Inhaltsverzeichnis : Die Hohenzollern und ihr Werk.

380  Die  Erhebung  Preußens  zur  Großmacht  (1710—1786).

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burg  vor,  womit  sich  der  König  auch  einverstanden  erklärte.  Er  sandte  zu  den
Verhandlungen,  die  am  30.  Dezember  begannen,  den  Geheimen  Legationsrat
von  Hertzberg.  Die  Österreicher  begehrten  Glatz  und  boten  dafür  erst  eine  Geldentschädigung,
  dann  eine  Grenzberichtigung  in  Oberschlesien.  Aber  von  prenßischer
Seite  wurde  das  alles  rundweg  abgelehnt  und  einfach  die  Herstellung  des  Zustandes
  vor  dem  Kriege  verlangt.  Schließlich  fügten  sich  die  Osterreicher.  Die
handelspolitischen  Bestimmungen  des  Dresdener  Friedens,  die  auf  Fortsetzung
der  alten  Handelsbeziehungen  zwischen  Schlesien  und  Osterreich  gingen,  wurden
nicht  wiederholt:  die  Handelssperre  zwischen  Preußen  und  Osterreich  wurde
dauernd.  Tas  Ausinnen  Österreichs,  daß  die  Lande  Ansbach  und  Bayreuth
künftig  nicht  mit  dem  preußischen  Staat  vereinigt,  sondern  wieder  als  Sekundogenitur
  ausgetan  werden  sollten,  wurde  von  Preußen  zurückgewiesen.  Dem  Erzherzog
  Joseph  wurde  die  brandenburgische  Kurstimme  für  die  Kaiserwahl  zugesichert.


Auf  diese  Bedingungen  ist  am  15.  Februar  der  Friede  von  Hubertusburg
geschlossen  worden.  Zu  Hertzberg  sagte  der  König:  „Es  ist  doch  ein  gutes  Ding
um  den  Frieden,  den  wir  abgeschlossen  haben,  aber  man  muß  es  sich  nicht  merken
lassen.“  Und  an  den  Prinzen  Heinrich  schrieb  er:  „Hätte  der  Staat  eine  Provinz
annektieren  können,  so  wäre  das  gewiß  sehr  gut  gewesen;  aber  da  das  nicht  von
mir,  sondern  vom  Glück  abgehangen  hat,  so  stört  der  Gedanke  daran  meine  Ruhe
keineswegs.“

Hat  also  Friedrich  keine  greifbaren  Vorteile  au  Land  und  Leuten  bei
diesem  Friedensschluß  erlangt,  so  war  doch  von  unberechenbarer  Bedeutung  der
moralische  Eindruck,  den  sein  heldenmütiger  Kampf  in  ganz  Europa  gemacht
hatte.  Er  hat  für  seinen  Staat  damals  unwiderruflich  die  Stellung  einer  Großmacht
  begründet;  Preußen  galt  seitdem  als  die  erste  Militärmacht  der  Welt.
Der  Name  der  Preußen  hatte  einen  stolzen  Klang  gewonnen,  und  die  verschiedenen
  Landschaften  begannen  sich  als  ein  staatliches  Ganzes  zu  fühlen.  Teils
mit  Anerkennung,  teils  mit  Abneigung  sprach  man  im  Reiche  von  dem,  was
Goethe  „Wert,  Würde  und  Starrsinn  der  Preußen“  nanute.  Der  König  aber
kehrte,  weit  über  seine  52  Jahre  hinaus  gealtert,  in  seine  verwüsteten  Staaten
zurück,  Berge  von  Arbeit  vor  sich  sehend,  um  die  schweren  wirtschaftlichen  Folgen
dieses  furchtbaren  Krieges  wieder  gut  zu  machen.

Retablissement  und  Wirtschaftspolitik  seit  1763.

Die  allererste  Sorge  nach  dem  Friedensschluß  galt  der  Wiederherstellung
der  Armeeausrüstung,  die  natürlich  im  Kriege  stark  gelitten  hatte,  und  der  Auffüllung
  des  Staatsschatzes;  der  größte  Teil  der  29  Millionen,  die  sich  noch  in
den  Feldkriegskassen  des  Königs  befanden,  wurde  dazu  verwendet.  Dann  kam
die  große  Arbeit  des  „Retablissements“,  wie  man  es  nannte:  die  Heilung  der
Kriegsschäden  und  die  Wiederherstellung  der  Landeswohlfahrt;  damit  verbanden
sich  sogleich  große  Meliorationspläne  und  wcit  ausgreifende  Projekte  der  Wirtschaftsreform.
  Der  König  bereiste  selbst  die  Provinzen  und  leitete  in  persönlicher
Besprechung  mit  den  Kammerpräsidenten  und  Landräten  die  notwendigen  Maßnahnen
  ein:  Brot=  und  Saatkorn  wurden  verteilt,  wo  sie  mangelten,  der  stark
verminderte  Viehbestand  wurde  mit  staatlicher  Unterstützung  ergänzt;  25  000
Wispel  Getreide,  17  000  Wispel  Hafer,  35  000  Pferde  wurden  sofort  in  den