Full text : Deutsche Geschichte. Zweiter Band. (2)

520  24.  Der  Krieg  von  1866.

berzog  Albrecht,  der  jebt  zum  Oberfeldherın  ernannt  ward,  309
vom  Südheer  nach  Wien  heran  was  möglich  war  und  fuchte  der
Bevölkerung  und  den  Truppen  durch  eine  Broflamation,  welche  die
zuverlichtlichen  Worte  nicht  jparte,  neuen  Mut  einzuflößen.  Er
Ihicte  an  DBenedek,  der  das  geichlagene  und  halb  zertrümmerte
Heer  nad)  Olmüß  gerettet  hatte,  den  Befehl,  mit  jeinen  fünf  Armeeforp3
  nach  Wien  zu  marjchieren.  Dies  aber  wurde  verhindert  Durch
das  Gefecht  bei  Tobitichau  am  rechten  Ufer  der  March  und  Die
Bejebung  von  Zundenburg  durd)  Truppen  der  Armee  des  Kronprinzen,
  wodurch  die  Verbindung  mit  Wien  unterbunden  wurde.
Unaufgehalten  rüdten  die  Preußen  von  Prag  weiter  gegen  Wien
und  vom  20.  an  konnten  ihre  Vortruppen  die  erleuchteten  Fenfter
der  djterreichiichen  Hauptjtadt  jeden:  noch  ein  Kampf  um  die  Donau
linie,  die  von  Preßburg  im  Dften  bis  Krems  im  Welten  die  Heere
trennte,  jchien  bevorzuftehen.  Durch  die  Anrufung  Napoleons  hatte
Öfterreich  eine  Lage  gejchaffen,  die  auch  Bismarck  berechtigte,  Feine
NRücdficht  mehr  zu  nehmen.  Er  hatte  für  den  Sal,  daß  ihm  die
unerwünschte  Fortiegung  des  Kriegs  aufgedrungen  würde,  bereit?
mit  hervorragenden  Männern  der  ungarischen  Unabhängigfeit3partei
Einverftändniffe  angefnüpft.  Allein  e8  kam  nicht  fo  weit:  ein  fiegreich
  fortichreitendes  Gefecht  bei  Breßburg  am  22.  wurde  unterbrochen
  durch  die  Nachricht  von  einem  Waffenjtillitande,  dem  am
26.  der  Bräliminarfriede  von  Nifolsburg  folgte.

Die  Lage  Hatte  fi,  obwohl  im  Lager  ein  tüdischer  Teind,
die  Cholera,  aufgetaucht  war,  für  Preußen  durchaus  günftig  geftaltet.
  Der  Kaifer  Napoleon  fonnte  feiner  Vermittlung  feinen
Nachdrud  geben,  da  jelbit  die  fünfzigtaufend  Mann,  die  für  eine
Dffupation  von  Venetien  notwendig  gewejen  wären,  nicht  disponibel
waren,  und  man  war  im  preußiichen  Zager  über  die  unbefriedigende
militärische  Verfaffung  Frankreichs  vollfommen  unterrichtet;  dagegen
  hatte  Preußen  nad)  der  Schlacht  bei  Königgräb  nach  Mioltfes
Darlegung  mit  den  Landwehren  noch  reichlich  jechshunderttaufend
Mann  zur  Verfügung.

Bor  allem  aber  war  Preußen  auch  auf  dem  westlichen  Krieg3-