Volltext : Europäischer Geschichtskalender. Einundzwanzigster Jahrgang. 1880. (21)

Das  deutsche  Reich  und  seine  rinzelnen  Glirder.  (Febr.  13.)  69

links.  Für  Bennigsen  als  ersten  Präsidenten  stimmten  außer  den  Nationalliberalen
  auch  ein  Theil  der  Fortschrittspartei  (der  Hänel'sche  rechte  Flügel),
din  Gruppe  Läwe,  Wilde  wie  Bockum-Dolffs  und  die  elsässichen  Autonömisten.


13.  Februar.  (Bayern.)  II.  Kammer:  lehnt  den  Beschluß
der  I.  Kammer  zu  Gunsten  des  Jubiläums  der  Universität  Würzburg
  ihrerseits  neuerdings  ab  und  verweigert  jede  Bewilligung  für
diesen  Zweck.  Auch  an  der  Erhöhung  der  Eisenbahn-Personentaxen
um  1,080,000  hält  die  Mehrheit  der  Kammer  trotz  des  Widerstandes
  der  Regierung  fest.

II.  Kammer:  Finanzausschuß:  lehnt  in  einer  stürmischen
Sitzung  mit  8  gegen  7  Stimmen  die  von  der  Regierung  als  erste
Rate  geforderten  700,000  #4  (Gesammtkosten  2,006,000  .4)  für  die
Verlegung  des  Hauptlaboratoriums  und  der  Geschützgießerei  in  die
Festung  Ingolstadt  ab.  Der  Kriegsminister  v.  Maillinger  hatte
erklärt,  daß  er  in.  den  nächsten  Jahren  genöthigt  sein  werde,  mit
noch  größeren  Crediten  zu  kommen,  die  er,  ungerechnet  die  eventuelle
Kasernirung  der  z.  Z.  im  Elsaß  stehenden  bayer.  Truppen,  auf  5
bis  6  Mill.  .&  veranschlage,  und  droht  nach  gefallenem  Entscheid
mit  seinem  Rücktritt.  Die  Minorität  von  7  Stimmen  hatte  wenigstens
  500,000  .X  bewilligen  wollen,  für  die  unveränderte  Forderung
des  Kriegsministers  waren  nur  2  Mitglieder  eingetreten.

13.  Februar.  (Baden.)  II.  Kammer:  der  Verweser  des
Erzbisthums  Freiburg,  v.  Kübel,  hat,  dem  unzweifelhaften  Verlangen
  der  Majorität  der  II.  Kammer  gegenüber,  das  frühere  Verbot
  wegen  Nachsuchung  des  Dispenses  von  dem  allgemeinen  Staatsexamen
  in  einem  Schreiben  an  den  Großherzog  ausdrücklich  zurückgezogen
  und  die  Regierung  zieht  demgemäß  auch  ihre  Vorlage  vom
17.  Jannar  zurück  und  legt  der  II.  Kammer  einen  neuen  Gesetzentwurf
  vor.

Derselbe  lautet:  Artikel  I.  Der  Absatz  3  von  Artikel  1  des  Gesetzes
vom  19.  Februar  1874  erhält  folgende  Fassung:  Dazu  (nämlich  zum  Nachweis
  der  allgemeinen  wissenschaftlichen  Vorbildung)  wird  regelmäßig  erfordert,
  daß  der  Candidat  Zeugnisse  über  die  von  ihm  bestandene  Abiturienten-,
bezw.  Maturitätsprüfung  und  den  dreijährigen  Besuch  einer  Universität  sowie
  darüber  vorlegt,  daß  er  während  seines  Universitätsstudiums  Vorlesungen
aus  dem  Lehrkreise  der  philosophischen  Facultät,  wie  für  die  Studirenden
der  Rechtswissenschaft,  der  Medicin  und  des  Cameralfaches  vorgeschrieben  ist,
mit  Fleiß  gehört  habe.  Artikel  II.  Artikel  4  des  Gesehes  vom  19.  Februar
1874  wird  aufgehoben.“

Der  Bisthumsverweser  hatte  allerdiugs  Ursache  genug,  einen  Abschluß
des  Culturkampfes  durch  Nachgiebigkeit  von  seiner  Seite  zu  ermöglichen.
Denn  nicht  weniger  als  240  Pfarrstellen  (Capläne  und  Hilfspriester  eingerechnet)
  sind  z.  Z.  in  Baden  unbeseht.  Wenn  man  nun  die  Zahl  der  jähr-