Full text : Deutsches Kolonialblatt. XVIII. Jahrgang, 1907. (18)

V.  176  20

schiedene  Schriften  herausgegeben  und  auch  Fachausstellungen
  veranlaßt.

Viehhaltung  und  Dünger.

Ein  großer  Unterschied  zwischen  dem  Ackerbau
auf  Ceylon  und  dem  in  Ländern  der  gemäßigten
Zone  besteht  darin,  daß  wenig  Tierkraft  für  die
Bearbeitung  des  Bodens  benützt  wird.  Soweit
hierzu  Tierkräfte  durchaus  erforderlich  sind,  wird
der  Büffel  (zum  Verwechseln  ähnlich  mit  dem
wilden  Büffel)  oder  das  indische  Rind,  teilweise
auch  das  kleine  Zeburind  verwandt.  Pferde
werden  fast  nur  zu  Menschentransporten  gebraucht,
  und  hierfür  findet  man  hauptsächlich  von
Australien  importierte  Tiere.  Eine  eigene  Aufäucht
  hat  keinen  guten  Erfolg,  denn  schon  in  der
zweiten  Generation  pflegt  infolge  des  veränderten
Klimas  eine  Degeneration  einzutreten.  Auch  die
Schaf=  und  Ziegenzucht  ist  sehr  unbedentend.  Die
Momente,  welche  in  den  gemäßigten  Zonen  die
Viehzucht  für  die  Landwirtschaft  als  günstig  erscheinen
  lassen,  fallen  zum  großen  Teile  in  den
Tropen  fort.  Während  z.  B.  der  Milchertrag
der  Kühe  in  den  gemäßigten  Zonen  eine  gute
Einnahmequelle  bildet,  schrumpft  dieser  Ertrag
hier  sehr  zusammen.  Die  Milchgabe  einer  Kuh
per  Tag  beträgt  nur  etwa  9  Liter;  von  ebenso
geringem  Erfolge  ist  die  Mästung.  Alle  Versuche,
die  mit  der  Einführung  verschiedener  Viehrassen
gemacht  wurden,  schlugen  fehl,  auch  bei  den  neueingeführten
  Rassen  schrumpfte  der  Milchertrag
nach  einiger  Zeit  zusammen.  Hierzu  kommt,  daß
der  kleine  Arbeitslohn,  den  ein  Cooly  erhält,
nicht  so  sehr  in  Rechnung  zu  stellen  ist  wie  das
große  Risiko,  das  durch  Fallen  der  Tiere  besteht.
Außerdem  sind  ja  zur  Futteranschaffung  und  Bedienung
  für  die  Tiere  doch  immer  noch  Coolys
nötig.  Die  Folge  davon  ist,  daß  nur  da,  wo
man  die  Zugkraft  der  Tiere  unbedingt  haben
muß,  Vieh  gehalten  wird.  Dies  bringt  aber  für
die  Landwirtschaft  insofern  eine  veränderte  Lage,
als  der  Dünger  nicht  in  dem  Maße  produziert
wird,  wie  er  in  den  gemäßigten  Zonen  für  die
Hebung  der  Kultur  zur  Verwendung  kommt.  Die
Plantagenbesitzer,  soweit  sie  an  Verkehrsstraßen
liegen,  bauen  deshalb  vielfach  Stallungen  auf
eigenem  Terrain  an  diesen  Straßen  und  stellen
diese  Stallungen  zur  freien  Benutzung  der  passierenden
  Fuhrwerke,  um  auf  diese  Weise  in  Besitz
  des  Düngers  zu  gelangen.  Daneben  haben
der  Verbrauch  von  künstlichem  Dünger  und  die
Gründüngung  große  Dimensionen  angenommen.

Plantagen.
Der  Hauptstützpunkt  des  ganzen  Erwerbslebens
auf  Ceylon  ist  der  mit  europäischem  Kapital  betriebene
  und  von  Europäern  geleitete  Plantagen- 



bau.  Es  dürfte  schwer  sein,  zu  ermitteln,  wie
groß  das  hierin  investierte  Kapital  ist;  denn
außer  dem  Kapital  einer  beträchtlichen  Anzahl
von  Aktiengesellschaften  ist  ein  sehr  bedentendes
Privatkapital  angelegt.  Laut  „Thea  Planters
Note  Book“  waren  1902  in  London  54  Ceylongesellschaften
  mit  einem  eingezahlten  Kapital  von
4  479  809  Pfd.  Sterl.  (gleich  89  596  180  Mark)
und  in  Colombo  47  Gesellschaften  mit  einem  eingezahlten
  Kapital  von  20  452  749  Rupien  (gleich
27  611  211  Mark)  registriert.  Das  ergibt  zusammen
  117  Millionen  Mark.  Das  sind  aber
nur  diejenigen  Pflanzungsgesellschaften,  welche
Tec  allein  oder  Tec  und  andere  Zwischenprodukte
kultivieren.  Die  Zahl  wird  bedeutend  größer,
wenn  man  die  große  Anzahl  von  Gummi-Pflanzungsgesellschaften,
  welche  besonders  in  den
letzten  Jahren  gegründet  sind,  und  die  Gesellschaften
  für  Kokospalmenpflanzung  usw.  hinzurechnet.
  Für  die  Gesellschaften,  die  außerhalb
Ceylons  ihren  Wohnsitz  haben  oder  für  Private,
die  ihre  Plantagen  nicht  selbst  verwalten,  ist  zur
Bewirtschaftung  außer  dem  Leiter  der  Plantage,
dem  Superintendent,  noch  gewöhnlich  in  Colombo
ein  Repräsentant  tätig,  der  um  den  Verkauf  der
Produkte  und  um  die  Gelddispositionen  bemüht
ist.  Er  hat  oft  mehrere  solcher  Vertretungen  und
erhält  für  seine  Tätigkeit  eine  Entschädigung,  die
in  Prozenten  vom  Reingewinne  ausgedrückt  ist.
Beide  —  Plantagenleiter  und  Repräsentant
disponieren  in  entscheidenden  Fragen  zusammen.
Durch  diese  Handhabung  ist  es  wohlhabenden
Leuten,  die  in  Europa  zu  leben  beabsichtigen,
doch  möglich,  ihr  Kapital  in  Ceylon  zu  belassen
oder  es  dort  neu  anzulegen.  Der  größte  Teil
der  Ceylon-Produkte  geht  nach  London,  meist  in
Konsignation,  an  Vermittlungshäuser  und  kommt
dort  zum  Verkauf.

In  Colombo  hat  sich  aber  auch  ein  bedeutender
  Handel  sowohl  mit  Plantagenprodukten,
wie  mit  Plantagenaktien  herausgebildet  und  eine
große  Anzahl  Vermittler  (Brooker)  ist  hierfür
tätig.  Es  werden  nicht  nur  Aktien  der  auf
Ceylon  bestehenden  Plantagen,  sondern  auch
solcher  in  Indien  und  den  Straits  gehandelt.
Ebenso  kommt  ein  großer  Teil  der  Ceylon-Produkte
  dort  zum  Verkauf,  besonders  Kokospalmenprodukte,
  Zimmt  und  Tee,  letzterer  vermittels
Auktionen,  um  nicht  über  England,  sondern  direkt:
in  die  Konsumländer  verschifft  zu  werden.

Indien.

Über  die  weiten  Strecken  des  gesamten  Indiens,
das  —  vom  7.  bis  40.  Breitengrade  —  neben
dem  britischen  Besitze  eine  große  Anzahl  von  Eingeborenen-Staaten
  umfaßt,  bin  ich  naturgemäß
nicht  in  der  Lage  eingehend  zu  berichten,  da  die