Full text: Deutsches Kolonialblatt. XX. Jahrgang, 1909. (20)

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Früchten, deren haselnußgroße Samen ein gutes 
Ol sehr reichlich enthalten. Ich kenne die Früchte 
schon seit zehn Jahren, konnte aber nie etwas 
über den Baum selbst erfahren. Auch das weiße 
Personal in Neitsas wußte nicht das Geringste 
von dem Vorhandensein dieser Bäume, von denen 
ich außer jungen Früchten auch Blütenzweige 
zur Bestimmung erlangte. Der Samen des 
Marulebaumes (Sclerosarya), der in der ganzen 
Gegend in sehr großer Menge wächst, schmeckt 
genau wie Wallnüsse und enthält sehr reichlich 
vorzügliches Ol. Diese beiden Baumarten sind 
durchaus nicht nur als veldkostliefernd vom Busch- 
mannsstandpunkte aus von Interesse; sie werden 
vielleicht die Zukunft mancher Farm im Nord- 
osten beeinflussen, denn ihre Menge und die 
Qualität des Oles könnten eine kleine Olindustrie 
hervorrufen. 
In Neitsas hatte ich Gelegenheit, einem 
Termitenschwärmen und Termitenfang zuzusehen. 
Am Fuße jedes Termitenhügels hatten die Busch- 
leute ein eimergroßes Loch mit senkrechten Wänden 
gebuddelt, über welchem eine brennende Fackel 
befestigt wurde. Die geflügelten, aus vielen Aus- 
gängen des Hügels hervorkommenden Tiere füllten 
das Loch in einigen Minuten. Der Inhalt wurde 
in einen Sack entleert; das Loch füllte sich dann 
noch ein= bis zweimal. Ein und derselbe Busch- 
mann bediente mehrere Hügel, indem er von 
einem zum anderen lief und die vollgewordenen 
Löcher leerte. Die Termiten enthalten ein farb- 
loses Ol von gutem Geschmack, das durch schwaches 
Pressen sehr leicht gewonnen werden könnte. 
Würde ein Farmer, der eine starke Buschmanns- 
werft hat, zum Zwecke der industriellen Ver- 
wertung der Termiten das Einsammeln richtig 
organisieren, so könnte er in einer Nacht leicht 
50 bis 100 Zentner Termiten sammeln, die 10 
bis 20 Zentner Ol enthalten. Leider bietet sich 
die Gelegenheit zum Fange aber nur an einem 
oder zwei Abenden im Jahre. JIch zerrieb eine 
Termite auf Papier und erzeugte dadurch einen 
6 bis 8 qdem großen Olfleck. 
Am 19. Dezember reiste ich von Neitsas über 
Aitsas, wobei man die letzte Düne passiert, und 
Begus nach Guntsas weiter. Der Wald ist 
auf dieser Strecke meist ziemlich dicht und besteht 
hauptsächlich aus Tamboti, papierrindigen Commi- 
phoren, sehr vielen Selerocaryen. Drei Termiten- 
hügel an dieser Strecke sand ich bewachsen mit 
einem echten Gossipium (Baumwolle), die hier 
wirklich den Eindruck einer autochthonen Pflanze 
machte. Ich sammelte etwas Samen davon, der 
in meiner Forststation bereits ausgesät und 
hoffentlich keimfähig ist. Der Stapel ist übrigens 
  
so gering, nämlich nur 1,5 cm lang, daß an eine 
Nutzbarmachung dieser Pflanze nicht zu denken 
ist. Immerhin würde aber vielleicht Kulturbaum- 
wolle auf den schönen Flächen dieser Parkland- 
schaft gut gedeihen, obwohl ich mich in dieser 
Hinsicht übertriebenen Hoffnungen nicht hingebe. 
Denn obwohl zur Zeit meiner Reise die ganze 
Landschaft durch die täglichen Güsse gut durch- 
tränkt war und mehr Wasser kaum noch hätte 
aufnehmen können, so genügen doch die durch- 
schnittlich nicht mehr als 500 mm keineswegs für 
ein üppiges Gedeihen der Baumwolle. Sicher 
aber wird in den meisten Jahren Erdnußkultur 
im großen ohne Bewässerung rentabel sein. 
Nach Ansicht der meisten Farmer des Herero- 
und Namalandes kann die Viehzucht im Norden 
und Nordosten nicht prosperieren; die Leute don 
oben sind jedoch entgegengesetzter Ansicht, beson- 
ders diejenigen, die Sandfeldweide haben. Alle 
behaupten einmütig, als Viehzüchter nie mit einer 
Farm im Herero= oder Namalande tauschen zu 
wollen. Soviel ist mir als Laien auf diesem 
Gebiete klar: eine Farm im Norden kann in den 
meisten Jahren dank der großen Regenwasser- 
mengen bis in ihre entlegensten Winkel hinein 
ausgenutzt werden, dem Mangel an Brakstellen 
kann leicht und mit geringen Kosten aus den 
Salzvorräten der Etoschapfanne abgeholfen werden. 
Mag indessen recht haben, wer will; die Zukunft 
des ganzen Nordostens liegt weniger auf dem 
Gebiete der Viehzucht, als auf dem des Acker- 
baues. Schon in den allernächsten Jahren wird 
hier sicherlich mit menschen= und zeitsparenden 
Maschinen gearbeitet werden. 
Das Farmhaus von Guntsas lag bei meiner 
Ankunft mitten in einem vielverzweigten See und 
machte einen recht verkommenen Eindruck. Viel 
ist dort nicht geleistet. Die Weiterfahrt nach 
Auns wurde durch beständigen starken Regen 
und viele Durchschlagstellen sehr erschwert. In 
Auns (v. Spiegel der Altere) war recht tüchtig 
gearbeitet worden. Hier sah ich zum ersten Male 
außer 25 ha Maisfeld ein Stück Tabak, sehr 
ungleichmäßig hoch, da viele Pflanzen, ballenlos 
gepflanzt, ausgegangen und durch Nachpflanzen 
ersetzt worden waren. Von der eminent vorteil- 
haften Methode, den Tabak in Büchsen oder 
J. Schmidtschen Kartontöpfen einzeln zu zieben 
und dann mit Ballen anzupflanzen, wußte man 
hier noch nichts, doch fand ich sofort vollstes 
Verständnis dafür.
	        
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