Full text : Deutsches Kolonialblatt. IX. Jahrgang, 1898. (9)

Auch  den  Schritten,  welche  England  nach  Empfang
des  Rapports  der  ausgesandten  Kommission  zur  Begutachtung
  eines  Wiederaufblühens  der  aussterbenden
Zuckerindustrie  in  Britisch-Westindien  eventuell  nehmen
wird,  wird  mit  Aufmerksamkeit  entgegengesehen.

Die  Preise  sind,  wahrscheinlich  infolge  der  geringeren
  Zuckerernte  auf  Cuba,  etwas  gestiegen.

Im  Bezirk  Coronie  hat  ein  holländisches  Syndikat
  mit  einem  Kapital  von  25  000  Gulden  eine
kleine  Fabrik  zur  Bereitung  von  Kokosöl  und  zur
Verwerthung  der  Fasern  der  Kokosschalen  errichtet;
dieselbe  ist  jedoch  noch  nicht  fertiggestellt.

Die  junge  Balataindustrie,  welche  vor  einigen
Jahren  so  viel  für  die  Zulunft  versprach,  wird  jetzt
nicht  mehr  in  so  großem  Umfange  betrieben.  Eine
der  größten  Unternehmungen  The  American  Ex.
ploitation  Comp.“  stellte  im  Jahre  1897  ihre
Arbeiten  ein.  Niedrige  Marktpreise  in  Verbindung
mit  größeren  Anfuhren  von  derartigen  Gummisorten
aus  Afrika  sind  hiervon  die  Ursache;  ebenso  auch  die
Unzuverlässigkeit  der  Aufseher  und  Arbeiter,  die  große
Vorschüsse  fordern  und  bekommen  und  dann  ihren
Verpflichtungen  nicht  nachkommen.

Im  Jahre  1896  wurden  846  467,2  g  Gold  im
Werthe  von  1  159  521  Gulden  gefördert.  Hiervon
wurden  698  477  g  nach  den  Niederlanden  ausgeführt.
  Die  gesammte  Goldausfuhr  seit  Beginn  der
Industrie  bis  Ende  1896  hatte  einen  Werth  von
20  694  380  Gulden.

Die  Goldausbeute  im  Jahre  1897  betrug:

 

im  Bezirk  Suriname  434  660  g,
-Saramacca  135  492.
Marowyne  76  410.
-  -Lawa  46  059  .

Zusammen  692  621  g.

Im  Laufe  des  Jahres  1896  bildete  sich  in  den
Niederlanden  ein  Komitee  zur  Sammlung  von  Beiträgen
  für  eine  wissenschaftliche  geologische  und  ökonomische
  Untersuchung  des  Landstriches  zwischen  den
Flüssen  Suriname  und  Marowyne,  dem  reichsten
Theile  der  Kolonie  Surinam.

Bei  günstigem  Erfolge  dieser  Untersuchung,  welche
ctwa  vier  Jahre  dauern  sollte,  wollte  man  zur  Ausbeute
  dieses  Landstrichs  übergehen.  Später  wandelte
sich  das  Komitee  in  eine  „Gesellschaft  Suriname“
um,  und  es  erhielt  diese  vom  Gouverneur  die  Erlaubniß,
  die  Untersuchung  vorzunehmen,  und  zugleich
das  Vorrecht,  die  untersuchten  Länderstrecken  auszubeuten.
  Ferner  erhielt  die  Gesellschaft  das  ausschließliche
  Recht,  in  diesem  Gebiete  eine  Eisenbahn
anzulegen.

Die  Regierung  in  den  Niederlanden  unterstützte
die  Unternehmung  mit  100  000  Gulden  und  stellte
einige  Ingenieure  aus  Ostindien  zur  Verfügung.

Ende  des  Jahres  1897  kam  die  Erforschungskommission
  in  Paramaribo  an,  bestehend  aus  drei
ostindischen  Ingenieuren  der  Wasserwerke,  einem
Mineralogen,  einem  Geologen  und  zwei  Feldmessern;

 

358  —

das  fernere  Personal  wurde  dort  angeworben.  Mit
einem  Oekonomen  und  noch  einem  Geologen  ist  die
Gesellschaft  in  Unterhandlung.

Das  nöthige  Kapital,  auf  500  000  Gulden  geschätzt,
  ist,  wie  man  sagt,  zum  Theil  aus  Deutschland
  zusammengebracht.

Von  dieser  Untersuchung  hegt  man  für  die  Zukunft
  die  größten  Erwartungen.  Und  nicht  mit
Unrecht!  Der  Reichthum  des  Bodens  der  Koleonie,
sowohl  auf  mineralem  als  ökonomischem  Gebiete  wird
dann  im  Auslande  bekannt  werden,  wodurch  Kapital
und  Arbeitskräfte,  zwei  Faktoren,  die  hier  so  nothwendig
  sind,  ihren  Weg  wohl  nach  Surinam  finden
werden.

Die  Erforschungskommission  beginnt  ihre  Arbeiten
mit  der  Bestimmung  der  Linie  für  die  anzulegende
Eisenbahn,  da  die  Landkonzession  von  dem  Zustandekommen
  der  Eisenbahn  abhängig  gemacht  worden  ist.

Ein  englisches  Syndikat,  dessen  Repräsentant  ein
Herr  J.  B.  Robertson  ist,  untersuchte  im  Jahre  1897
ausgedehnte  Länderstrecken  am  Saramaccafluß.  An
Konzessionsgeldern  allein  wurde  in  diesem  Jahre  die
nicht  geringe  Summe  von  19  945  Gulden  bezahlt,
da  die  Ländereien  besonderer  Umstände  wegen  nicht
für  eine  kostenfreie  Untersuchung  verfügbar  waren.
Zufriedenstellende  Resultate,  welche  die  jährlich  wiederkehrende
  Ausgabe  von  +  20  000  Gulden  begründen
konnten,  lieserte  die  Untersuchung  im  ersten  Jahre
nicht.  Das  Syndikat  wünschte  sich  daraufhin  zurückzuziehen,
  als  der  Herr  Robertson  dem  Gouvernement
  den  Vorschlag  machte,  ihm  während  fünf  Jahren
die  Erlaubniß  zu  verleihen,  die  Untersuchung  einiger
Länderstriche  am  Saramaccafluß,  zusammen  332  000
Hektar  groß,  gegen  eine  jährliche  Abgabe  von  2000
Gulden  vorzunehmen.

Für  jeden  Theil,  der  alsdann  zur  Ausbeute  geeignet
  befunden  werden  sollte,  sollten,  bevor  mit
Exploitation  begonnen  würde,  die  gewöhnlichen  Konzessionsabgaben
  bezahlt  werden.

Dos  Gonvernement,  welches  in  einem  Zurücktreten
des  Syndikats  Robertson  einen  großen  Nachtheil  für
die  Kolonie  erblickte,  reichte  darauf  bei  den  kolonialen
Staaten  ein  Ausnahmegesetz  ein,  welches  hauptsächlich
dem  Gounverneur  das  Recht  einräumen  sollte,  Syndikaten
  und  Gesellschaften  unter  durch  ihn  zu  stellenden
Bedingungen  für  eine  gewisse  Zeit  größere  Oberflächen
  Domänenland  abzustehen,  als  bis  jetzt  nach
den  Bestimmungen  des  Gesetzes  geschehen  konnte.

Die  kolonialen  Staaten  nahmen  dies  Gesetz  mit
großer  Stimmenmehrheit  an.  Es  erhielt  jedoch  nicht
die  Zustimmung  der  niederländischen  Regierung,  da
man  wahrscheinlich  nicht  so  ausgedehnte  Länderstrecken
und  noch  dazu  an  Nichtholländer  verleihen  wollte.