Full text : Rosenheimer Anzeiger. 61. Jahrngang (61)

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61.  Zabrgaua

Rosenheimer

19

 

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E###er  2  1.  Jannar  1915

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30  Pfenmig;  dei  Wiederholungen  odber

 

 

Amtfliches  Publikasions-Organ

 

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Rosenheimer  Tagblakk

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Vernichtung  eines  euglischen  Dampfers  durch  ein  deutsches  Anterseeboot.

bOle  Ueberschwemmungsschäden  in  flandern.  —  der  Wert  der  beschlagnahmten  Wollvorrätc  in  belglen  und  Frankreich.  —  die  engusche
Ang##  vor  den  deuirschen  luftlchillcn  —  bder  Papst  über  den  Krich.  —  Drangfalicrung  der  Deuifchen  Iin  Kußland.  —  Dic  große  Micderlage
Per  Kullen  in  der  bukomina  —  die  Ruflen  im  Kankalus  zum  küchzug  gezwungen.  —  einc  cugusche  Schlappc  auf  dem  türktschca
Kricgs#chauplatz.  —  OfTIztersrevoltc  in  Portugal.

Die  Kriegslage  im  Oflen.

Seit  Anfang  des  Jahres  waren  an  der  ostpreußischen
  Grenze  und  nördlich  der  Weichsek
keine  größeren  Zusammenstöße  gemeldet  worden.
  Im  Dezember  hatten  unsere  Truppen,  die
aus  der  Gegend  von  Soldau  in  mehreren  Kolonnen
  nach  Osten  vorgedrungen,  stärkere  feindliche
  Kräfte  bei  Prasnysch  und  Ciechanow  vor
sich  gefunden  und  waren,  um  nicht  in  ungünslige
  Gefechte  verwickelt  zu  werden,  auf  die  deutsche
  Grenze  zuruckgegangen.  Die  Russen  folgten
und  wurden  am  9.  Januar  südlich  Mlawa  abgewiesen,
  weitere  Vorstöße  in  den  nächsten  Tagen
  scheiterten  ebenfalls.  s

Erit  am  18.  meldete  die  deutsche  Oberste  Heeresleitung,
  daß  ein  feindlicher  Angriff  gegen
die  Wkralinie  bei  Radzunow  erfolglos  geblieben
  sei.  Diese  Kämpfe  haben,  wie  jetzt  berichtet
  wird,  eine  weitere  Ausdehnung  gewonnen,
  ohne  daß  es  den  Russen  gelungen  wäre,
die  deutschen  Truppen  zu  werfen.  Sie  fanden
statt  auf  der  Linie  Radzanow-Bieschun-  Sierpez,
  Ortschaften,  die  voneinander  15  Kilometer
bezw.  20  Kilometer  etwa  in  gleicher  Höhe  von
Often  nach  Westen  liegen.  Wie  die  Karte  zeigt,
treffen  sich  in  ihnen  eine  Reihe  von  Straßen,
die  von  Südosten  nach  Nordwesten  durch  einen
Waldgürtel  ziehen,  der  besonders  bei  Radzanow
  an  der  mittleren  Wlra  größeren  Umfang
annimmt.  Eine  Fortsetzung  des  Abschnittes
der  Wira  bildet  der  Lauf  der  Skrwa,  die  unweit
  der  preußischen  Grenze  entspringt,  nach
Suden  flicht,  bei  Sierpez  die  Sverpienica  aufnimmt
  und  sich  unterhalb  von  Plock  in  die
Weichsel  ergießt.  An  dieser  Linie  haben  unsere
  Truppen  den  feindlichen  Anmarsch  erwartet,
  der  auf  einer  Reihe  von  Parallelstraßen  vor
sich  ging,  und  dann  den  Angriff  abgeschlagen.
Querverbindungen  fehlen  nördlich  der  Strecke
Ciechanow  .  Razionsch  —  Drobin  Bielsk  —
Plock  safl  ganz.  Die  Wege,  die  von  dort  gegen
unsere  Front  laufen,  werden  durch  die  Wälder
vielsach  zu  Engen.

Die  strategische  Lage  ist  also  für  unsere
Troppen  durchaus  günstig.  In  einer  Erörterung
  über  die  Kriegslage  hält  es  der  „Bund“
in  Bern  für  offenbar,  daß  die  russische  Heeresleitung
  sich  jetzt  in  der  Defensive  befindet,
die  ihr  von  den  Verbündeten  aufgenötigt  ist.
Damit  setzte  sie  selbst  den  Schlußstrich  unter
die  große  Offensive.  Auch  die  franz.  Quellen
sprechen  nur  noch  von  einer  Defensive  der
Russen  innerhalb  des  Weichselbogens.

Eln  englischer  Dampfer  vernichkel.
Berlin,  22.  Jan.

Wie  bereito  berichtet,  wurde  nach  Notterdamer
  Meldungen  der  von  Leith  nach  Rotterdam
  bestimmte  englische  Dampfer  „Durward“
von  einem  deutschen  Unterseebo#t  angerufen.
Die  Mannschaft  wurde  aufgefordert,  das  Schiff
binnen  ehn  Minuten  zu  verlassen,  und  auf  ihren
eigenen  Booten  nach  einem  Feuerschiff  gebracht.
Der  „Durward“  wurde  daraufhin  versenkt.
Später  wurde  die  Bemannung  des  „Durward“
durch  ein  Dampflotsenboot  in  Hoek  van  Hol- 



land  an  Land  gesetzt  u.  mit  der  Eisenbahn  nach
Rotterdam  gebracht,  wo  sie  in  einem  Seemannsheim
  Unterkunft  fand.

er  „Durward“  ist  nicht  das  erste  britische
Handelsschiff,  das  mit  deutschen  Unterseelooten
  in  tödlicke  Berührung  gekommen  ist-Am
  23.  November  brachte  „U  21“  den  Dampfer
  „Malachit“  zur  Strecke  und  wenige  Tage
darauf  solgte  in  der  Gegend  von  Le  Havre
der  französische  Dampfer  „Primo“.  Nach  längerer
  Pause  ist  jetzt  wieder  einmal,  wie  es
scheint  am  östlichen  Eingang  des  Kanals,  ein
englisches  Schisf  einem  deutscken  Unterseeboot
zum  Opfer  gesallen.

Nach  den  Zeppelmen  sofort  die  deutschen  Unterseeboote
  —  dos  ist  etwas  viel  auf  einmal
für  die  englische  Angit.  „Giornale  d'Italia“
findet  in  englischen  Briefen  Insormationen,
welchen  demoralisierenden  Eindruck  die  deutschen
  U.  Boote  auf  die  englische  Flotte  haben,
wie  durch  sie  die  Verminderung  der  zu  Kreu-Verfahrten
  bestimmten  Schiffe  erzwungen  und
diese  Aufgabe  nur  Schiffen  altenner  Konstrul
tion  überlassen  werden  soll.  Die  deutschen  Ma
rineoffiziere  scheinen  die  Plänc  des  englischen
Minensystems  besser  zu  kennen  ale  die  Eng
länder  selbst  und  mackhen  Spajierfahrten  an
der  englischen  Küste  mit  einer  Sachlichleit,  als
befänden  sie  sich  in  den  Gewässern  von  Helgoland.
  Man  beginnt  in  den  englischen  Marine
kreisen  diese  unbehagliche  Situation  schwer  #u
empfinden,  die  so  viel  mechanische  und  menick
liche  Kraft  braucht  und  zu  einer  Desensive  gefahrvoller
  und  genugtuungsarmer  Unbeweg
lichleit  verurteilt.

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Allgemeines  vom  Krieg.
Ein  D-Zug  Lille--Berlin.

Brüssel,  22.  Jan.  Ab  l.  Februar  soll
ein  D-  Zug  Lille-Brüssel-Berlin  mit  70  Kilo
meter  Geschwindigkeit  verkehren,  der  voraussichtlich
  auch  Speise=  und  Schlafwagen  führen
wird.  (3.)

Ein  neues  Panama.

Genf,  22.  Jan.  Die  Pariser  „Humanite“
bestätigt,  daß  die  sozialistische  Kammergruppe
vom  Kriegsminister  verlangt  hat,  daß  das
Amtsblatt  Namen,  Vornamen,  Beruf  und
Adresse  sämtlicher  Heereslieferanten  veröffent:
liche.  Es  seien  slandalöse  Bereicherungen  vorgekommen,
  die  man  nur  als  Diebstähle  bezeichnen
  könne.  Eingeweihte  Personen  versichern,
daß  ein  zweites  Panama  bevorstehe.  (3.)

Zur  Ermordung  des  Sozialistenführers

  Jaures.

Parie,  22.  Jan.  Eine  Kommission  von  drei
Nerzten,  darunter  zwei  Irrenärzten,  hatte  den
Auftrag  vom  Untersuchungsrichter  erhalten,  den
Geisteszustand  jenes  Raoul  Vislain  zu  untersuchen,
  der  in  der  kritischen  Nacht  zum  1.  August
den  französischen  Sozialistenführer  Jaures  in
einem  Gasthause  in  der  Rue  Montmartre  durch
Revolverschüsse  meuchlings  ermordete.  Die  schon
seit  längerer  Zeit  in  Paris  umgehenden  Ge- 



rüchte,  die  Kommission  werde  den  Mörder  für
geisteskrank  erklären,  haben  sich  nunmehr  bestätigt.
  Die  betreffenden  Aerzte  stellten  bei
Raoul  Villain  krankhafte  Willensschwäche  und
geistige  Minderwertigkeit  fest,  ein  Gutachten,
das  nur  die  Ansicht  besiätigt,  daß  die  Ermordung
  des  größten  Mannes  der  franzöfischen
Fricdenspartei  in  dem  heitelsten  Augenblicke  auf
Anstiftung  jener  Kreise  erfolgt  sei,  die  auf  den
Krieg  hinarbeiteten.  AIn  der  „Humanite“  erhebt
  der  sozialistische  Deputierte  Vaillant  Widersoruch
  dagegen,  daß  der  mit  der  Untersuchung
der  Ermordung  Jaures  betraute  Richter  das
Verfahren  einstellen  wolle.  Vaillant  verlangt
eine  öffentliche  Gerichtsverhandlung.  .)

Die  erbeuteten  Wollvorräte  in

elgien.

München,  22.  Jan.  In  der  heutigen  Sitzung
  der  Handelskammer  berichtete  Kommerzienrat
  Fränkel  über  die  Informationsreise,  die
er  im  Auftrage  der  bayerischen  Staatsregierung
  in  der  ersten  Deremberhälfte  in  das  Große
Hauptquamier,  nad,  Nordfrankreich  und  Antwerpen
  gemacht  hale,  um  als  Sachverständiger
  auf  tem  Gebie#c  des  Wollhandels  eingehendere
  Auslunfte  uber  die  im  feindlichen
Auslande  bescklagnahmten  Wollmengen  einzuziehen
  und  bezüglick  der  Frage  des  Abtransportes
  und  des  Verteilungsmodus  dieser  Vorräle
  für  die  banerischen  Interessen  tätig  zu  sein.
Nach  seinen  Darlegungen  haden  sich  die  in  Lille.
Roubair  und  Tourcoing  beschlagnahmten  Mengen
  von  Wolle,  Kammzeug  und  Wllabfällen
als  wesentlich  namhafter  erwiesen,  als  von  den
größten  Cxplimisten  geschätzt  worden  war.  Die
im  Pariser  „Lempo'  vektöffentlichten  Zisserm
schätzen  den  gesamten  Wert  des  von  unseren  Heeren
  in  Frankreich  beschlagnahmten  Handels=  und
Industriematerials  auf  eine  Milliarde  Francs,
eine  Ziffer,  die  dem  Redner  zu  niedrig  gegriffen
  erscheint.  (3.;

Englische  Bomben  auf  holländischem

  Gebiet.

Amsterdam,  22.  Jan.  Am  Dienstag  ließ
ein  Zweidecker  (System  Farman)  unbekannter
Nationalität  eine  Bombe  auf  das  sog.  „englische
  Loch“  an  der  Ostschelde  (holländisches
Gebiet)  fallen.  Der  Flieger  ist  ohne  Zweifel
ein  Engländer  gewesen,  da  nur  das  englische
Heer  sich  der  Farman-Zweidecker  bedient.  Die
Bombe  explodierte,  richtete  aber  keinen  Schaden
  an.  (Z.)

Der  Papstüber  den  Krieg.

WIB.  Rom,  22.  Jan.  Der  Papf  hielt  im
Konsistorium  eine  Ansprache,  in  der  er  von
neuem  seinen  tiesen  Schmerz  über  den  unheilvollen
  Krieg  ausdrückte  und  bemerkte,  daß
Monat  um  Monat  verstreiche,  ohne  daß  auch
nur  von  der  Ferne  sich  die  Hoffnung  zeige,  daß
das  Blutbad  ein  Ende  nehmen  werde.  Er  fügte

 

hinzu,  daß,  wenn  er  auch  das  Ende  dieser  Geißel
  nicht  herbeiführen  könne,  er  sich  bemühr
habe  und  sich  noch  bemübe,  um  die  schmerzlichen
  Folgen  zu  lindern.  Der  Papst  erklärte,
daß  es  sicherlich  weder  ratsam  noch  nüllich  sein
würde,  wenn  die  päpstliche  Autorität  in  die
Zwistigkeiten  der  Kriegführenden  sich  einmischen
würde.  Der  Heilige  Stuhl  musse  vollkommen
unpartei#sch  bleiben.  Der  Papst  müsse  mit  demselben
  Gefühl  der  Caritas  allen  Kämpfenden
begegnen  und  in  ihnen  nicht  Sonderinteressen
sehen,  die  sie  entzweien,  sondern  das  gemeinsame
  Gut  des  Glaubens,  das  sie  zu  Brüdern
macke.

Bom  wefllichen  stiegsschanplat

Der  Uebersckwemmungsschaden  in

Flandern.

Rotterdam,  22.  Jan.  Der  von  den  Engländern
  im  Kampfe  gegen  die  Deutschen  durch
die  Ueberschwemmung  in  Westflandern  herbeigeführte
  Schaden  wird  auf  über  350  Millionen
  Gulden  beziffert.  Die  überschwemmten
Fluren  sind  die  erm#agereichsten  Gaue  in  Flandern
  und  durch  die  englischen  Maßnahmen  auf
mindestens  fünf  Jahre  von  jeder  Ertragsfähigkeit
  ausgeschlossen.  (3Z.)

Dieenglische  Angst  vor  den  deutschen
Luftschiffen.

Amsterdam,  22.  Jan.  Die  Londoner
„Times“  schreiben:  Die  Deutschen  haben  zu
den  Aufgaben  der  Flugzeuge,  Kundschafterdienste
  zu  leisten  und  Bomben  zu  werfen,  eine
drine  Aufgabe  hinzugefügt,  nämlich  Furcht  einzuflößen.
  In  unjerem  Falle  war  natürlich  der
zweck,  zu  orreichen,  daß  unsere  Truppen  möglichst
  in  England  verbleiben.  Wir  dürfen  mit
Femlicher  Besummtheit  annebmen,
Deutscken  viel  daran  lag,  zu  beobachten,  wie
unsere  Verteidigung  an  der  Osiküste  auf  den
Luftangriff  reagieren  würde,  und  was  bei  einem
eventuellen  späteren  Angriff  weiter  im  Innern
des  Lande=  zu  erwarten  sei.  Es  wird  den  Deutschen
  zugleich  eine  große  Genugtmung  gewesen
sein,  daß  sogar  kein  Gegenangriff  erfolgte.  Da
die  Zeppeline  einen  Altionsradius  von  etwa
1200  Meilen  haben,  so  gibt  es  keinen  Teil
der  britischen  Insel,  den  sie  nicht  erreichen  könnlen.
  Wären  die  Schiffe  am  Dienstag  mit  Volldampf
  Zekommen,  so  hätten  sie  jede  große  englische
  Stadt  erreichen  und  vor  Tagesanbruch
wieder  4  Hause  sein  können.  Da  es  Deutschlands
  Zweck  sein  muß,  Städte  mit  wertvollen
r  e  mit  Kriegsmaterial,
Fabrilen.  Schiffswerften  uso.  anzugreifen,  so
durfen  wir  das  nächstemal  einen  ganz  anderen
Angriff  weiter  im  Inlande  erwarten.  Wir
können  nichts  dagegen  tun,  als  unsere  Städte
verdunkeln  und  uns  mit  Luftgeschützen  versorgen.

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