Inhaltsverzeichnis : Rosenheimer Anzeiger. 61. Jahrngang (61)

Hummer  ⁊2

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Freitag,  2.  April  1015

 

stelle  f#r  den  betreffenden  Bundesstaat  berechnete
  Gesamtmenge  unter  Berücksichtigung  der
Verschiedenheit  der  Volksernährung  weiter  zu
verteilen.  Der  Beirat  sprach  sich  nach  dem  Vortrag
  des  Vorsitzenden  des  Beirats  und  des
Referenten  der  Landesvermittlungestelle  auf
Grund  eingehender  Beratung  dahin  aus,  daß
eine  Mbstufung  des  Kopfyerbrautkes  nach  der
Berufszugehörigkeit  eintreten  soll.  In  dem  für
ganz  Bayern  aufzustellenden  Landesverteidigungsplan
  wird  entsprechend  den  Beslimmungen
des  Bundesrates  eine  Unterscheidung  zwischen
landwirtschaftlicher  und  nicht  landwirtschaftlicher
Bevöllerung  vorgenommen  werden.  Aufgabe
der  Kommunalverbände  ist  es,  eine  weitere  Abstufung
  je  nach  den  Bevölkerungsverhältnissen
der  einzelnen  Vezirke  durchzuführen.

Die  Bereitung  von  Backwaren.  Am
31.  März  hat  der  Bundesrat  durch  Aenderung
der  Verordnung  über  die  Bereitung  von  Vackwaren
  das  Verbacken  von  Weizenbrot  aus  reinem
  Weizenmehl  zugelassen,  wenn  der  Weizen
zur  Herstellung  dieseo  Mehles  bis  zu  mehr  als
93  vom  Hundert  durchgemahlen  ist.  Außerdem
sind  noch  einige  Ersatzmittel  für  den  vorgeschriebenen
  Kartoffelzusatz  zum  Roggenbrot  zugelass
sen,  wie  Maisme#l.  Erbsen=  und  Bohnenmehl,
Sagomehl,  Manizt  und  Tapiokamehl  und  in
beschränktem  IImfange  auch  Sirup  und  Zucker.
Endlich  ist  den  Verwaltungsbehörden  die  Befugnis
  gegeben  worden,  Beginn  und  Ende  der
12  stündigen  Arbeitszeit  in  den  Bäcdereien  in
ländlichen  Verhältnissen  so  sestzusetzen,  daß  die
Arbeit  vor  6  Uhr  morgens  beginnen  kann,  und
ferner  die  Befugnis,  im  öffentlichen  Interesse
oder  in  Notsällen  Ausnahmen  zuzulassen.

Gegen  Mißstände  auf  dem  Kartoffelmarkt.
  Der  Bundesrat  hat,  um  den  vielbeklagten
  Mißständen  entgegenzutreten,  daß
Epeisekartoffeln  vielfach  als  Saatkartoffeln  behandelt
  werden,  am  31.  März  1915  beschlossen,
daß  vom  25.  April  ub  alle  Saatkartoffeln  unter
die  Höchstpreise  für  Speisekartoffeln  fallen  und
daß  auch  bis  dahin  nur  diejenigen  Kartoffeln
ale  Saatkartoffeln  gelten,  die  aus  Saatgutswirtschaften
  stammen,  die  von  der  Deutschen
Landwirtschaftsgesellschaft  oder  von  landwirtsaftlichen
  amtlichen  Vertretungen  anerkannt
in

Jeitungsbetrieb  an  den  Oster-Feiertagen.
  Das  K.  badyerische  Kriegsministerium
  gibt  bekannt:  In  Uebereinstimmung
mit  den  in  Preußen  für  die  beiden  Osterfeiertage
  getroffenen  Anordnungen  wird  der  Zeitungsbetrieb
  an  diesen  Tagen  in  Bayern  solgendermahen
  geregelt:  1.  Für  den  Ostersonntag
und  Oitermontag  wird  völlige  Arbeitsruhe  im
technischen  Zeitungsbetrieb  angeordnet.  Dieser
ist  in  der  Nacht  zum  Ostersonntag  um  12  Uhr
zu  schließen  und  darf  erst  in  der  Nacht  zum
6.  April  um  12  Uhr  wieder  beginnen.  2.  Am
Ostersonntag  und  Ostermontag  ist  die  Veröffentlickhung
  der  amtlich  durch  WTB.  verbreitelen.
Kriegsdepeschen,  aber  ausschließlich  dieser,  an
den  Telegrammtafeln  der  Zeitungen  gestattet.
3.  Der  Straßenverkauf  der  Zeitungen  ist  an  den
genannten  Tagen  nach  Maßgabe  der  ortspolizeilichen
  Bestimmungen  gestattet.

Wildschaden  im  Gebirge.  Der  bauernbündlerische
  Abgeordnete  Eisenberger  hat  sich
wegen  der  zunehmenden  Klagen  über  Wildsoaden
  im  Webirge  an  das  Min###erium  des
Innern  und  der  Finanzen  um  rasche  Abhilfe
gewendet.  Er  wünscht  ein  sofortiges  Einschreiten
durch  vermehrten  Abschuß  des  Wildes,  um  die
(Hetreidesaaten  vor  Wildfraß  zu  schonen.

Kriegeroertrag  im  Hansabund.  Der
im  März  we#n  r#n  des  Nedners  verschobene
  Vortragn  des  Hansabundes  findet  nun—
mehr  am  8.  ***:  ftalt.  Oberbürgermeister  a.  D.
Dr.  Neff  wird  sprechen  übrr  „Der  Kampf  gegen
England  in  Haus  und  Familie“.  Der  Vor
trag  hat  seinerzeit  in  Mundo,#  all  emein  grobes
  Interesse  gefunden.  Deshal  i#  gahlreicher
Besuch  auch  in  Rosenheim,  besonders  seltens  der
Hausfrauen  zu  empfehlen.  Der  Vortrag  findet
im  Soale  des  Hotels  „Deutscher  Kaũet“  stott.

Nachtruhe  in  den  Apothelen.  Unsere
Leier  machen  wir  darauf  aufmerliam,  daß  im
April  die  Riedersche  Apotheke  am  Ludwigsplag
den  Nachtdienst  zu  versehen  hat.  In  diesem
Monat  ist  von  8  Uhr  abends  bis  127  Uhr
morgens  nur  diese  Apothele  zugänglich.

Abgängig.  Seit  dem  1.  Februar  ist  der
Taglöhner  Kilian  Eincer  zuletzt  wohnhaft  in
Kirchdorf,  BA.  erburg,  beheimatet  in  der
Gemeinde  Schlicht,  abgängig.  Er  war  zuletzt
bei  Wasserbauarbeiten  in  Gars  a.  J  beschäftigt.
  Beim  Weggang  von  seiner  Familie  äußerte
er,  er  wolle  nach  Staudham,  um  beim  „Eineisen“
Arbeit  zu  erhalten.  Dorthin  ist  er  aber  nicht

Bei  allen  Erschö

nur  coffeinfreien  Kaffee  Hag!

 

 

gekommen  und  seither  konnten  die  Angehörigen
nichts  mehr  über  ihn  erfragen.  Dirnecker  ist
45  Jahre  alt,  175  —178  Beliimeter  groß,  mager,
  hat  ins  Graue  gehende  Haare,  langen  rötlichen
  Schnurrbart,  braune  Augen.  Er  trug
blaugestreifte  Hose,  wollene  Winterjoppe  und
darunter  einen  grauen  Anzug,  als  Kopfbededung
eine  Pelzmütze.

Maul-  und  Klauensen  c.  In  der  Ortschaft
  Semmelhub,  Gemeinde  Lappach,  ist  die
Maul=  und  Klauenseuche  ausgebrochen.

Klechliche  Kacheichien.

Kirchenmusik  in  der  Stadtpfarrkirche
vom  Charfreitag  dis  einschllehlich  Ostermontag.
1.  Am  Karfreitag:

Mährend  der  Passion:  Turbasätze  (Zwischenruse  des.
Volles).  4l#.  gem.  Chor  von  J.  Mitterer  op.  59.

Improperien  (PTopule  meus)  A1|1.  g.  Ch.  von  Vittoria.

Vexilla  regis  prodeunt  dft.  9.  Ch.  von  J.  Mitterer.

Caligarorunt  äst.  g.  Ch.  von  Alb.  Lipp.

Abende  7  Uhr:  Grabmusik:  „Die  Passion  unseres
Herrn  Jesu  Christ#“  für  Soli,  gem.  Chor  und  Orgel,
lomp.  von  Heinrich  Fidelis  Mäller,  Domdekan  in
Fulda,  op.  16.  (Erläuterung  siehe  unten.)

2.  Am  Karsamstag:

Beim  DI.  Amt:  Kric  (choral),  Gloma  etc.  ok  Missa
Ki.  Caroli  Borromaci  von  Fille  für  Soli,  Chor  und
Orchester.

Gradunle  und  Tractus  äst.  g.  Ch.  ron  J.  Mitterer.

Iaudate  Dominum  und  Magnisicat  #stim.  v.  Mitterer.

Auferstehungsfeier:  Aktollite  portas  f.  4lt.  g.  Ch.  und
Orchester  von  C.  Ett.

3.  Am  hl.  Osterfeste:r:

Festmesse  in  D  von  Georg  Zeller  für  Soli,  Chor  und

Orchester.

Craduale:  Haec  dies  von  C.  Ett,  4st.  9.  Chor.

Offertorium:  Terra  tremuit  von  Jos.  Gruber  für  dst.
Chor  und  Orchester.

Introitus  und  Commmnio:

Choral.
4.  Am  Ostermontag:
Ni#  in  F  von  M.  Brosig  für  Soli,
Orchester.
Graduale:  Haec  dies  von  J.  Mitterer.
Olfertorium:  Angelus  Domini  für  Ist.  g.  Ch.  a  cappellu
von  J.  G.  E.  Stehle.
Introitus  und  Commnnio:  Choral.
Kurze  Erläuterung  zur  Grabmuslk.
Aus  der  1892  von  K.  F.  Müller  lomponierten  Passion
lommen  folgende  Szenen  hur  Aufführung:  1.  Die  Todesungst
  und  Gefangennahme  Jesu  auf  dem  Oelberg,  2.
Die  Verurteilung  zum  Kreuzestod  durch  Pilatus,  3.
Die  sieben  letzten  Worte  Jesu  am  Kreuze.  —  Der  Aufbau
  der  einzelnen  Szenen  ist  kurz  folgender:  Ein  einleitender
  Gesang  weist  auf  das  jedesmalige  Leidens
geheimnis  hin;  es  solgen  Rezitative  nach  den  Worten  der
Ol.  Schrift;  abschließend  bringt  ein  mehrstimmiger  Gejang
  die  Gefühle  des  glaubigen  Christen  bei  Betrachtung
des  Leidensgeheimnisses  zum  Ausdruck.  —  „Die  Todesangt
  des  Herrn  in  Gethsemane“  wird  eingeleitet  mit
dem  altehrwürdigen  geistlichen  Liede  des  Jesuiten-Paters
Friedrich  von  Spee  FSeeie.  1635),  des  Verfassers  von
..Truhnachtigall“:.  „Bei  sinstrer  Nacht  zur  ersten  Wacht.
cine  Stimm“  begann  zu  llagen“,  worin  der  in  Todesangst
  schmachtende  Erlöser  seine  übergrobßen  Leiden
feinem  himmlischen  Vater  und  seiner  ferne  weilenden
Mutter  Maria  klagt.  Es  folgt  darauf  das  aus  Italien
shtammende  von  Klemens  Brentano  meisterhaft  übersetzte
  Lied  .,  In  jenen  äußersten  Stunden“  (für  All-Solo
  und  Chor).  Dleses  Lied  spricht  die  Klagen  des  Erlesere
  über  den  Undank  der  Christen  aus.  —  Den
lebergang  zur  2.  Zzene  bildet  das  Sopransolo:
.„Mein  Volk,  mein  Voll,  was  hab'  ich  dir  getan?“  —
iene  sanfien  Klagevorwürse  des  Heilandes  (Impropeiien)
  gegen  das  jüdische  Voll,  die  der  Karfreitags-Lilurtie
  entnommen  sind  mit  Schluhchor:  „Heiliger  Gott.“
Die  Aerhandlung  und  die  Nerurleilung  zum  Rreuzeslod
  durch  Pilatus  werden  in  Rezitativen  vorgeführt.
Dden  Abschluß  dieser  Ssene  bilden  die  wuchtigen  Allegrosätze,
  worin  das  Voll  mit  allem  Ungestüm  die  Befreiung
  dess  Barabbas  und  die  Kreuzigung  des  Herrn
verlangt.  —  Die  3.  Szene:  „Der  Tod  Jesu  am  Kreuze
und  seine  sieben  letzten  Worte“  wird  eingeleilet  m!
dem  urallen  Kir  henlied:  „Da  Jesus  an  dem  Kreuze
itund“,  worauf  sodonn  die  Hauptzũge  der  Leiden  des
Herrn  am  Kreuze  nach  der  Harmonie  der  4  Evangelien
geschildert  werden.  Die  sieben  letzten  Worte,  sämtliche
in  vierimm  Säten  komponiert,  werden  durch  kurze
Recilatioo  umrahmt.  Den  Schlutß  bildet  das  schöne
geistliche  Lied  des  Konverliten  Angelus  Sileseus  (gestorben
  1677  in  Breslau):  „Ich  danke  Dir  für  Deinen
Tod.“  Die  ganze  Komposition  dieser  Passion  trägt  den
Charakter  edler  Einsachheit,  ober  großer  Würde  an  sich,
trifft  den  Inhalt  der  Worte  stets  in  uhzerst  glück.

Chor  und

 

licher  Weise  und  will  in  die  Tiese  der  detrach  nden
Seele  grelfen.  M.  S

—  —  —

spfungszuständen

Der  Welffrieg.

Die  Kriegsiage.

Tie  Ziegesbeute  bes  Osthecres  im  März:
56  S800  Maussen  gesangen,
Geschäütze  und  61  Waschlueng“wehre
erbentet.

WIB.  Großes  Hauptquartier,  den
1.  April,  vormittags.  Amtlich.
Westlicher  Kriegsschauplatz.

Bei  Fortnahme  des  von  Belgiern  besetzten
Klosters  Hoek-Gehöftes  und  eines  lleinen  Stützpunktes
  bei  Dirmuiden  nahmen  wir  einen  Offizier
  und  44  Belgier  gefangen.

Westlich  von  Pont-a-Mousson  in  und  am
Priesterwalde  kam  der  Kampf  gestern  Abend
zum  Stehen.  An  einer  schmalen  Stelle  sind
die  Franzosen  in  unsere  vorderste  Grabenlinie
eingebrochen.  Der  Kampf  wird  heute  fortgesetzt.

Bei  Vorpostengefechten  nordöstlich  und  östlich
von  Luneville  erlitten  die  Franzosen  erhebliche
VBerluste.  In  den  Vogesen  fanden  nur  Artillerielämpfe
  statt.

Oestlicher  Kriegsschauplatz.

In  der  Gegend  von  Augustow-Suwalki  ist  die
Lage  unverändert.  Nächtliche  Uebergangsversuche
  der  Russen  über  die  Nawla  sind  östlich
Skierniewicze  gescheitert.

Russische  Angriffe  bei  Ozocno  wurden  zurückgeschlagen.


Im  Monat  März  nahm  das  deutsche  Ostheer
im  Ganzen  55  800  Russen  gefangen  und  erbeutele
  9  Geschütze  und  61  Maschinengewehre.

Oberste  Heeresleitung.

Die  Erörterung  des  Friedens-Berlin,

  I1.  April.  Eine  Reihe  deutscher
Wirtschaftsverbände  hat  vor  einiger  Zeit  in
einer  Eingabe  an  den  Reichskanzler  ersucht,  die
Erörterung  der  Friedensziele  freizugeben.  Jen
ist  dem  Vorstand  des  Bundes  der  Landwirte
die  Antwort  des  Reichskanzlers  aus  dem  Grobben
  Hauptquartier  zugegangen.  Es  heißt  darin:
„In  voller  Anerkennung  der  in  der  Eingabe
zum  Ausdruck  gekommenen  heißen  Wünsche  für
das  Wohl  und  Gedeihen  des  Vaterlandes  muß
ich  mir  ein  Eingehen  auf  ihren  sachlichen  Inhalt
zurzeit  aus  Gründen  eines  gebieterischen  Staatsinteresses
  versagen,  bis  sie  den  unterzeichneten
Verbänden  aus  meinen,  die  Frage  einer  Erörterung
  des  Friedenszieles  betrefsenden  Verlautbarungen
  in  der  Presse  bekannt  sein  dürften.

Englische  Nache.

London,  1.  April.  Der  Sekretär  des  Vereins
  der  Kopitäne  von  Handelsschiffen  hat  er-Uärt,
  daß  das  Versenken  des  Dampfers  „Falabal
  die  Kapitäne  zu  dem  Entschluß  brachte,
den  Tod  des  Kapitäus  der  „Falaba“  zu  rächen.
Die  Kapitäne  bemühen  sich,  Kanonen  zu  erhalten.
  (Z.)

Riesige  englische  Verluste.

Amsterdam,  1.  April.  In  einer  Rede,  die
der  Erzbischof  von  York  in  Hull  hielt,  sagte
er,  daß  der  Tod  niemals,  auch  nicht  in  der
schlimmsten  Pestzeit  des  Mittelalters  derart  ge
wütet  hat,  wie  jetzt.  Von  einer  Infanterie-Division,
  welche  mit  400  Offizieren  von  England
abgesandt  wurde,  sind  nur  44  Offiziere  übrig
geblieben  und  von  den  12000  Mann  nur  1230.
Von  einem  Regiment  mit  1200  Mann  und  400
Offizieren  sind  nur  ein  Quartiern:eister  und
300  Mann  übriggeblieben.

Die  französischen  Verwundeten.

London,  1.  April.  Die  in  Massachusettes
erscheinende  „Times“  veröffentlichen  ein  Schreiben
  des  früheren  Unterstaatssekretär;  im  Schatzamt
  der  Vereinigten  Staaten,  aus  dem  hervorgeht,
  daß  Mitte  Februar  sich  600  000  verwundete
  Franzosen  in  den  Hospitälern  Nordfrantreichs
  befanden.

Die  Russengreuel  in  der  Bukowina.

Wien,  1.  April.  Aus  dem  Kriegspressequartier
  wird  genuelurt;  Die  lange  Reihe  schänd- 



licher  Gewaltakte,  die  die  Russen  an  der  rumänischen
  Bevölkerung  verübten,  erfährt  durch
die  solgenden,  in  den  amtlichen  Berichten  mitgeteilten
  Taten  eine  charakteristische  Ergänzung.
Eine  aus  angesehenem  rumänischem  Adelzgeschlechte
  (moldauische  Großbojaren)  stammende
Gutsbesitzerin  wurde  mißhandelt,  vergewaltigt
und  der  Barschaft  von  über  3000  Kronen  beraubt.
  Ein  utsbesitzer  in  moldauisch-Banilla
wurde  schwer  mißhandelt.  Ein  angesehener
Grundbesitzer  in  Ostritza  wurde  auf  offener
Straße  ohne  Grund  niedergeschossen.  Die  Tochter
  eines  vornehmen  rumän.  Bürgers  in  Nadautz
  wurde  in  Gegenwart  der  Mutler  durch
5  russische  Soldaten  genotzüchtigt.  Den  Direktor
der  Nadautzer  Ackerbauschule  beraubten  die  Russen
  all  seiner  Habe.  Dem  griechisch  orientalischen
Pfarrlooperator  in  Radautz  wurden  nach  arger
  Mihhandlung  gegen  600  Kronen  geraubt;
seine  Frau  enkging  nur  dadurch  der  drohenden
Vergewaltigung,  daß  sie  nachts  bei  ftrengem
Froste,  notdürftig  bekleidel,  in  den  Garten  flüchtele.
  Dagegen  vermochte  sich  eine  angesehene
rumänische  Bürgersfrau  in  Nadaug  nicht  mehr
zu  retten;  sie  wurde  öffentlich  genotzüchtigt.
Der  Bürgermeister  von  Radautz.  sowie  der  dorlige
  Oberlehrer  wurden  beraubt  und  schändlich
mißhandelt.  Alle  diese  Grausamkeiten  geschahen
unter  den  Augen  der  russischen  Offiziere,  die
ihre  Soldaten  ruhig  gewähren  ließen.  Der  ruf.
sische  Vandaliomus  rief  unter  der  Bevölkerung
eine  unerhörte  Empörung  hervor.  (.)

Die  Oesterreicher  n  Bessarabien.

Budapest,  1.  April.  Nach  hier  eingetrof
senen  Meldungen  bestätigt  es  sich,  daß  die  ösler.
reichisch-  eungarischen  Truppen  in  Bessarabien  35
Kilometer  weit  vorgedrungen  sind.  (33.)

Der  Zar  in  Odessa.

Bukarest,  1.  April.  In  Odessa  werden
große  Vorbereitungen  getroffen  für  die  Ankunf:
des  Zaren,  der  die  zur  La  andung  gegen  die  Türlei
  bestimmten  Truppen  besichtigen  will.  (3.)

General  Rußky  zurückgetreten.

Stockholm,  1.  April.  Ein  Telegramm  aus
Petersburg  besagt,  daß  General  Rußky,  der  als
Kommandant  der  3.  Armee  bei  Lemberg  und
Warschau  hervorragend  tätig  war,  zurückgetreten
ist.  Sein  Rückriitt  ist,  wie  gemeldet  wird,  aus
Gesundheitsrücksichten  erfolgl.  Der  Zar  bellagt
in  einem  persönlichen  Schreiben  den  Rücktritt
des  Generals,  der  anläßlich  seines  Abschiedes
zum  Mitglied  des  Reichsrates  ernannt  wurde.

Teuerungskrawalle  in  Italien.

Zürich,  1.  April.  In  Ginosa  (Provinz
Lecco)  lam  es  zu  schweren  Jwischenfällen.  In.
solge  der  Tenerung  rd  der  allaemeinen  Arbeitelosiglei,
  (#wr  de  ½  *  erzeilt  worden,
die  Mehlvorrate:  euule  des  Barons  Cappola,
  des  deutschen  Konikin  mit  Beschlag  zu
belegen.  Der  Erlaß  war  aber  infolge  eines  Proteites
  wieder  zurückgenommen  worden.  Darauf
versammelten  sich  in  der  Frühe  etwa  2000
Bauern,  mit  landwirtschaftlichen  Werkzeugen  bewaffnet,
  um  gegen  die  Mühle  zu  marschieren.
Die  Carabinieri  waren  den  Demonstranten  gegenüber
  machtlos.  Der  Eingang  zur  Mühle
wurde  mit  Stocschlägen  und  Steinwürfen  erzwungen.
  Der  Vollohaufe  zerstörte  samtliche
Maschinen  der  Mühle,  setzie  die  Bureaus  in
Brand  und  nahm  die  Mehlvorräte  mit.  Zum
Schluß  wurde  der  Kassenschrank  gesprengt  und
51000  Lire  geraubt.  Nachher  zerstreuten  sich  die
Demonstranten,  nicht  ohne  vorher  die  „elegraohendrähte
  abgeschnitten  zu  haben.  Der  Präjekt
  in  Lecco  erhielt  deshalb  erst  nachmiltags
3  Uhr  Keunntuis  von  den  Vorfällen,  worauf  er
"1N)  Mann  Truppen  und  50  Carabinieri  ab
sandte.  (Z.)

Spanische  Rü  flungen.

Madrid,  1.  April.  Der  Kriegsminister
legte  einen  Plan  fest  für  die  Manöver,  die  den
Charalter  der  Konzentrierung  und  Mobilmachung
  haben  sollen.  Der  von  General  Echague
ausgearbeilete  Plan  der  Neorganisierung  und
Verstärkung  der  Arlillerie  ist  in  der  Durchfüh
rung  begriffen.  Die  Artillerie,  die  bisher  aus
13  Feldartillerie=  und  3  Gebirgsartillerie=  Regimentern
  ohne  26  Balterien  afrikanischer  Trupden
  esland,  wird  auf  540  Kanonen  mit  4000
Bedienungsmannschaften  verstärkt.  Zur  Aufstellung
  der  neuen  Formationen  wird  eine  gewisse
Anzahl  Unteroffiziere  ernannt,  3100  Pferde  und
Maule  el  werden  aufgekauft.  Munitionskästen,

Lafenen  und  Geschosse  werden  von  der  nalionalen
  —.  bergestellt  werden.  (3.)

*262

Langes  Siechenlager,  große  Blutverluste  ausgestandene  Strapazen

greifen  immer  die  Nerven,  das  Herz  und  oft  auch  andere  Organe  an.  In  solchen  Fällen  wird
der  Arzt  viele  Getränke  streng  verbieten,  dagegen  den  coffeinfreien  Kaffee  Hag  unbedenklich

erlauben,  da  er  keinerlei  schädliche  Wirkungen  hat.
in  keiner  Weise  zu  unterscheiden,  wie

Soust  ist  er  aber  von  anderem  guten  üse
jeder  Versuch  beweist.  Ihr  Kaufmann  fühit  ihn.