Full text : Eperimentelle und kritische Beiträge zur Neubearbeitung der Vereinbarungen. I. Band. (1)

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mit  reiner  Katalase-  bezw.  Peroxydasefunktion  zu  erhalten,  die  sich  beiderseits  als
hydroperoxydempfindlich  erwiesen.  Diese  Hydroperoxydempfindlichkeit  der  Katalase
wurde  auch  durch  Zusatz  von  Peroxydase  nicht  geändert.  In  einem  solchen  synthetischen
  Gemisch  üben  die  beiden  Fermente  nebeneinander  ihre  Funktionen  aus.

In  unserem  Fall  drängt  sich  zunächst  die  Frage  auf,  ob  es  berechtigt  ist,  die
katalytische  Funktion  der  Milch  in  derselben  Weise  zu  behandeln  wie  die  oxydierende,
d.  h.  als  die  eines  toten  Fermentes.  Die  Gesetzmäßigkeiten,  die  Faitelowitz,  Reiß
u.  a.  für  das  katalytische  Verhalten  der  Milch  beobachteten,  die  Isolierungsversuche
von  Raudnitz  sprechen  dafür.  Hingegen  ist  ebenfalls  unzweifelhaft  festgestellt,  daß
in  der  Milch  Bakterien  wachsen,  die  bei  ihrer  Lebenstätigkeit  Hydroperoxyd  katalytisch
zersetzen'),  und  Seligmann  glaubte  in  seinen  neuesten  Arbeiten  die  katalysierende
Eigenschaft  der  Milch  in  ihrer  Gesamtheit  dieser  Wirkung  zuschreiben  zu  müssen.
Daß  wirklich  eine  solche  Ursache  in  die  Erscheinung  treten  kann,  zeigt  der  folgende
Versuch,  in  dem  erwiesen  wird,  daß  das  bloße  Altern  der  Milch  ohne  merkliche
Änderungen  im  Geschmack,  in  der  Azidität,  Peroxydaseeigenschaft  und  im  Verhalten

gegenüber  dem  Schardingerschen  Reagens,  die  Intensität  der  katalytischen  Wirkung
ganz  beträchtlich  steigern  kann.

Tabelle  XI.  Einfluß  des  Alterns  der  Milch  auf  die  Geschwindigkeit  der
Hydroperoxydzersetzung.

I.  25  ccm  Milch  werden  mit  %Y,  ccm  30°%,-Hydroperoxyd  im  Thermostaten  bei  13°  geschüttelt
und  der  entwickelte  Sauerstoff  gemessen.

a)  Frische  Milch  entwickelt  in  55  Minuten  11,9  ccm  Sauerstofl.

b)  Dieselbe  Milch  nach  1tägigem  Stehen  im  Eisschrank)  entwickelt  in  55  Minuten  29,95  ccm
Sauerstoff.

1l.  50  ccımn  Milch  werden  mit  1  ccm  30  %,-Hydroperoxyd  im  Thermostaten  bei  13,5  °  geschüttelt
und  der  entwickelte  Sauerstoff  gemessen.

a)  Frische  Milch  entwickelt  in  30  Minuten  11,65  ccm  Sauerstoff.

b)  Dieselbe  Milch  nach  1tägigem  Stehen  im  Eisschrank®)  entwickelt  in  30  Minuten  47,40  ccm
Sauerstoff.

Auch  scheint  die  folgende  zufällig  gemachte  Beobachtung  für  obige  Annahme  zu
sprechen:  Versetzt  man  frische  Milch  bei  ca.  40°  mit  gewissen  Mengen  Hydroperoxyd,
die  Milch  unter  normalen  Bedingungen  zu  zersetzen  vermag,  so  hört  die  Zersetzung
bald  auf,  indem  die  Katalase  offenbar  unter  diesen  Bedingungen  starke  Schwächung
oder  Vernichtung  erleidet,  nach  einiger  Zeit  aber  setzt  die  Zersetzung  wieder  stark  ein,
nachdem  die  Milch  Gelegenheit  gehabt  hatte,  sich  an  der  Luft  bei  der  Probeentnahme
zu  infizieren.  Gleichzeitig  verdarb  die  Milch  (vergl.  Tabelle  XIII).

Andererseits  lassen  sich  Tatsachen  anführen,  die  mit  einer  reinen  Bakterienwirkung
  recht  schwer  vereinbar  scheinen.

1)  J.  Sarthou,  Bull.  soc.  pharm.,  Bordeaux  1905.

»)  Mit  dem  Reagens  von  Schardinger  verhält  sich  diese  Milch  noch  normal:  FM:15
M  :  negativ.

?)  Die  Milch  ist  von  normaler  Beschaffenheit.