Full text : Regierungs-Blatt für das Großherzogthum Sachsen auf das Jahr 1905. (89)

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gemacht,  oder  wird  von  dem  Bergwerksbesitzer  ohne  rechtmäßigen  Grund  die
Aushändigung  des  Arbeitsbuches  verweigert,  so  kann  die  Ausstellung  eines
neuen  Arbeitsbuches  auf  Kosten  des  Bergwerksbesitzers  beansprucht  werden.

Ein  Bergwerksbesitzer,  welcher  das  Arbeitsbuch  seiner  gesetzlichen  Verpflichtung
  zuwider  nicht  rechtzeitig  ausgehändigt  oder  die  vorschriftsmäßigen  Eintragungen
  zu  machen  unterlassen  oder  unzulässige  Merkmale,  Eintragungen  oder
Vermerke  gemacht  hat,  hat  dem  Bergmann  den  diesem  daraus  entstehenden
Schaden  zu  ersetzen.  Der  Anspruch  auf  Schadensersatz  erlischt,  wenn  er  nicht
innerhalb  vier  Wochen  nach  seiner  Entstehung  im  Wege  der  Klage  geltend
gemacht  wird.  Die  Vorschriften  in  §  209  Abs.  2  Nr.  1  bis  4  des  Bürgerlichen
  Gesetzbuchs  finden  Anwendung.

§  102.
Auf  Antrag  des  Minderjährigen  oder  seines  gesetzlichen  Vertreters  hat
der  Gemeindevorstand  die  Eintragung  in  das  Arbeitsbuch  kostenfrei  zu  beglaubigen.


8  103.

Ein  Bergwerksbesitzer,  welcher  einen  Bergmann  verleitet,  vor  rechtmäßiger
Beendigung  des  Arbeitsverhältnisses  die  Arbeit  zu  verlassen,  haftet  dem  früheren
Arbeitgeber  für  den  entstandenen  Schaden  neben  dem  Bergmann  als  Gesamtschuldner.
  In  gleicher  Weise  haftet  der  Bergwerksbesitzer,  welcher  einen  Bergmann
  annimmt,  von  dem  er  weiß,  daß  er  einem  anderen  Arbeitgeber  zur  Arbeit
noch  verpflichtet  ist.

In  dem  in  Abs.  1  bezeichneten  Umfange  haftet  auch  der  Bergwerksbesitzer,
  welcher  einen  Bergmann,  von  dem  er  weiß,  daß  er  einem  anderen
Arbeitgeber  zur  Arbeit  noch  verpflichtet  ist,  während  der  Dauer  dieser  Verpflichtung
  in  der  Beschäftigung  behält,  sofern  nicht  seit  der  unrechtmäßigen
Lösung  des  Arbeitsverhältnisses  bereits  vierzehn  Tage  verflossen  sind.

8  104.
Der  Bergwerksbesitzer  ist  verpflichtet,  den  zum  Besuche  einer  Fortbildungsschule
  verpflichteten  Arbeitern  die  hierzu  erforderliche  Zeit  zu  gewähren.
Als  Fortbildungsschulen  im  Sinne  dieser  Bestimmung  gelten  auch  An—
stalten,  in  welchen  Unterricht  in  weiblichen  Hand-  und  Hausarbeiten  erteilt  wird.