376
der Hirschbrunst nachzuziehen *). Es war wohl gut, daß man
ihn durch Ahasverus Alinga sowohl im Roͤmischen Recht als
in den Reichskonstitutionen unterrichten ließ, aber billig haͤtte
er doch wohl auch Franzoͤsisch lernen, auf Reisen gehen sollen
um manierlich zu werden, und vor allen Dingen zur Nuͤchternheit
gewoͤhnt werden sollen. Sein Leichenredner hat es
mit vielem Nachdruck angemerkt, daß er die Bibel einigemal
durchgelesen habe und uͤberdieß Anmerkungen beigeschrieben,
daß er die polemischen Schriften seiner Theologen, deren doch
damals eine große Fruchtbarkeit war, oft eigenhändig durchgesehen
und verbessert habe: aber der fromme Ludwig, diesen
Namen erhielt er schon bei seinen Lebzeiten, war wie ihm sein
geheimer Rath Melchior Jäger unverholen vorhielt, bis an
seinen frühen Tod immer so betrunken, daß er gar nicht mehr
wußte, was eigentlich Nüchternheir sey, und leider eintraf, was
ihm eben derselbe prophegeit hatte, daß er sich durch solche beständige
Trunkenheit zum Kinderzeugen untüchtig machte.
Ueber Erhaltung der reinen Lehre und Ausbreitung derselben
hat der fromme Ludwig immer mit dem größten Eiser
gewacht: aber wir begreifen nicht, wie es sich damit zusammen
schickte, daß er an allen lustigen Schwänken und mauchen
die Religion o#ft höchst entehrenden Possenspielen eine so
hergliche Frende hatte, und so vergnügt seinen ganzen Hof in
alle diese Fehler hineinzog
Ein vergnügter Tag für ihn, wenn er Fremde, die an
seinen Hof gekommen waren, recht bezechen konnte, wenn
es oft aus der Predigt in die Komddie gieng, wo er etwas
recht herzlich lustiges sand. Die Bürger mancher Städie
hatten damals die Gewohnheit, wahrschcinlich noch aus alt-5)
Sattler V. Th. S. 9.