. Die ersten zwei Kriegsjahre. 91
gedeckt durch sumpfige Wiesen und unter dem Schutz einer
starken Artillerie, kanm angreifbar aufgestellt hatte. Aber Friedrich
griff an, wieder mit der schrägen Schlachtordnung. Ein
mörderischer Kampf entbrannte am 6. Mai. Heldenmütig stürmten
die Grenadiere gegen die Höhen; reihenweise wurden sie von
dem feindlichen Feuer niedergemäht. Eine Fahne in der Hand,
setzte sich der greise Schwerin an die Spitze der Weichenden.
Auch er fiel. Aber schließlich gelang das unmöglich Scheinende
dennoch. Des Königs eigenes Eingreifen durchbrach die Stellung
der Feinde, die ernentem Andringen in wachsender Verwirrung
vollends wichen. Ein Teil wurde ab= und über die Sazawa
zurückgedrängt, die Hauptmasse — 50 000 Mann, davon
10 000 Verwundete und Kranke, obenan der schwer verwundete
Brown — warf sich nach Prag. Ihr Schicksal schien besiegelt.
Von dem Triumphe, sie die Waffen strecken zu sehen
und so Oesterreich zum Frieden zu nötigen, hoffte der König
Trost für die furchtbaren Verluste der Schlacht. Bis dahin sollte
Böhmen Sachsens Schicksal teilen, ihm Mannschaften und Geld
liefern. Aber es ging ähnlich und dann schlimmer als bei
Pirna.
Bis das schwere Geschütz herankam, vergingen drei Wochen.
Erst in der Nacht vom 29. zum 30. Mai konnte das Feuer
auf Prag eröffnet werden. Inzwischen sammelte an der oberen
Elbe Feldmarschall Daun ein Entsatzheer, das zu beobachten
der Herzog von Braunschweig-Bevern in die Gegend von Kolin
detachiert wurde. Daun durch Zerstörung der Magazine in
seinem Rücken zum Abzug zu nötigen, gelang nicht. So versuchte
der König eine neue Auflage von Lobositz zu liefern.
„Hier hilft nichts,“ meinte er, „Daun muß nach Mähren hinein,
er mag stark oder schwach sein, sonsten kriegen wir Prag nicht.“
Aber diesmal mißlang das Wagnis. Auch war es nicht die
Ueberlegenheit Dauns, der des Königs 30 000 Mann 50 000
entgegenstellen konnte, was am 18. Juni bei Kolin gegen Friedrich
entschied, auch nicht eine im Lause des Kampfes beliebte
Abweichung des Königs von den getroffenen Dispositionen, sondern
die Mißachtung derselben durch einige seiner Generale,
infolge teils überhitzten Eifers, teils eines mit dem Drange