umgang mit bedeutenden Künstlern und eigene Ubung bildeten
seinen edlen Kunstgeschmack. Gelehrte bewunderten sein reiches Wissen; am
meisten zogen ihn Theologie, Geschichte, Musik und Baukunst an. Dabei war
er ein Meister der Rede. Auf dem Schlachtfelde hatte er sich zwar stets
unerschrocken gezeigt; aber er schätzte die Friedensarbeit höher als das Kriegshandwerk,
das Einerlei des Militärdienstes ermüdete ihn; auch war er schon
in seinem Außern weniger ein Muster streng soldatischer Zucht als sein Vater
und sein Bruder Wilhelm. Im Jahre 1823 vermählte sich Kronprinz
Friedrich Wilhelm mit der ihm geistig verwandten Prinzessin Elisabeth
von Bayern.