Die Römerzüge der Bismarck’schen Ära. 157
Interventionspolitik und der Ausdruck der kühlen Hoffnung,
dass „die Tage der Einmischung in das Leben anderer Völker
unter keinem Vorwande und in keiner Form wiederkehren
werden.“
Die Geflissentlichkeit der Bemnigsen’schen Redewendungen
und der Versicherungen des Adressentwurfes war die Antwort
auf einen Zwiespalt, welcher in der Adresscommission gespielt
hatte. Die Vertreter der Minderheit, fünfzig und einige katholische
Abgeordneten, wollten die Entscheidung über die Zukunft
des Reichs weder der Reminiscenz aus den Streitschriften eines
Parteihistorikers, noch einer theoretischen Floskel, welche das
Misstrauen des Auslandes doch nicht entwaffnen würde, überlassen
sehen. Da sie aber an der Eingenommenheit und missgünstigen
Stimmung ihrer Gegner abprallten, waren sie aus der
Commission ausgeschieden und an der Stelle ihres Adressentwurfs,
wo die Mehrheit in dem ihrigen historische Belehrungen und
Stichworte der Tagesdiplomatik zusammengehäuft hatte, war
eine beredte Lücke gelassen.
Bis jetzt hatte die Minderheit weder mit einem Schritt
noch Wort zur Annahme Anlass gegeben, dass sie sich mit dem
neuen Reichsverhältniss nieht arrangiren würde. Einen Römerzug
unter Moltke’s Führung zur Herstellung der weltlichen
iferrschaft des Papstes verlangten sie nicht; wenn der Abscordnete
Windthorst in der Debatte des 50. März an den
Satz der 'Thronrede über den wohlthätigen Erfolg der deutschen
Vermittelung in der Pontusfrage erinnerte und für die Regelung
der römischen Frage auch nicht mehr als eine solche
Yinmischung verlangte, so war die Forderung einer „kleinen“
Berücksichtigung der katholischen Interessen von Millionen
deutscher Mitbürger weder unbillig, noch übertrieben.
Derselbe Windthorst hatte nicht Unrecht, wenn er aus
Miquel’s gebietendem Wort: „vor allem Andern müsse das
moderne deutsche Reich jede Intervention aus religiösen Gründen
meiden,* den Schluss zog, dass man „nur in dieser Ängelegenheit
nieht nach dem Rechten schen wolle“ Der Protest der
liberalen Adresse gegen alle Interventionspolitik war in der
That nur gegen die katholische Partei gerichtet. Die Debatte
des 30. März war nur ein Schauturnier und der Eifer, mit dem
sich die Letztere an der Unterhaltung dieses Tages betheiligte,
um so mehr eine 'Thorheit, als das Gefecht sich nur um eine