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stehenden alten Regierungen in den meisten kleinen deutschen Staa—
ten wurden gestürzt, machtvoll durchbrauste das Land der Gedanke:
Neubau eines mächtigen Deutschlands; das konnte nicht spurlos an
Osterreich und Preußen vorübergehen, ersteres hatte diesmal den
Vorrang. Am 13. März brach die Bewegung in Wien los: Bürger,
Studenten, Arbeiter verbanden sich mit den liberalen Wortführern
der Stände. Ratlos standen die Minister da vor dem Aufruhr der
gebildeten Klassen, die man nicht mit Erlässen und Versprechungen
beruhigen konnte, die man nicht durch das Militär niederkartätschen
wollte. Der allgemeine Sturm richtete sich vor allem gegen den
Staatsmann, dem man alles üÜble zuschrieb, der geradezu als Inkarnation
der alten Zeit dastand: gegen Metternich. Mit einer Art
von Fatalismus hatte dieser Mann — der schon 75 Jahre zählte —
alle Symptome der Bewegung, die er gar nicht mißverstehen konnte,
von sich abgewehrt mit der Überzeugung, daß er als ein Fels der
Ordnung dastehe, an den die Wellen der Neuzeit sich nicht heranwagen
würden: er hielt sich für unersetzlich, für unerschütterlich. Was
nach seinem Tode dann geschehen würde, darum kümmerte er sich
nicht.
Bis in die allerhöchsten Kreise hinauf war die Antipathie gegen
diesen Mann gestiegen, der in seinem Beharrungsvermögen unbequem
und lästig geworden war; es ist sicher, daß selbst die Erzherzogin
Sophie im Gegensatze zu ihm an Veränderungen im Staatsleben
gedacht hat. Der allgemeine Ruf nach dem Rücktritte Metternichs
fand in der Wiener Hofburg ein lebhaftes Echo. In dem
Augenblicke, wo der Fürst das merken mußte, ist er, überrascht und
tiefgekränkt, doch würdig und entschlossen zurückgetreten: ungeheurer
Jubel begrüßte seinen Fall am Abend des verhängnisvollen 13. März.
Damit war freilich nicht die Reihe der Opfer abgeschlossen, die das
alte Osterreich dem jungen bringen mußte. Die nächsten Tage und
Wochen forderten immer neue. Ratlos und wahllos wurden sie
gebracht; die Wiener Revolution siegte auf der ganzen Linie; die
nationalen Wünsche der Magyaren und Slawen fanden volle Befriedigung;
die italienischen Provinzen drohten sich loszureißen —
alles kam in Fluß, kam in Gärung. Das bürgerliche Element der
Revolution zeigte sich bald gesättigt, nicht so das soziale und nationale.
Der erste Reichstag, der im Juli zusammentrat, konnte, abgesehen
von der Bauernbefreiung, nichts leisten, bald kam es zum
Aufstande in Prag, zum Bürgerkrieg in Ungarn. Und während hier
sich langsam alle mit dem Gange der Bewegung unzufriedenen Ele-