Full text : Rosenheimer Anzeiger. 64. Jahrngang (64)

Uummer  120

Nosenheimer  Anzelger

 

zu  stützen,  den  hbeftigsten  Widerstand  im  nördlichen
  Cambraibogen,  wo  die  Divisionen  der
Armee  v.  Belom  mitten  im  Angriffe  eine  Abwehrschlacht
  liefern  mußlen.  Die  Erbitterung  der
feindlichen  Gegenstöße  und  die  beweglichen  Forts
der  aus  der  Cambrai-Schlacht  überlebenden
Tanks  wurden  an  dem  unvergleichlichen  Heldenmut
  unserer  Truppen  zuschanden.  Erst  am  N  sachmittage
  gelang  der  Durchbruch  durch  die  zweite
Stellung.  Der  Park  von  St.  Lager  und  die
heißumstrittenen  Ortschaften  Croisilles.  Vaulr=Vraucourt
  und  Morchies  wurden  erstärmt.  Die
starke  Besatzung  der  dritten  Stellung,  mit  der
am  Abend  undere  Vorposten  Fühlung  nahmen,
sagte  neuc  schwere  Kämpfe  für  die  lommenden
Tage  voran
Democh  Eiete  der  Druck  der  Armce  v.  Below
so  schwer  auf  dem  Cambrai-Bogen,  daß  der
Gegner  mit  der  Räumung  im  tiessten  Winkel
begann;  über  Flequibres  und  Ribcourt  glitt
der  Nordflügel  der  Armee  v.  d.  Marwitz  nach.
Unterdessen  hatten  die  beiden  südlichen  Armeen
  mit  ilrren  zuneren  Flügeln  um  die  Ehre  des
Sieges  gewelteisert.  Bis  Zun  Spälnachmittage
dauerte  der  Enischeidungs#iampf,  der  mit  der  Eroberung
  der  dritten  und  letzten  englischen  Stellung
  endigte.  Die  Amnce  v.  d.  Marwih  erstürmte
die  Ortschaften  Lieramont.  Longavesncs,  Marquaix.
  Hamelet,  Bernes.  Pouilly  und  Coulaincourt,
  die  Armee  v.  Hutier  nahm  Beauvois  und
Fluquihres  und  erzwang  bei  Jussy,  Quessy  und
Tergnier  den  Uebergang  über  den  Crozatlanal.
Am  Abend  des  22.  war  der  Durchbruch  auf
breiter  Front  von  der  Straße  Cambrai  Pcéronne
  bis  an  die  Oise  vollbracht.  Im  Laufe  von
36  Stunden  war  das  Problein  der  Wei  lfront,
um  das  der  Gegner  zwei  Jahre  hindurch  mit
Ausbietung  aller  Kräsie  vergeblich  gerungen
atte,  entrollt  und  gelöm  worden.  Unermehßliche
Beute  fiel  in  unsere  Hand.  Die  vorbereitelen
Lager  genügten  nicht,  um  den  Sirom  von  Gefangenen
  anfunelmen,  die  Arbeitstruppen  nicht,
un  die  Masse  der  eroberlen  Geschütze  abzufahren.
Unmitlelbar  an  den  Durühbruch  schion  sich  die
Versolgun  gan.  Der  berüchligte  tote  Punlt
der  Entente-Offensiden  wurde  überrollt.  Während
  in  allen  Gegenden  Franireichs  von  Calais
bis  Belsort  Ala#n  geschiagen  wurde  und  von
allen  Seiten  die  frantösischen  Rub  erhr  isionen  der
Dije  ustrebten,  vereinigte  sich  der  Wille  der
Fükrung  iust  dem  Ungestüm  der  Tuppe  in  dem
glübenden  Wunsch.  deim  Feinde  an  der  Klinge
zu  bleiben  und  den  Keil  möglichtt  tief  in  die
brüchige  From  einzutreiben,  elle  das  wiederhergesrellte
  Gle  ichgewicht  der  Kräfte  di:  Wucht  des
Stoßes  ausl.ob.  Die  Armee  v.  Hutier  und  die
südlichen  Korps  der  Arimnee  v.  d.  Marwitz  drangen
  am  23.  bis  an  die  ZSomme  vor,  warfen
Lanig  entgegengeführte  Reserven  zurück  und  erlämpften
  am  21.  gegen  einen  tapser.  aber  in
sortgesetzter  Verwirrung  sechlenden  Feind  den
lebergang.  Eine  badt  sche  Dirision  von  beispielloser
  Angrüsswucht  warf  ün  Schutze  des  Frühnebels
  bei  Böthancourt  die  ersten  Bataillone
über  die  Somme.  Unmittelbar  hinter  der  übersetzenden
  J  Infanterie  schlugen  die  tapferen  Lianiere
  fal.  rbare  Brücken.  Das  Korps  v.  Oe
linger  nalm  am  23.  in  heitigem  Straßenlamyf
die  Stadt  Ham,  das  Korps  v.  Hofacer  tlags
darauf  das  an  blutigen  Erinnerungen  reiche
Péronne.  Clery  und  Boucharesnes,  Maurepas
  und  Combles,  die  berühmten  Kampfstätten
aus  der  alten  Sommeschlacht.  mit  dem  Blute
vieler  deuticher  Stämme  getränkt.  wurden  von
der  Armee  v.  d.  Marwitz  gestürmt.  Am  linlen
Flügel  stieß  das  Korps  v.  Conta  in  den  Waldungen
  jenseits  des  Crozatlanals  zum  ersten  Male
auf  französische  Kraste.  Es  waren  die  125.  und
9.  Division  und  die  1.  Kürassiere  z.  F.,  die,
ersten  Schlachtlage  alarmiert  und  aus  der  Ge.
gend  von  Senlis  und  Compio#guc  eilig  auf  Kraftwagen
  beranbefördert.  sich  auf  unsere  offene
Flanke  warfen.  Sie  teilten  das  Schicksal  der  englischen
  Stellungsdivisionen.  Am  24.  jiel  auch
die  Stadt  Chauny  an  der  Oise,  welche  zu  dellen
  die  aus  Gegend  Paris  herangehetzte  10.  und
55.  Dioision  vergebens  versucht  hatten.  Gleichsain
  als  drohende  Verkündigung  der  siegreichen
Durchbruchsschlacht  sielen  zur  Stunde,  als  die
Somme  erreicht  wurde,  die  ersten  Geschosse  unseter
  weittragend.  n  Kanonen  auf  die  erschrockene
Pauptstadt  der  Franzosen.

   

Währenddessen  wurde  ain  Nordflügel  am  23.

um  die  dritte  Stellung  gerungen.  Dorf  um  Dorf.
Graben  um  Graben,  mußten  im  Nahlampf  überwältigt
  werden.  Einzeltaten  von  antiler  Größe
sind  überliesert.  Es  war  ein  Kampf  mit  der
HIndraschlange.  denn  unaushörlich  traten  frische
englische  Divisionen  in  die  Lücken.  Endlich  am
24.  gelang  es,  unter  dei  Druck  der  südlichen  Erfolge
  in  schweren  Gesechten  den  Gegner  aus
dem  Cambrai-Bogen  herauszuquetschen.  Ein  konzentrierter
  Angriff  der  Korps  v.  Lindequist  und
Grünert  bewirkte  am  Nachmittage  den  Durchbruch
  durch  die  dritte  Stellung.

Das  Korps  v.  d.  Borne  eroberte  am  Abend
Bapaume.

(Fortsetzung  folgt.)

Die  bayerische  Hilfe  für  Tirol.

In  den  „IJnnsbr.  Nachr.“  lesen  wir:  Von
geschätzter  Seite  in  München  kam  privat  die
erfreuliche  Mitteilung  nach  Tirol,  daß  in  Bayern

Tausende  von  Händen  sich  bemühen,  den  beliebtesi
  Tirolern  mit  Lebensmitteln  zu  Hilfe  zu

 

 

lommen.  Man  wäre  auch  gerne  bereil,  aw  Tiroler,
  die  mit  bayerischen  Familien  verwandt
sind  und  freundschaftliche  Bezielungen  haben,
Lebensmittelkarte  direllt  zu  übermitteln  hnlich
  den  Schweizer  Sendungen  wenn  hie-Lir
  die  Ausfuhrbewilligung  erteilt  würde.  Bei
den  bayerischen  Behörden  wird  nun  um  die  Ausfuhrbewilligung
  für  solche  Palete  nachgesucht.
Einen  Aklt  der  Wohltätigkeit  aber  würden  die
Grenzbehörden  ausüben,  wenn  sie  die  Grenzbewohner
  die  in  Bayern  erhältlichen  Liebesgaben
(Brot,  Mehl  und  Bier)  unbehindert  mit  herübernebmen
  ließen.

Die  deutsch-holländischen
Uirtschaftebe  ziehungen.
§  Berlin,  23.  ö.  Wie  die  „Doss.  Ztg.“  aus
Notterdam  meldet,  sind  lant  Amsterdamer
„Handelsbiad“  die  Verhandlungen  über  die  Differenden
  zwischen  Holland  und  Deutichland,  die
noch  geldst  ur  erden  müssen,  ehe  die  Bef  prechungen
über  das  nns  Bielschaftsabkomme  eumit  Deutschland
  beginren  lönnen.  so  gut  wie  beendet.
Nur  ein  Punlt  in  noch  unerledigt,  aber  auch
hierüber  dürfte  es  bald  zu  einer  VerKtändigung
lommen.

Brwerischer  Landlag.

Nachtragsforderungen  im  Landtag.

Dem  Landtag  ist  eine  Nachtrageforderung
im  Betrage  von  900  000  Mark  engegangen,  die
von  der  Staatsregierung  behufs  Beteiligung
Baverns  an  der  Reichesullermittelsteile  verlangt
wird.  Im-  Aussichts  »rat  der  Ge'ellschaft  ist
Bapern  vertrelen.  Ferner  il  ein  Entwurf  eingegangen
  betr.  Erhöhung  der  Grubenseldabgabe.
Der  Entwurf  schlägt  vor,  die  Grubenfeldabgabe,
die  urieit  jährlich  26  Pig.  für  jedes  Heltar
des  Gerubenseldes  beträgt.  auf  50  Pig.  zu
erhöhen.  Der  Eptwurf  will  weiter  ermöglichen,
daß  bei  nicht  im  Vetrieb  besindlicken  Grubenfeldern
  das  Bergwerlveigentum  auch  dann  enk’aogen
werden  kann,  wenn  die  Grubenfeldabgabe  innerhalb
  ##we##er  Jare  nicht  voll  entrichtet  wird.
#in  Ausbau  de:  Walchenseelrasiwerkes  ist
eine  atagssorderung  von  der  Staatsregierung
  dem  Landtan  Wgangen,  d  die  für  den  Bau
des  Werles  den  2.  Te#ubetrag  verlangt,  ferner
4662  600  Mark  sür  eine  Lolalbahn  Tö!z-Lenggries.
  Vorderriß  und  Anger-  Jachenau-  Walchensce.
  Eine  weitere  un  Landtag  eingebrachte  Nachtragssorderung
  rerlangt  zur  Beteiligung  des
baverischen  Staates  an  dem  „Banernweri“  einen
Betrag  von  5  400  000  Mark.  Das  „Barvernwerl“
  soll  d  ie  großen  Eleltrizitälowerke  #n  rechtsrheinischen
  S  qapern  mittels  eines  Hochspannungsnetzes
  zuf  sammenschließen  und  zugleich  die  Walchenseelraft
  über  das  ganze  Land  verleiten  Das
Leitungsneh  soll  von  Kochel  über  München,
Augoburg,  Nurnberg,  Wür:  öburg.  Schweinfurt,
Vambesg.  Bayrenth.  Amberg,  Haidhof,  Regensburg,
  Landehut  und  zurück  nach  München  und
Kochel  geführt  werden.

 

Gesetzentwurf  über  die  Aend
es  Bergbaugesehes.

Dem  Landtag  ist  ein  Gesetzentwurf  über  die
Aenderung  des  Berggesetzes  nebst  Begründung
zur  verfassungsmäßigen  Behandlung  zugegan--gen.
  In  dem  Entwurf  wird  vorgeschlagen,  zur
Sicherung  der  Interessen  der  Allgemein  heit  oie
Aussuchung  und  Gewinnung  der  Eisen-  u.  Manganer##,
  der  Braunkohlen  und  der  in  der  Pfalz
vorkommenden  Steinkohlen  dem  Staate  vorzubehalten.
  Zur  Begründung  ilt  eine  Deulschrift
beigegeben.  bie  89  Seiten  umfaßt  und  einen  geologischen
  leberbr  über  das  Vorlommen  der
nutzbaren  Mi  er#ien  in  Banern  unter  spezieller
Berücksichtigung  der  Eisenerze  bringt.  Aus  den
Fensellungen.  icichen  dich  Folgerungen,  die
u.  a.  bef-  "1  Zeit  wird  es  möglich
sein,  das  WkKrerische  ssen  in  Norddeutschland
einzuführen  und  außerdem  auch  die  dortigen
Hütten  mit  Erzen  zu  verlorgen.  Die  großen
Hoffnungen.  die  man  2#r  Zayren  noch
auf  die  islzulaägische  —*5  sehte,  scheinen  sich
nicht  im  vollen  Umfange  erfüllt  zu  haben.  So
war  man  veranlaßt,  aus  Spanien  und  Schweden
  Er#e  zu  beziehen.  Die  spanischen  Erzlagerstätten
  gehen  aber  ihrer  Erschöpfung  entgegen.
Nun  licgt  die  Gefahr  nahe,  daß  Schweden  selbst
in  nicht  serner  Zeit  durch  Ausnütung  seiner
Wasserkräfte  die  Verschmel-ung  seiner  Eisenerze
auf  ereltrischem  Weg  in  Angriff  nehmen  wird.
Juwiewert  die  franösische  Minetke  in  Zukunft  für
den  deutschen  Bedarf  zur  Versügung  slehen  wird,
läßt  sich  zurzeit  nicht  übersehen  Sind  aber  die
deutschen  Hütlen,  welche  das  Erz  aus  diesen  Ländern
  be-  jelen.  genötigt,  ihren  Bedarf  anderweitig
  eu  decken,  so  kann  man  erwarten,  daß
hierbei  anch  bayerische  Er##  eine  Rolle  spielen
werden.  Das  Maß  der  Beteiligung  der  bayerischen
  Eisenerze  wird  aber  siets  von  der  Billigleit
  ihrer  Verfrachtung  abhängen.

Aenderung  des  Hagelversicherungsgesetzes.


Nach  einem  dem  Landtag  vorliegenden  Gesetzentwurf
  soll  das  Hagelversihrunkeset  u.  a.
dahin  geändert  werden,  daß  die  Anstaltsmitglieder
  nach  näherer  Bestimmung  der  allgemeinen
Persicherungsbedingungen  dle  in  Ark.  13  Ab.  3
vorgesehene  Kürzung  der  Entschädigungen  auscchließen
  können.  Für  den  Fall  des  Justandelommens
  dieses  Gesetzes  hat  die  kXgl.  Versicherungskammer
  mit  Zustimmung  des  Landesausschusses
  den  nachstehend  abgedruckten  Nachtrag

derung

 

aufgeslellt.  Um  die  neue  Einrichtung  noch  für
das  lausende  Versiche  rungsjahr  wirssam  werden
  zu  lassen,  nimmt  die  #9lI.  Versicherungskammer
  schon  jetzt  Anträge  entgegen,  die  wirlsa
  m  werden,  menn  das  Gesetz  zuslandekommt.
Im  enlgegengesetzten  Falle  würden  die  Anträge
  als  nicht  gestellt  gellen  und  würde  es
überhaupt  bei  den  bisherigen  Versicherungsledingungen
  verbleiben.  Zur  Antragstellung  genügt
  die  auf  dem  Verzeichnis  oder  sonstwie  abgegebene
  Erklärung.  daß  für  das  nach  Ortschaft
  und  Hausmmmer  ke#eichnete  Anwesen  der
Ausschluß  der  Kürzung  beantragt  wird.

bes=  und  Persona#nachrichten.
*  München.  24.  deP
der  württemberg.  Minister  i
dend  Dr.  v.  Weissäcker  krisft  in  den  —
Tagen  dies  Mai  hier  ein,  um  den  Besuch  des
Slaatsminister#  v.  Dandl  zu  erwidern.
Privatier  Ludwig  Schöpf,  srüherer
Reichstags-  u.  Landstagsabgeordneter  und  langjähriger
  Bürgermeister  von  Pfassenhausen  ist
nach  schwerem  Leiden  im  Alter  von  75  Jahren
gestorben.  Er  mar  von  1893  1899  Vertreter
des  Wahlkreises  Kaufbeuren  in  der  Zweiten
Kammer.

Mänchener  Neuigfeiten.

*  München.  2.1.  Mai.
von  der  Großhesseloher
  Brücke.  Heule  fruh  stürzte  sich  von
der  Grobtesseloher  Prücke  eine  etwa  33  Jahre
alte  Frau  in  die  Tiefe  und  wurde  alsbald  als
Leiche  geborgen.  Es  dürfte  sich  jedenfalls  un  eine
seit  einigen  Tagen  als  vermißt  gemeldete  Lehrersgatlin
  aus  der  Gegend  von  Mindelbheim
heandeln.

Isheriche  Nochrichen.

Ausschreitungen  in  Ingolstadt.
Amtlich  wird  miilgeteill.:  Am  22.  Mai  gegen
Abend  brach  in  Ingolstadt  in  einer  Wirtschaft  ein
Brand  aus.  Während  sich  aus  diesem  Anlaise
eine  größere  Mensch  emnmenge  ansammett.,  wuroe
durch  cinen  Schuhmann  ein  Mann,  angeblich  ein
Deierteur  verhaftet  und  auf  die  Wache  im  Ralhaus
  geführt.  In  Begleitu-  #  dieses  Mannes  besand
  sich  ein  Soldat,  ein  Nervenkranker,  der
vor  dem  Rathause  ein  lautes  Geschrei  anhob
und  hiedurch  eine  größere  Menschennienge  anlockte.
  Es  verbreitele  sich  albald  die  Vehauplung,
  man  habe  gesehen.  wie:  der  Schutzmann  auf
den  Soldaten  einschlug,  und  es  griff  umso
gröbere  Erregung  um  lich,  als  der  belrefiende
Schugmann,  als  eine  in  Ingolstadt  unbeliebte
Persönlichteit  bereichnet  wird.  Schliei#lich  zerstreute
  sich  aber  die  Ansammlung  und  es  ktrat
Ruhe  ein.  Nach  längerer  Zeit  rotlete  sich  neuerdings
  eine  Schar  junger  Burschen  und  Mädchen
  usammen.  Sie  drang  auf  bisher  noch  unbe
  kannte  Weise  in  das  Rathaus  ein  und  verübte
teils  dort,  leils  vor  dem  Nalllaus  grobe  Ausschreitungen
  und  Sachbeschädigungen,
  in  deren  Verfolg  im  Erogeschoß  ein
Brand  ausbrach,  der  zahlreiche  Altensiũcle  des
Stadtmagistrats  vernich'ete.  Infolge  der  grost  en
Mensckenmasse,  die  sich  sofort  wieder  angesammelt
  hatte,  konnte  die  Feuerwehr  geraume  Zeit
nicht  zu  dem  Brandherde  vordringen.  Erst  durch
einschreitendes  Militär  ließ  sich  die  Menge  zerstreuen,
  wobei  es  noch  in  den  Nachbarstraßen  zu
eimelnen  Sachbeschädigungen  au  Fenstern  und
Läden  kam.  Das  Gesamtergebnis  der  noch  während
  der  Nacht  gepflogenen  Erhebungen  gehl  mit
aller  Bestimmtheit  dahin,  daß  diese  bedauerlichen
  Vorsälle  keine  allgemeinpolitischen,  parteipolitiscen
  oder  wirtschaftlichen  Ursachen  haben,
vielmehr  lediglich  aus  roher  Radau-  und  Zerstörungelust
  junger  und  umeiser  Personen  beiderlei
  Geschlechts  entsprungen  sind.  Die  Ordnung
ist  volllommen  wiederhergest  ellt.

Brandunglück.  In  Etting  bei  Bogen  wurden
  durch  Blitzschlag  die  Oekonomiegebäulichkeiten
  des  Bauern  Fürst  eingeäschert.  Bei  den  Löscharbeiten
  sand  man  die  Leiche  des  29  jahrigen
Gütlers  Köppl  von  Lener  verkoh  ohlt  auf,  de
vor  dem  Gewitter  im  Anwesen  des  Fürst  Equ
gesucht  hatte.

In  der  Donau  ertrank  die  14  jährige
Tochter  des  Ueberführers  Vogt  in  Regensburg.
Das  Kind,  das  die  Fähre  über  den  Fluß  bringen
  wollte,  verlor  die  Herrschaft  über  das  schwere
Fahrzeug,  stürzte  in  das  Wasser  und  konnte  von
dem  in  einem  Boote  zu  Hilfe  eilenden  Vater
nicht  mehr  gereltet  werden.

Beim  Holzfällen  kam  der  13  jährige

hn  des  Ockonomen  Kinzelmann  in  Weiler,
der  leinem  Vater  helsen  wollte,  ums  Leben.  Eine
stürzende  Tanne  erschlug  den  Knaben.  Als  der
Vater  allein  den  schweren  Baum  von  der  Leiche
seines  getöteten  Kindes  wegheben  wollte,  zog  er
sich  innere  Verletzungen  zu.

Beim  Baden  ertrunken.  Der  10  jährige
  Sohn  des  iin  vorigen  Jahre  an  den  Folgen
eines  für  das  Vaterland  erlittenen  Unglacksfalles
  verstorbenen  Briesträgers  Mahle  in  Immenstadt
  ertrank  beim  Baden.  Es  ist  dies  schon
das  zweile  Kind  der  Familie  Mahle,  das  auf
diese  tragische  Weise  ums  Leben  kam.

Vom  Zug  getötet.  Der  Bäleermeister
Sief  aus  Rosenberg,  der  gegenwärtig  beim  Mili- 



 

Todessturz

 

zu  den  allgemeinen  nersicherungebedingungen

 

Samstat,  25.  Mai  1918

lär  ist,  wurde  an  der  Vehrubersahtt  zwischen

Amberg  und  Drahthammu  von  einem  Jug
überfabren  und  getötet.
Schwere  Blnktat.  Juu  Hause  Sieben

Zeilen  34  in  Nürnberg  ereinate  sich  eine  schwere
Bluttat.  Ein  dort  wohnhaster  Belgier  versetzte
seiner  18  jährigen  Tochter  nehrere  Messerstiche
und  brachte  ihr  lebensgefährliche  Verletzungen
bei.  Der  Täter  wurde  sesgenommen.

Bsyerisches  Verians.

Kolbermoor,  24.  5.  Gastspiel.  Sonntag,
  den  26.  Mai  gastiert  in  großen  Mareissaal
das  Bayer.  Bauerntheater  mit  der  bestbekannten
  Direltion  J.  Rirchner  ·  Lang.  Gespielt  wird
die  dreialtige  Bauernposse  „Die  Weibermacht“.
Die  Truppe  ist  hier  nicht  ubelannt  und  dürfte
ihr  ein  guter  Besuch  sicher  s#in.

Gmund,  23.  5.  Zu  der  Wiloereraf.
säre  auf  den  *9  Benzen,  bei  der  der  31

 

Jahre  aite  Gastwi  #wer  Lechner,  Soldat
des  Ins.  Leib  Regt  Leben  einbüßte,  erfährt
  man  noch:  Der  Fo#da  und  die  Srge
Leiche  ergaben,  daß  LPochner  uuf  kurze  Enkfern:
ohne  Kampf  erschoßen  wonen  war.  Etwa  56
Meter  von  der  Leiche  entient  sand  man  eine
ausgeweidete  Nehgeiß.  Demaach  ist  eschtene
daß  Lechner  den  Wilderer  serrascht  hat.  Aus
der  Tasche  des  Jägers  fehlen  2060  Mtarl,  die
der  Wilderer  offenbar  geilehlen  hat.
wWolfsberg,  23.  5.  Unglücksfall.  Der
9ährige  Sohn  Matlhias  de  Kronberger.  Söldners
  Kreu:epointuer  spielte  rähreno  die  Mutier
in  der  Kirche  weilte,  mit  eicem  geladenen  Tercrol
  der  Schuß  entmo  sic  als  der  Knabe  den

Lauf  gegen  die  Bruft  hie#t.  hie  Ladung,  obwol)
mur  Pulverschuß.  drang  in  den  Körper  und  verursachte
  den  sofortigen  Tod.  Der  Vater  steht  im
Felde.

Bad  Reichenhall,  23.5.  Brandausofsener
  Bahnstrecke  Betriebsitörung.
  Gestern  abend  lurz  nach  -1  Uhr  verlöschte
  im  Sladtbezirk  und  Ki  den  an  das  Saa
lachkraftwerk  angesch!  ossenen  Abneb  mern  der  Umgebung
  das  eleltrische  Licht.  Fünf  Minnten  lang
lag  die  ganze  Stadt  in  völigem  Dunlel.  Die
Ursache  dieser  plötzlichen  Letunterbrechung  war
solgende:  Um  1211  Uhr  griet  bei  einem  mit
Heu  und  Stroh  beladenen  Nilitärgüterzug,  der
sich  auf  der  Fahrt  ron  Frellessing  nach  Salzb  urg
besand,  nächit  Freilaĩsing  ezf  freier  Strede  ein
Strohwagen  infolge  Funlen  ags  in  Brand  und
senle  im  Nu  fünf  weitere  Stohwagen  in  Feuer.
Lichterloh  brannte  der  Zugund  der  Feuerschein
war  bis  nach  Reichenhall  sichtbar.  In  kurzer

Jeit  war  die  eleltrische  Oberleitung  der  Bahnstrecke
  abgeschmolzen  und  &  Strecke  stromlos.

Zwischen  Freilassing  und  aleburg  war  jeder
Verlehr  gesperrt.  Die  sech  Wagen  brannten
vollständig  zusammen.  Der  um  10.30  ier  fäl
lige  Abendzug  kam  erst  um  11.51,  also  kurz

vor  Mitternacht.  am  Bahndof  an,  brachte  aber

die  Reisenden  aus  Sa  lzburg  nicht  mit,  die  mit  er
heblicher  Verspätung  erst  gegen  1  Uhr  nach  Freilassing
  lamen.  Es  wurde  dam  noch  ein  Ersanzug
nach  Bad  Neichenhall  einglegt,  der  um  1,21
nachts  am  hiesigen  Bahnkef  ankam.

Lokutnachrchken.
*  Rosenheim,  24.  Mai.

Aus  dem  Felde  der  Ehre  gesallen:
Kriegsfreiwilliger  Muslketie  Karl  Baier,  Rechtsanwalts
  sohn  aus  Rosenhein.  (In  der  in  unserer
  gestrigen  Nummer  zh  stenen  Todesanreige
  K  arl!  aier  iit  läder  ein  Drucksehler
unterlaufen.  Der  Seelengolesdientt  in  der  Sebastinns-Klosterlirche
  sindelam  Samoetag,  den
25.  Mai  um  1°7  Uhr  (nichtum  1.9  Uhr)  statt.
Andreas  Gar,  Hausmeister  i#  Rosenheim,  Landlurmmann
  bei  einem  Ins.  Rgt.,  Unterojfizier
Josef  Schneider,  Inhaber  des  Elsernen  Kreu?:##s
2.  Kl.  und  des  Militärvedienstkreuzes  3.  Kl.
mit  Schwertern,  Reservist  Adreas  Weber,  Adlmeiersohn
  von  Zaisering,  JIhaber  des  Eisernen
Kreu:es

Silberhoch:  eit.  Heu  Mich.  Vößt  Igl.
u  7  dahiter,  feiert  beute  seine  silberne
Hoch#eit.  Bößl,  ein  gebürler  Oberpsälzer,  ist
ein  allseils  beliebter  Beamie  und  Gesellschafter
5  seit  17  Jahren  am  hesigen  Salinenamte

ätig.

 

Schwere  Gewitter  nit  heftigen  eleltrischen
  Entladungen  und  ausgebigen  Regengüssen
gingen  gestern  Abend  um  heute  Nacht  über
Stadt  und  Flur  nieder.  De  We.  Ablühlung
und  Befeuchtung  ist  eingetuien.  Heule  Morgen
herrschte  noch  Gewitterstimang  vor.

Blitzschlag.  Beim  geirigen  schweren  Gewitter
  *8  abends  9  Uhr  dir  Blitz  in  das  Haus
des  Rangiermeisters  Kuchler  in  Fürstätt  33  bei
Küpferling.  Der  Strahl  jeit  jedoch  nicht;
lediglich  einige  Balken  am  Kamin  und  das  Dach
wurden  beschädigt.

Eine  Sehenswürdig  eit.  Auf  dem
Wege  nach  Langenpfunzen  i#ein  Baum,  der  von
unten  bis  oben  schneeweiß  nit  einem  Netz  *B
Raupen  umsponnen  ist.

Gesundene  Gegensände.  Kinderkrahen,
  Ring  und  Geldbörse  murden  gefunden;  abzuholen
  im  magistratischen  Sschäftszinmer  N.  2.

Operetten-Gastspiel  im  Duutschen
Kaiser.  Die  Landshuter  Ourette  unter  Leitung
von  Direktor  Dr.  Gustav  Quedenfeldt  gastiert