Full text: Deutsches Kolonialblatt. VIII. Jahrgang, 1897. (8)

bisherigen Fortschritte vieler, daß sie ihr Fach gut 
erlernen werden. 
Für die begabtesten Knaben ist eine Katecheten- 
schule errichtet worden, die uns die auf die Innen- 
stationen fast unentbehrlichen Mitarbeiter für Schulen 
und Katecheten liefern soll. Ihre Ausbildung liegt 
in den Händen eines Priesters. Der Schulplan für 
dieselben ist in allen Fächern erweitert und um 
Geographie= und Harmoniumunterricht vermehrt. 
Besondere Pflege erhält der Unterricht in der deut- 
schen Sprache. Es sind auch diese Knaben von 
Handarbeit nicht ganz befreit. 
Die Schamba (zu bebauendes Feld) um Kollasini 
wurde durch Ankäufe von 140 ha vergrößert, was 
allerdings empfindliche Opfer verursachte. Der frü- 
here Besitz blieb der Mission reservirt zu Anlagen, 
Gemüsegärten und als Weideland. Der neugekaufte 
Grund wurde schwarzen Christen und Katechumenen 
zur freien Benutzung übergeben; dieselben haben 
sich daselbst in drei kleinen Dörfchen, die alle plan- 
mäßig gebaut und reinlich gehalten sind, nieder- 
gelassen. Am 1. Juli 1896 zählte man 37 Fa- 
milien mit einer Seelenzahl von 130 Personen. 
Es wäre leicht, viele solche Dörfer zu bekommen, 
wenn der Platz nicht mangelte und hier an der 
Küste das Land nicht so theuer wäre. Auf fremdem 
Boden können wir aber die Leute weder zu einem 
Dorfe vereinen, was im Interesse des christlichen 
Unterrichtes dringendst erfordert wäre, noch auch 
halten sich die Leute so gut, wie wenn sie auf 
Grund und Boden der Mission wohnen. Für dle 
Glaubensarbeit unter den Erwachsenen bleibt also 
nichts Anderes übrig, als die kleinen Hüttenkomplexe, 
die mitunter nur von drei bis sechs Personen be- 
wohnt sind, einzeln aufzusuchen und willigen Per- 
sonen einzeln Unterricht zu geben. Doch trägt auch 
diese zeitraubende Arbeit ihre Frucht, namentlich bei 
Angehörigen von Stämmen aus dem Innern, die 
sich hier in der Nähe der Hauptstadt angesiedelt 
haben; 16 Personen werden hier gegenwärtig in 
elnzelnen Gruppen unterrichtet. Größer ist die Zahl 
der Zuhörer zum Morgenunterrichte, der täglich an 
die noch ungetauften Arbeiter und andere Leute in 
der Mission ertheilt wird (40 Personen). 
Der Viehstand ist aus Mangel an Weidegrund 
beschränkt: 20 Stück Rindvieh und eine Herde 
Zlegen. 
In der Missionsschamba ist fleißig gearbeitet 
worden. Wege wurden angelegt in einer Länge von 
7½⅛ km und zum Theil mit Alleen bepflanzt; An- 
lagen begonnen, 4000 Kokosnüsse zum Anpflanzen 
angekauft, Ananas, Papaien, Mango, Orangen, 
Citronen 2c. gepflanzt; auch wurden die unter dem 
Einflusse der Mission stehenden Neger dazu ange- 
halten. Einige kleine Thälchen lieferten eine reiche 
Ausbeute an Gemüse und vergalten reichlich die 
viele Mühe und Sorgfalt, die darauf verwendet 
wurde. Besondere Erwähnung verdient ein Versuch 
mit Vanille. Durch die Freundlichkeit der Landes- 
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kulturabtheilung wurden dem Superior eine ziemliche 
Anzahl Vauillensetzlinge übersandt, die an günstigen 
Plätzen unter sorgfältiger Pflege gut gedeihen und 
berechtigten Hoffnungen für die Zukunft Raum geben. 
  
Aus einem Briefe des Missionars P. Franz 
Müller wird in „Gott will es“ über die Gründung 
einer Schule in Gridji durch die Gesellschaft des 
göttlichen Wortes mitgetheilt: 
Gridji, einer der größten Küstenmärkte des deut- 
schen Togogebietes, liegt in einer Entfernung von 
beinahe einer Stunde von den Missionsstationen 
Klein-Popo und Adjido. Da Gridji durch eine, 
bezw. zwei breite und krokodilreiche Lagunenarme 
von diesen Stationen getrennt ist, war keine Aussicht 
vorhanden, die dortige Jugend zu einer der schon 
vorhandenen Schulen zu ziehen. Bereitwilligst stellte 
uns der Sohn und wahrscheinliche Nachfolger des 
dortigen Häuptlings eines seiner Häuser für ein 
Jahr zur Verfügung. In dieser Zeit mußte also 
eine Schule gebaut werden. Damit der Neubau 
nicht nur zur Hebung der Bildung, sondern auch 
zugleich in würdiger Weise als Kirchlein der Meh- 
rung der Ehre Gottes dienen könne, wurde dem- 
selben noch ein Choranbau beigefügt. Ein kleiner 
Aufban, der dem dort zeitweilig sich aufhaltenden 
Missionar als bescheidener, aber doch gesunder 
Wohnraum dienen soll, krönt thurmartig das Ganze. 
Nachdem am 16. und 17. Januar die Schul- 
jugend von Grldji und ein Missionsbruder die 
passende Ausschmückung der ganz kapellenartigen 
Schule mit Fähnchen, Bildern und Palmen vollendet 
hatten, erfolgte die feierliche Einsegnung am 
18. Januar. 
  
In den „Katholischen Missionen“ lesen wir über 
den Sland der deutschen Pallotinermission 
in Kamerun: Die drei Hauptstatlonen sind 
Marienberg, Kribi und Engelberg. Marienberg (1890 
gegründet) ist besetzt von 2 Patres, 4 Schwestern 
und einigen Laienbrüdern. Seit der Gründung 
wurden hier 1200 Helden (Erwachsene und Kinder) 
getauft. Von hier aus wurden in den Dörfern der 
Umgebung eine Reihe Schulen errichtet, die von den 
begabteren Schülern Marienbergs geleitet werden 
und zusammen über 900 Schüler zählen. Auch 
Erwachsene siczen eifrig unter den ABeSchützen. 
Zum Sonntagsgottesdienst in der Stationskirche 
kommen 4 bis 5 Stunden weit aus der Runde 
500 bis 600 Neger, ein fröhliches, gutmüthiges 
Völkchen. Die Sakramente werden eifrig empfangen, 
und wöchentlich treten 30 bis 40 Personen an den 
Tisch des Herrn. Die Zahl der Taufen betrug 
1896 mehrere Hundert. Dle Zweigstation Edea am 
Sanagaflusse, mit der Dampfpinasse der Mission in 
4½ Stunden zu erreichen, zählt 40 Schulkinder 
unter einem schwarzen Lehrer. Die Station ist 
wichtig für die in Aussicht stehende Missionirung des 
„Hinterlandes"“. Die zweite Hauptstation Kribi in
	        
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