— 334 —
der Leser aus dem Volke gewöhnlich überschlägt. Durch diese
Einführung in die Literatur, die gewiß ein vorzügliches Zugmittel
der Gemeindeabende sein kann, wird die Dorfbevölkerung
andererseits wieder erzogen für die Dorfbibliothek, die sie
mit anderen Augen ansieht, wenn sie erst einmal gelernt hat, wie
man ein Buch liest und worauf es beim Lesen ankommt.
Die geeignete Zeit ist der Winter von Ende Oktober bis
etwa März: nach Möglichkeit sollte auch im Sommer des Sonntags,
an patriotischen oder örtlichen Gedenk- oder Festtagen eine
dem Gemeindeabend entsprechende gesellige Vereinigung stattfinden.
Im Winter sollen die Gemeindeabende möglichst oft und.
regelnßig- gehoten werden, besonders festliche wenigstens alle
sechs bis acht Wochen. Die patriotischen, wie etwaige örtliche Gedenktage
werden an einem besonderen Gemeindeabend gefeiert.
Wo ein Gemeindehaus sehlt, dient das Schulzimmer, bei
größeren Vereinigungen ein passendes Vereinslokal oder der
Wirtshaussaal als Versammlungsort. Durch festliche und kunst.
sinnige Ausschmückung bei besonderen Gelegenheiten wird auf
den Kunstsinn des Volkes anregend und belehrend eingewirkt.
Es empfiehlt sich nicht, einen mäßigen Lieransschank *êßs verbieten.
wohl aber den Branntweingenuß. In Neuhückeswagen
wurden die Wirtshaussäle gemietet, um den Ausschank von
Alkohol jeder Art auszuschließen. (Vergl. das Kapitel: Gemeindehaus.)
Völlige Gleichheit soll herrschen, also keine reservierten Plätze.
Freier Eintritt ist überall zu empfehlen, wo erste Versuche eines
Gemeindeabends gemacht werden, oder wo eine arme. Bevölkerung
überwiegt. Empfehlenswert ist es dann und wann ein Eintrittsgeld
nicht unter 5 oder 10 Pfg. zu einem gemeinnützigen oder
wohltätigen Zweck zu verwenden. Im allgemeinen soll das Eintrittsgeld
die Unkosten decken. Kein ländlicher Gemeindeabend
ohne gedrucktes oder hektographiertes Programm, das neben der
Reihenfolge des Gebotenen vor allem die Texte der gesprochenen
und gesungenen Lieder und Gesänge enthalten muß und erfahrungsgemäß
von der Landbevölkerung hochgeschätzt und auf.
bewahrt wird. Für die Landbevölkerung, der jedes in der Stadt
gebotene Anschauungsmittel fehlt, ist es unumgänglich nötig, daß
jeder belehrende oder unterhaltende Vortrag durch Anschauung
verständlicher gemacht werde. Landwirtschaftliche Maschinen,
Mustereinrichtungen, fremde Tiere, Pflanzen, Volkstrachten,
Krankenpflegeapparate, historische und Landschaftsbilder, Volksmärchen,
Kunstwerke in Malerei und Skulptur lassen sich in
Photographien, Holeschnitten und Zeichnungen durch das Skioptikon
klar und deutlich in vergrößertem Maße darstellen. Zur
Beschaffung eines Skioptikons mit Bildern, desgleichen auch
verschiedener musikalischer Instrumente usw. empfiehlt sich der
genossenschaftliche oder gemeinschaftliche Bezug: Einige benach-