III. Zoustrmatliche Uebersicht über die Rechts- und Ztaatsphllosophle. 79
Maßregeln ergriffen werden, bei welchen aber, damit nicht Demoralisation einreiße,
da# Prinzip der Selbsthülse in wirthschaftlichen Dingen Nichtschnur fein muß.
Hierdei findet das Verwaltungssystem seine Ergänzung im Kultursystem (I. unter 4),
edenso wie betreffs der Forderung, daß in der Verwaltung die weiteste Oefsentlichkeit
herrichen soll, damit Wünsche und Bedürimisse möglichst allgemein erkaunt
und bekannt werden können; eben deshalb thunlichste Verbrritung aller Hülsfsmittel
der Kruntniß und Bildung des Unterrichts, der freien Vereinigungen, Preßfreiheit,
thätige Mitwirkung Aller an den öffentlichen Angelegenheiten! — Damit im Einklang
stehen
4. die Forderungen der Idee der Vollkommenheit, denn das von ihr
Firrtesn Kultursystem“ setzt dem gesellschaftlichen Wollen das Ziel, die in
de Gesellschaft vorhandenen Kräfte zur höchsten Wirksamkeit zu steigern.
Ticses Ziel steht nicht etwa im Widerspruch mit Rechtsgesellschaft und Lohnsystem,
DNran die Kräfte des Streitfüchtigen, des Rechtsverletzers, des Uebelthäters find zer-#tönnde,
negirende Kräfte, welche durch ihr Walten die Gesammtkrast der Gesellichaft
verringern. Und in Uebereinstimmung mit der Rechtsgesellschaft verlangt
überhaupt das Kultursystem eine harmonische Organisation der mit einer Kollision
drohrnden Krastäußerungen.
Kultur= und Verwaltungssystem unterstützen einander in den meisten Kichamgen,
denn mit jeder gelingenden Kraftäußerung ist im Allgemeinen eine Bofriediung,
ein Lust gefühl, verbunden. Durchsichtigkeit der gesellschaftlichen Omaanisadion,
Verschmelzung der Individualitäten durch Heran bildung der Einzelnen zu
pielseitiger Empfänglichkeit und Beseitigung aller äußeren Hindernisse der Mittheilung
entspricht dem Wohlwollen wie der Vollkommenheit. Aber dabei muß freilich
die zersplitternde und schwächende Mielgeschäftigkeit vom Einzelnen semm gehalten
werden. Neben vielfacher Empfänglichkeit muß jeder seine „individuelle (einseitige)
dervorragung“ in seinem Beruf bethätigm können, damit so das ganze Sustem
aller in der Gesellschaft vorhandenen Berufskriife, zufammengeiaßt in Eins, möglichste
Vollkommenheit zeige. Darum aber Freihelt in der Wahl des Beruss, Bereitigung
jeder kastenartigen Hemmung.
Kollisionen und Schwierigkeiten bieten sich auch hier wieder der deukenden Benochtung
wenn man an das große Problem der Zeit, an die „soziale Frage“
bnptt. Gegen den Kommunismus zwar, die „Ausbeutung der Starken durch
Schwachen“, muß jedes Streben nach höherer Kultur protestiren, allein dem
W entspräche es, dem stärkeren Wollen eine größerr Gütermenge zuzureisen,
weil dadurch die Gesammtkraft der Gesellschaft gesteigert wird, während in
scwachen, ungeschickten Händen die Güter ihren Werth verlieren. Jcdenfalls wird
dieser Forderung bei der Uebertragung gcsellschaftlicher Aemter Genüge zu thun
fein, wo nicht Gunst und Laune, sondern die individuelle Tüchtigkeit ausschlaggebend
ein muß. Ueberhaupt muß man freien Raum schaffen für die Bewegung der
watürlichen Kräite, und ihre Vereinigung zur Sicherung gegen Unsälle, welchen der
Einzelne unterliegen müßte, sowie zur Erzeugung von Gütern (Produktivassozianonen)
energisch fördern. Die Klust, welche Vorurtheil und Anmaßung, Neid und
bochmuth zwischen den verschiedenen Berufsständen zu öffnen droht, muß man durch
Seeftigung des Grundiatzes, daß jede Arbeit ehreuvoll sei, zu schließen trachten.
Eine radikalere Kur schlagen die Sozialpolitiker vor, welche Gemeinsamkeit aller
Produktion smittel verlangen —, aber das Resultat wäre wirthschaftlicher und geistiger
TLiedergang. Aehnliche Folgen hätte die Abschaffung des Erbrechts, dessen
Beschränkung allerdings wünschenswerth ist (s. § 10).
Um die entsfittlichende Wirkung zu weit bch 0“ Arbeitstheilung zu bewitigen,
wird man danach streben müssen, dem Handarbeiter ein gemüthliches Heim
# schaffen und das Verhältniß zwischen ihm und dem Arbeitgeber zu einem ethiichen
zu gestalten. Ueberhaupt muß die Gemeinschaft Veranstaltungen treffen, durch