fullscreen: Heinrich der Löwe Herzog von Bayern und Sachsen.

Würdigung Heinrich des Löwen. 557 
über die Slawenländer völlig freie Hand, und Heinrich benutzte dies sogleich, 
um auch Polabien in die kirchliche Gemeinschaft zu ziehen. Während dessen 
übte der junge Friedrich seine Königsgewalt kräftig aus und nahm endlich 
auch des Herzogs Hilfe für seinen ersten Zug gegen das widerspenstige Italien 
in Anspruch. Heinrich schloß sich mit gesamter Macht dem Könige an und ver- 
half ihm zur Schreckung der Lombardei, zur Erlangung der glorreichen 1155 
Kaiserkrone. Dafür setzte ihn Friedrich nach der Rückkehr in den Besitz des 1156 
freilich etwas geschmälerten Bayern. 
So hatte Heinrich seinen vorzüglichsten Zweck erreicht, er hatte das reiche 
Erbteil seiner Ahnen wieder gewonnen; aber er rastete darum keineswegs. 
Ersetzte in Dänemark einen König ein; er bemächtigte sich des reichen Lübeck, 1157 
das dem Grafen von Holstein gehört hatte; er wußte dem Bischof von Freising 
das Recht des Zolles abzunehmen und stiftete München; er stellte den 
Frieden und die Ordnung in seinen Herzogtümern wieder her; er gewann 
neue unmittelbare Besitzungen; er erhob die Herzogswürde in Sachsen zu 1158 
zu einer Höhe, auf der sie seit Jahrhunderten nicht gestanden. So wirkte 
er fort, bald mit Recht, bald mit Unrecht, aber in festem, besonnenem, sich 
niemals überstürzendem Handeln. Dabei entzog er sich auch dem Staufer 
nicht, dessen kühne Pläne immer mehr Gestalt annahmen, er half ihm, die 
Polen zu unterwerfen, und verstand sich sogar dazu, ihn gegen den alten 
Bundesgenossen der Welfen, gegen den Papst, zu verteidigen. Dann brach 1159 
er nach Italien auf und unterstützte den Kaiser sowohl im Felde bei der 
Eroberung von Crema, als auch in dessen kirchlicher Politik, indem er auf die 
Seite Viktors trat. Es waren diese ersten Jahre von Friedrichs Regierung 
jedenfalls die größten und ruhmreichsten für Heinrich. Kaum war er aus 
Italien heimgekehrt, wo er unter dem kaiserlichen Adler gefochten, zog er 1160 
gegen die räuberischen Wenden und eroberte das weite, reiche Obotritenland, 
das er auf vorzügliche Weise ordnete und zur Germanisierung vorbereitete. 
Nachdem er dann wieder die Verhältnisse des viel zerrütteten Bayerlandes 1161 
geschlichtet, ging er von neuem nach Italien und half dem Kaiser, das störri- 1162 
sche Mailand bezwingen. Das Gestirn beider Fürsten schien sich hoch und 
immer höher zu heben; und doch zogen schon die dunkeln Wolken herauf, die 
es verdunkeln sollten. Friedrich vermochte dem von ihm anerkannten Papste 
nicht die Billigung einer einzigen außerdeutschen Nation zu gewinnen; Hein- 
rich aber hatte einmal durch seine Bemühungen um die innere Ordnung 
seiner Länder, dann aber auch durch seine mannigfachen UÜbergriffe die 
Fürsten des sächsischen Landes so gegen sich aufgebracht, daß sie eine immer 
drohendere Haltung annahmen. Noch einmal konnte der Kaiser einen 
Triumphzug durch ganz Oberitalien unternehmen; noch einmal gelang es 1163/4 
Heinrich, zwei große Aufstände der Obotriten, wenn auch mit starken Ver- 
lusten, niederzuschlagen, aber dies waren für lange Zeit die letzten Sonnen- 
blicke des Glückes. Während der Kaiser zum vierten Male nach Italien zog, 1166—68 
um in dem „Grabe der Deutschen" die Blüte von Deutschlands Ritterschaft