Full text : Wegweiser für Ländliche Wohlfahrts- und Heimatpflege.

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der  Leser  aus  dem  Volke  gewöhnlich  überschlägt.  Durch  diese
Einführung  in  die  Literatur,  die  gewiß  ein  vorzügliches  Zugmittel
  der  Gemeindeabende  sein  kann,  wird  die  Dorfbevölkerung
andererseits  wieder  erzogen  für  die  Dorfbibliothek,  die  sie
mit  anderen  Augen  ansieht,  wenn  sie  erst  einmal  gelernt  hat,  wie
man  ein  Buch  liest  und  worauf  es  beim  Lesen  ankommt.

Die  geeignete  Zeit  ist  der  Winter  von  Ende  Oktober  bis
etwa  März:  nach  Möglichkeit  sollte  auch  im  Sommer  des  Sonntags,
  an  patriotischen  oder  örtlichen  Gedenk-  oder  Festtagen  eine
dem  Gemeindeabend  entsprechende  gesellige  Vereinigung  stattfinden.
  Im  Winter  sollen  die  Gemeindeabende  möglichst  oft  und.
regelnßig-  gehoten  werden,  besonders  festliche  wenigstens  alle
sechs  bis  acht  Wochen.  Die  patriotischen,  wie  etwaige  örtliche  Gedenktage
  werden  an  einem  besonderen  Gemeindeabend  gefeiert.

Wo  ein  Gemeindehaus  sehlt,  dient  das  Schulzimmer,  bei
größeren  Vereinigungen  ein  passendes  Vereinslokal  oder  der
Wirtshaussaal  als  Versammlungsort.  Durch  festliche  und  kunst.
sinnige  Ausschmückung  bei  besonderen  Gelegenheiten  wird  auf
den  Kunstsinn  des  Volkes  anregend  und  belehrend  eingewirkt.
Es  empfiehlt  sich  nicht,  einen  mäßigen  Lieransschank  *êßs  verbieten.
wohl  aber  den  Branntweingenuß.  In  Neuhückeswagen
wurden  die  Wirtshaussäle  gemietet,  um  den  Ausschank  von
Alkohol  jeder  Art  auszuschließen.  (Vergl.  das  Kapitel:  Gemeindehaus.)


Völlige  Gleichheit  soll  herrschen,  also  keine  reservierten  Plätze.
Freier  Eintritt  ist  überall  zu  empfehlen,  wo  erste  Versuche  eines
Gemeindeabends  gemacht  werden,  oder  wo  eine  arme.  Bevölkerung
überwiegt.  Empfehlenswert  ist  es  dann  und  wann  ein  Eintrittsgeld
  nicht  unter  5  oder  10  Pfg.  zu  einem  gemeinnützigen  oder
wohltätigen  Zweck  zu  verwenden.  Im  allgemeinen  soll  das  Eintrittsgeld
  die  Unkosten  decken.  Kein  ländlicher  Gemeindeabend
ohne  gedrucktes  oder  hektographiertes  Programm,  das  neben  der
Reihenfolge  des  Gebotenen  vor  allem  die  Texte  der  gesprochenen
und  gesungenen  Lieder  und  Gesänge  enthalten  muß  und  erfahrungsgemäß
  von  der  Landbevölkerung  hochgeschätzt  und  auf.
bewahrt  wird.  Für  die  Landbevölkerung,  der  jedes  in  der  Stadt
gebotene  Anschauungsmittel  fehlt,  ist  es  unumgänglich  nötig,  daß
jeder  belehrende  oder  unterhaltende  Vortrag  durch  Anschauung
verständlicher  gemacht  werde.  Landwirtschaftliche  Maschinen,
Mustereinrichtungen,  fremde  Tiere,  Pflanzen,  Volkstrachten,
Krankenpflegeapparate,  historische  und  Landschaftsbilder,  Volksmärchen,
  Kunstwerke  in  Malerei  und  Skulptur  lassen  sich  in
Photographien,  Holeschnitten  und  Zeichnungen  durch  das  Skioptikon
  klar  und  deutlich  in  vergrößertem  Maße  darstellen.  Zur
Beschaffung  eines  Skioptikons  mit  Bildern,  desgleichen  auch
verschiedener  musikalischer  Instrumente  usw.  empfiehlt  sich  der
genossenschaftliche  oder  gemeinschaftliche  Bezug:  Einige  benach-