Full text : Die Schlacht bei Forbach und die Wehrkraft des deutschen Volkes.

2.3  —

gepriesen.  Im  Theater  spielte  er  auf  der  Bühne  und
in  den  Logen  die  Heldenrollen,  in  keiner  Gesellschaft
  durfte  er  fehlen.  Er  sah  sich  um  unter  den
rcichen  Töchtern  des  Landes  und  griff  tapfer  zu.
Zuerst  der  bürgerliche  Offizier,  doch  vor  20  Jahren
verschloß  auch  der  adlıge  Offizier  sein  Vorurteil  ın
der  Rokkoko-Kommode  und  machte  dem  bürgerlichen
  Kameraden  erfolgreiche  Konkurrenz.  Die
Geldheirat  ist  eine  Art  Zubehör  des  bunten  Rockes
gcworden  und  ein  offen  betriebenes  Geschäft.  Die
Liebe  hat  ıhre  Blindheit  mit  dem  scharfen  Auge  des
Kaufmanns  vertauscht.  Die  Zahl  der  Geldheiraten
beziffert  sich  nach  Tausenden,  und  —  ein  preudischer
  Kriegsminister  bestritt  ihre  Existenz.  Durch
geistige  Vorzüge  hat  sich  der  Leutnant  diese  Stellung
nicht  erobert.  Aber  schließlich  wäre  er  ein  Narr,
wenn  er  den  eitlen,  rückgratlosen,  bürgerlichen
Emporkömmling  seinen  pekuniären  Zwecken  nicht
dienstbar  machte.  Wie  soll  er  sich  sonst  Geld  crwerben,
  und  wer  entschädigt  ihn  für  den  Ausfall?
Er  sichert  sich  Wohlleben  und  Position,  zwei
ciringende  Erfordernisse  der  ‚Neuzeit‘,  denn  der  arme
Leutnant  steht  auf  schr  unsicheren  Füßen.  Was  ıst  er
ohne  Geld  und  ohne  bunten  Rock  bei  seiner  einseitigen
  Bildung  und  Lebensauffassung  ?  Kein  Mensch
reflektiert  auf  ihn.  Vom  Standpunkte  der  Armec
jedoch  ist  dieser  Zustand  gefährlich,  denn  der  reiche
Kamcrad  korrumpiert  schon  ohne  Absicht  durch  Erweckung
  von  Neid,  durch  Nachahmung  und  Verwöhnung.
  Er  selbst  verwöhnt  natürlich  auch,  und
aus  diesem  Holz  werden  die  Helden  zumeist  nicht
geschnitzt.  Eine  alte  Erfahrung  lehrt,  daß  Reichtum
nicht  tollkühn  macht  und  nur  selten  veredelt,  zumal
so  erworbener.  Das  Streben  nach  Geld  und  Genuß