Full text : Spittler’s sämmtliche Werke. Fünfter Band. (5)

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der  Hirschbrunst  nachzuziehen  *).  Es  war  wohl  gut,  daß  man
ihn  durch  Ahasverus  Alinga  sowohl  im  Roͤmischen  Recht  als
in  den  Reichskonstitutionen  unterrichten  ließ,  aber  billig  haͤtte
er  doch  wohl  auch  Franzoͤsisch  lernen,  auf  Reisen  gehen  sollen
um  manierlich  zu  werden,  und  vor  allen  Dingen  zur  Nuͤchternheit
  gewoͤhnt  werden  sollen.  Sein  Leichenredner  hat  es
mit  vielem  Nachdruck  angemerkt,  daß  er  die  Bibel  einigemal
durchgelesen  habe  und  uͤberdieß  Anmerkungen  beigeschrieben,
daß  er  die  polemischen  Schriften  seiner  Theologen,  deren  doch
damals  eine  große  Fruchtbarkeit  war,  oft  eigenhändig  durchgesehen
  und  verbessert  habe:  aber  der  fromme  Ludwig,  diesen
Namen  erhielt  er  schon  bei  seinen  Lebzeiten,  war  wie  ihm  sein
geheimer  Rath  Melchior  Jäger  unverholen  vorhielt,  bis  an
seinen  frühen  Tod  immer  so  betrunken,  daß  er  gar  nicht  mehr
wußte,  was  eigentlich  Nüchternheir  sey,  und  leider  eintraf,  was
ihm  eben  derselbe  prophegeit  hatte,  daß  er  sich  durch  solche  beständige
  Trunkenheit  zum  Kinderzeugen  untüchtig  machte.
Ueber  Erhaltung  der  reinen  Lehre  und  Ausbreitung  derselben
hat  der  fromme  Ludwig  immer  mit  dem  größten  Eiser
gewacht:  aber  wir  begreifen  nicht,  wie  es  sich  damit  zusammen
  schickte,  daß  er  an  allen  lustigen  Schwänken  und  mauchen
  die  Religion  o#ft  höchst  entehrenden  Possenspielen  eine  so
hergliche  Frende  hatte,  und  so  vergnügt  seinen  ganzen  Hof  in
alle  diese  Fehler  hineinzog

Ein  vergnügter  Tag  für  ihn,  wenn  er  Fremde,  die  an
seinen  Hof  gekommen  waren,  recht  bezechen  konnte,  wenn
es  oft  aus  der  Predigt  in  die  Komddie  gieng,  wo  er  etwas
recht  herzlich  lustiges  sand.  Die  Bürger  mancher  Städie
hatten  damals  die  Gewohnheit,  wahrschcinlich  noch  aus  alt-5)

  Sattler  V.  Th.  S.  9.