Metadaten : Rosenheimer Anzeiger. 63. Jahrngang (63)

Aummer  183
lung  der  russischen  ;Gesangenen  n  in  Deutschland
nachdrücklichen  Einspruch  erhoben.
Die  Londoner  Entente.  Konferenz.
Ein  Londoner  Telegramm  der  römischen  „Tribuna“
  enthält  das  bemerkenswerte  Eingeständnis,
  daß  die  Zusammenkunft  der  Minister  der
Allürrten  in  London,  die  zurzeit  stattfindet,
den  Zwek  verfolgt,  die  Eunscheidung  des  Krieges
  noch  in  diesem  Jahre  zu  suchen.

Eine  Konferenz  der  Neutralen.

zstenposlern  teilt  mit:  Wie  verlautet,  sorderte
  die  schwedische  Regierung  in  den  lehten
Julitagen  die  übrigen  uropäischen  neutralen
Regierungen  auf,  an  der  neutrajen  Minisierbegegnung
  in  Stockholm  von  der  Art  der  schon
jrüher  in  Auosicht  genommenen  teilzunehmen.
Wie  verlautet,  sollen  die  Verhandlungen  u.  a.
die  durch  den  Eintritt  Amerikas  verschlimmerte
Lage  der  Neutralen  zum  Gegenstand  haben.
Mehrere  zustimmende  Antworten  sollen  schon
eingelausen  sein.

Nevisionder  Entente-Krieg

  FZiele?

Ueber  einen  bemertenswerten  Beschlun  der
gegenwaärtig  in  London  tagenden  Entente  Konfe:
renz  unterrichtet  ein  über  die  Schweij  einzelan.
senes  Telegramm.  Der  „Corriere  della  Sera“
meldet  aus  Landon:  Die  gegenwärlig  tagende
Alliierten  Konferenz  beschlof  die  Revision  der
Kriegsziele  nach  russischem  Antrag.  Man  darf
nun  gespannt  sein,  was  die  Engländer,  Franzosen
und  Jaliener  aus  dieser  Revision  machen  werden.


Die  ztinmunn  in  Frankreich.

Dem  Rries  einer  angeschenen  holländischen
Gelehrten  eninehmen  wir  jolgende  Säße  über
die  Stimmung  in  GFrankreich:  „Wie  ick  von  einem
  gebildeten  Franzo  osen  erfuhr,  der  11  Monate
  in  den  Schutzen#räben  gelämpft  hal,  iit
man  in  Frankreich  in  honem  Maße  des  Krieges
sott.  Er  meint!.  von  1000  Soldaten  an  der
Front  würde  nich  einer  weiter  lämpfen  wollen.
Auch  die  zZivilbevellerun  hegt  nur  den  einen
Wunsch.  daf-  der  Krieg  baldigi  aufhören  möge.
Wenn  die  genjur  nicht  so  Ureng  wäre,  würde
sich  dieser  Wunscch  uberall  und  kräftig  offen
baren.  Mein  Gewähremann  meinte  auch.  daß  d  die
Abneigung  gegen  die  Deutichen  im  Heere  wie  im
eigentlichen  Volt  gar  nicht  so  groß  und  tief  sei.
Die  von  der  Regierung  bezahlten  Zeilungen
hetzten  nur  so  schrecklich  und  gären  einen  ganz
salschen  Eindiut  von  der  wirllicken  Slimmung
in  allen  Kreisen.  Dagegen  sei  die  Abneigung  ge
gen  die  Engländer  bei  nicht  wenigen  Franzosen
jetzt  wieder  so  groß,  wie  sie  ver  dem  Kriege  immer
  war.“

Gemaßregelte  frauzösische
Jeitungen.

Die  Pariser  Vläller  „L'eupre“,  „Vataille“
und  „vibre  parole“  wmurden  am  Mitlwoch  auf
Anordnung  des  Pariser  Militärgouverneur?  beschlagnahmi.
  Man  ersährt  nun,  warum:  Die
Nummer  der  „Valaille“  halte  einen  Leitartilel
  verossentlicht,  worin  der  Veschluß  der  franC
zösischen  Regietung,  die  Teilnahme  der  franzlischen
  Sozialilen  an  der  Sloäholmer  Konserenz
  zu  verweigern,  ais  schwerer  Mikatiss  bezeichnet
  mrd.

Kornisow'  Flucht  nur  Oeilerreich.

Des  neuen  russischen  Generalissimus  Kornilowt
Flucht  aus  der  bilerr.  Gefangensckaft  beschäfligte
  dieser  T  de  das  Prepburger  Diovisionsgericht.
  Aus  der  Verhandinnz  ergab  sich,  daß  Kornilom,
  der  im  Mai  1915  in  den  Karpatben  in
ollerr.  Gesangenschaft  geri-,  ducch  die  Mithüse
eines  lschechkischen  Krantkenwärlers  culfliehen
konnte.  Zuerik  wurde  der  Tscheche  zum  Tode
verutteil16  —  aber  der  Fall  dem  Trehbr

Von  einsamen  Kenschen.

Noman  von  Friy  Ganzer
Gachruck  verbssen)
«  „Aber  die  haben  genugt,  um  ihn  vollständig
  Lher,  beurteilon  zu  können.“
„Nun,  wir  werden  ja  selen“",  meinte
7*  zulehgt.  „Hmielleicht  haft  du  dich  doch  ge-3



r  uonore  zuckte  die  Schultern.  „Hofsfen
lich!“  sogte  sie  nur  noch  und  ging  dann,  ue
eine  Enigegnung  ab  zuwarten,  in  ihr  Zimmer.

Hier  saß  sie  lange  grubelnd.  Wer  wie  sie

noch  vor  wenigen  Wochen  gesehen  und  emp-Ponken
  hatte,  daß  Wolfüang  gegen  jeden
Annaberungsvetiuch  sich  absolut  ablehnend
verhalten,  der  konnte  sich  in  diese  dlötziiche
Sinnesanderung  schlecht  bineinunden.  Erst
verschwand  er  wie  ein  geheimnisvoller  Mensch
vollständig,  und  nun  kam  er  jelbst.  Sie  war
nicht  mit  ihm  zufrieden

Dennoch  crwartele  sie  sein  Kommen  mit
feberhoßter  Spannung.

dlich  in  der  dritlen  Nachmittagsstunde,
als  2  bald  zu  einer  Ucbungestunde  in  das
Konservatorium  geben  mhhte.  lautele  es,  und
sie  erhob  sich,  um  zu  öffnen

Wirklich,  da  stand  er  vor  ihr!  Etwas  verlegen.
  Aber  in  seinen  Augen  schien  ein  leiser
Schimmer  von  Hoffnung  zu  leuchten.

„Sie  wundern  sich,  ich  sehe  es,“  sagte  er
nach  der  Begrüßung  in  das  e  tretend.
„Richt  wahr?

weinisca0

Viellelcht  4%  darüber,  daß  ich  es  nach
der  unbösech-n“  Abwelsung  Ihrer  freundlichen

 

Rosenhelmer  Anzelger

ger  Divisionsgericht  zur  Aburteilung  überant—
wortel.  Nunmehr  wurde  der  Angellagie  zu  10
Jahren  schweren  Kerkers  verurteilt.  Kornilom
daue  iuede.  seinem  Helfer  20  000  Kronen  und
eine  othekerlizenz  in  Rußland  versprochen.
Einen  persönlichen  Vorteil  haite  der  Angellagte
nicht,  da  die  vereinbarte  Summe  erit  bei  der
glücklichen  Erreichung  Rublond-  ausbezahit  werden
  sollte.

Rumänienunter  benticher
V  zerwaltung.

„Stockholms  Dagbladel“  vom  19.  Juli
bringt  folgenden  Bericht  über  die  gegenwärtigen
  Zustände  in  Rumänien:  „Es  llingt  erstaunlich,
  wenn  man  hört,  daß  in  den  ollupierten  Gebieten
  nicht  weniger  als  fünsundneunzig  Prozent
des  im  Trieden  bebauten  Vodens  jen  benutzt
werden.  Dies  is  eine  Tatsache,  die  nach  den  authentischen
  Angaben,  welche  mir  in  Vukarest  gemacht
  wurden,  nicht  be  wmriiselt  werden  kann.  Die
Landleute  in  Rumänien,  mit  denen  ich  sprach,
sind  überzeugt,  daß  sie  im  Frieden,  wenn  die
nötigen  Arbeilskräfte  besser  als  jetzt  zur  Verfügung
  stehen  und  vor  allem  das  erjorderliche
IZugviel  da  ill,  noch  weit  über  das  jetzige  Resultat
  Lhinauckommen  werden.  Alle  Fachlente
sind  der  seilen  Ansicht,  daß  die  Landwirtschaft?#-produlte
  der  Mittelmächte  und  Rumäniens  Getreideermen
  voll  auereichen  zur  Ernährung  des
Volles.  So  wurde  Rumäniens  Beteiligung  am
Kriege,  die  man  seinerzeit  a#s  ein  Unheil  für  die
Minelmächee  ansah,  ein  Vorteil  für  sie.  Es  sind
dadurch  Garanlien  geschaffen,  die  die  Auehungerungspläne
  zunichte  machen.  Bei  der  Uebernahme
  der  Getreidevorräzc  sah  man  von  Jahlungsausschub
  bis  zum  Friedeneschlusse  ab,  obumohl
das  Völlerrecht  ihn  geilartet  hätte.  In  der  Geschic
  te  des  Wellkrieges  wird  es  den  Minelmäc
ten  zur  Ehre  gerechnet  werden,  daß  #  während
am  Sereih  die  Geschütze  noch  tre.  gewaliige
Sprache  redeten  die  deutsche  Milirärverwal-=tung
  die  Ernie  des  Jahres  1916  von  den  rumänischen
  Bauern  gegen  VBarzahlung  auflaufte.  und
daß  die  diesjährige  Ernte  ebenfalls  in  barem
Gelde,  sogar  iu  erhöhten  Preisen,  bezallt  werden
  wird.  Dadurch  iit  im  rumänisch  on  Vandwirl.
schafteleben  eine  O  rdnung  wie  im  tiefilen  Frieden

  ermögiicht  worden.

Die  Safäade  im  onsölloen  hree.

(Aus  V  viessaften  und  Aussagen  geangener
ranzosen.)

Aus  den  Pariser  nmmrdebenhen,  S##er
reden  und  selbst  aus  der  von  der  Zenfur  geknebelten
  Presse  gehl  seit  den  letzten  Wochen  mit
aller  Deullichleit  hervor,  daß  im  französischen
Hcer  nach  der  blutig  gescheirerten  Aisne-Champagne-Offensive
  der  Geist  der  Empörung  gegen
die  nußlose  Menschenst  lächterei  ausgeflammt  ist.
das  die  Haltung  der  lämpfenden  Truppen  sich  in
schärfiürm  Widersprutk  zu  den  Zielen  und  den
Phantasien  der  fromsfernen  Ammerionspolititer
sich  befindet.

Ueber  Einzelheiten  dieser  Auflehnung  französischer
  —  Truppenteite#  g#hen  uns  Briefschafien  und
Aussagen  Gefangener  der  letzten  Kampfwochn
den  erwünschten  Aufschluß.

Gretz,  den  17.  6.  17.

Wir  hatten  400  Aufrührer  auf  dem  Gretzer
Vahnhof:  3010  Mam  sind  gekommen,  um  Ordnung
  zu  schaffen.  80  Menterer  sind  gestern
Abend  von  Greß  nach  Orleans  abtransporiiert
worden,  um  heute  morgen  im  Lager  Cercoltes
erschossen  zu  werden.  200  andere  sind  am  Mitll.
woch  im  hacn  Thierry  ersclo#ssen  worden.

Meime,  den  18.  6.  17.
Letzten  Freirag  hieiten  ein  Trupp  zurücktehren
der  Ur  lauber  die  Zuge  bis  1  Uhr  morgens  zu,
rück,  zerschnin  die  Telephondrähte,  zerschlug  al!  al-Ginladung

  uberhaupt  wage,  zu  tommen.
zeihen  Se  mir  das  von.  damalo!  Ich  konnte
an  jenem  Tage  nicht  a

Ehe  sie  zu  entgegnen  Pderehche  kam  Horstaus
dem  Aielier.

„RNun,“  fragte  er  gut  gelaunt,  „sind  die
Aktien  gestiegen?“

„Bedeutend.  Ich  sehe  nach  einem  Zelt
raumvoll  bitterster  Enttäuschungen  wieder  einen
Ssnzustran.  Dars  ich  kurz  erzählen!

bm  Plat,  und  bblennt  berichtete
  *  in  Zuhören  der  Gewister


„Ich  gab  an  demselben  Tage,  an  welchem'
  Gie,  Gräntein  Reimarus,  mich  getrofsen
hatten,  meine  Stellung  als  Setungawerkann
auf;  denn  ich  vermutete,  daß  Sie  oder
Bruder  mich  aufsuchen  würden.  Und  ich  wolln
keine  Hilfe.  Acht  Tage  lang  führte  ich  wieder
ein  Hungerleben.  Dann  trat  plößlich  eine  un
erwartete  Wendung  ein.  Ich  begegnete  eines
Tages  dem  Prosessor  Arußinger.  dem
mals  bei  meiner  Ankunft  in  Berlin  meine
Aufwarlung  gemacht  wun.  und  wollte  schen
an  ihm  vorüber.

Aber  er  hatte  mich  erkangt.  und  hielt  mich
sest.  Er  hatte  mich  in  seinen  Vorlesungen
längst  vermißt  und  erkundigte  sich  nun  Ledr
dem  Grunde  meines  Fernblelbens.  Ich  berich
tete  ihm  über  die  Entzweiung  mit  meinem
Vater  und  sagte  ihm,  daß  ich  nicht  die  Mitlel
besäße,  mein  Studium  fortzusetzen.  Auch  gor
nicht  die  Absicht.  Damit  glaubte  ich  ihn  beftls
digt  zu  haben  und  hoffte,  er  würde  mich  1
lassen  und  weistergehen.  Aber  er  mir
mein  Elend  und  meinen  Zurgerr  —  aus

We  1

les,  und  als  die  Verstärlung  nahte,  gab  man
dem  Lokomotioführer  den  Befehl,  abzufahren,  u.
nahm  den  Bahnhofsvorsteher  bis  zwei  Stationen
weiter  mi#l.  Du  siehst,  was  das  für  eine  Komödi
  ist,  und  ich  könnte  Dir  noch  mehrere.  solche
Fälle  nennen.

,  den  3  7.  17.

Henry  C.  hat  vor  dem  Kriegegericht  gestanden
  und  ist  wegen  Aufruhr  zu  10  Fahren  Göesängnis
  verurteilt  worden.  Das  Negiment  109
(X.  O.  13.  J.  D.)  scheint  gemeutert  m  haben

".  Montmarauld  (Allier),  den  5.7  17.

Seit  Georgs  Rüllehr  vom  urlaub  hat  sich
alles  sehr  geändert.  Die  ganze  Dioision  ha
nährend  seiner  Abwesenheit  gemeutert:  man  hat
sit  darauf  hin  aus  ihrer  Stellung  und  sogar  aus
den  Vogesen  herausgezogen.  J  u.

1

Ich  habe  noch  nichts  von  der  ere  gehört
ind  augenbliklich  scheint  es,  daß  die  Truppe,
tie  uns  ablösen  sollte,  sich  geweigert  hat,  in
Etellung  zu  gehen.  Erstaunt  bin  ich  darüber
sicht,  da  derarlige  Weigerungen.  in  Stellung  zu
gehen.  sehr  häufig  sind;  selbit  in  unserm  Negimeni
  und  auch  beim  Jäger-Bat.  120,  das  mit
uns  #marschiert,  ist  es  ch.  on  vorgesommen.

Massonay,  den  18.  6.  17.

Du  hast  sicher  ersahren,  daß  sehr  viele  Regimenter
  den  Gehorsam  verweigert  haben.  Ganz  in
mserer  Nähe  sind  zwei  Regimenter  entwaffnet
Vvorden,  sie  sollen  nach  Salonili  geschiät  werden.

.  .  den  O.  6.  17.

Hier  in  Grenoble  sieht  es  sehr  schlimm  aus;
man  erzählt  sich,  dasf  in  Lyon  die  Anamiten  auf
die  Vevölkerung  schießen.

Ich  glaube,  daß  dics  alles  auf  das  Ende  hinreute:,
  oder  es  gibt  Revolution.  Ich  möchte  es
wiiniche  un.  und  wäre  die  erile,  die  Poincare  und
jeine  Helfershelfer  auf  die  Grilloti  ine  brachte.

Ein  Ueberläufer  der  franz.  69.  Division  erlläite,
  daß  die  Slimmung  in  der  Dioision  nicht
gut  sei.  Im  Negment  267  sollen  vor  4  bis  6
Wochen  einige  Manusck  asten  auf  Offiziere  geschossen
  und  auck.  einige  gelötet  haben.  Der
Kommandeur  des  Negimems  102  hielt  während
der  Ruhezeit  in  Ramerupt  eine  Ansprache,  die
von  den  Mannschaften  mehrmals  durch  unkol
mäpig:  Zwischenrufe  untertrock  en  worden  sein
soll.  Als  er  am  Schluß  ausrief:  „Wenn  ich  cuch
jekt  frage,  ob  ihr  in  Ken  gei  zen  wolll  oder
nicht,  was  werdet  ihr  ammworten?",  schrie  die
Mehrzahl  der  Leute:  „Wir  gehen  nicht  mehr
in  Stellung.“

Bei  dem  Angriff  auf  die  Cholera  Ferm  am
16.  April  hatten  eima  60  Mann  des  IJ.  N.  151.
sich  geweigert,  mit  vorzugehen;  sie  wurden  mit
Uirest  bestraft.  Bei  derselben  Gelegenheit  sollen,
  wie  der  Ueberläufer  erzähll,  auch  die  Offiziere
  sich  teilweise  gedrückt  haren.

A  uch  an  französisch:  Gefangene  in  Denischland
gelangen  trotz  der  ##rengen  Jeniur  jen  öfters
Kachrirten  über  die  Menrere#en-  in  französischen
Truppenteilen.  Se  schreibt  eine  Frau  aus  Calais
in  Ghheimschrift  ihrem  Manne  nach  Tauberbischofsheim:
  „In  einem  Soldatenbriefe  habe  it
gelesen,  daß  mehrere  Regimenter,  die  man  in  die
Schützengraben  schiten  wolite,  dies  verweigert
haben.  Um  sie  zum  Abmarsch  zii  bewegen,  sch.i.  ite
man  darauf  Gendarmerie.  Diese  mußte  aber
bald  von  ihrem  Plan  abttehen,  denn  unsere
Soldaten  haben  Gewehre  und  Maschinengewe#re
und  wilssen  sie  im  gegebenen  Augenbli#  zu  gebrauchen.“
  In  dem  Palet  eines  Jägers  vom
71.  Bataillon  fand  man  folgenden  Brief  aus
Thbizy  vom  1.  7.:  „Dieser  Krieg  mun  bald  zu
Ende  gehen,  denn  alles  geht  zur  Neige  ..  Anperdem
  haben  es  die  Soldaten  meißr  als  sau.
Mehrere  Regimenter  haben  sich  geweigert,  zu
marschieren.  Man  kann  sie  deshalb  wirklick  nicht
tadeln.“  Und  fast  dasselbe  meldet  einem  Gefan-.
genen  im  Münilerlager  seine  Schmester  aus

äufig  geb  sein  und
darf  auch  nun  endlich  “nt  veen!  mehur
Sehnsucht  zu  leben
Er  hatte  erkeichtert.  fast  fröhlich  gespro,
chen.  Nun  wandte  er  sich  mehr  Eleono
Wesongenhelr

zu  und  zeigte  wieder  einige  Bef-„Mein
  Besuch  galt  in  erster  Linie  Ihnen,
Graulein  Reimarus:  denn  ich  komme  mit

einer  Bitie  zu  Ihnen.  Ich  möchte  vor  allen
Dingen  wissen,  ob  es  ein  Ringen  für  meine
Sehnsucht  lohnt.  Sie  waren  bei  Gelegenheit
unscres  gemeinsamen  Ausfluges  so  gütig,  mir
den  Vorschlag  zu  machen,  ich  solle  Professor
Merten  eitwas  vorspielen.  Würden  Sie  nun
jetzt  die  liebenswürdige  Vermiulerin  sein
wollen?“

„Gern!“  erwiderle  Eleonore  schnell  und
erfreut.  „Ich  werde  noch  heut  mit  dem  Prosessor
  sprechen.  Ich  bin  sehr  froh,  dahß  Sie  mich
nun  haben  wollen.  Zweimal.

„Wollte  ich  nicht“,  unterbrach  Wolsgerg.
.„Ja,  das  müssen  Sie  mir  verzeihen.  Als  S
mir  damals  den  Vorschlag  machten,  war  *55
unsrei,  und  bei  unserem  neulichen  Zusammenweffen
  stand  ich  mit  beiden  Füßen  im  Elend.“

„Und  da  muß  dann  erst  der  alte  Professor
kommen  und  Sie  berauszieben“,  scher  zte  Eleonore.
  zune  werden  Sie  einsach  4ohmenfluchtig

mußte.  Ich  konnte  nicht  als  ein

halb  etraniene  um  Ihren  Seilcnn  bitten.“

orst  Wolfgang  herzlich  auf  die
Schulter.  „Weshalb  nicht,  Warnick  P  Freilich

Nochhilfeumierricht  hältten  wir  Ihnen  kaum  oerschaffen

  können.  Aber  es  wäre  auch  wobl  an- 



dem  Gellcht  ab  und  versprach  mir  seinen  Belstand.
  Nun  bat  er  dafür  resorgt.  daß  ich  on  ·

ders  gegangen.  Und  nun  lassen  wir  das!
Hofsentlich  bezahlt  man  Sie  gut.“

nicht  mehr  marschieren.“  Der

(Genentlich  Nachhifeunterrch  erleilen  kann.
Ich  hoff

Samstag,  1  I.  August  1017

Epreville  am  13.  Juli:  „Es  muß  an  allem  sehlen,
  damit  der  Kricg  nmi  Die  Zidilbevölkerung
  muß  sich  Fen  *rn  sind  wir  nicht  mehr
weit  davon  „  gehört,  daß  unsere
armen  Slen  4478  nü.  besonders  die  Infanterie
  und  die  Koloniallruppen.  Seit  drei
Jahren  werden  sie  ins  Elend  besal  rt.  Sie  wollen
Umschlag  eines
Brieses  an  einen  Unterofjizier  aus  der  Gegend
von  Marseille  enthielt  in  Geheimschrift  folgende
Mitlteilung  seiner  Frau  vom  28.  6.:  „Alle  unsere
  lieben  Franzosen  haben  genug  und  wollen
nicht  mehr  vorgehen,  es  werden  viele  standrecht.
lich  erschossen.  Es  itst  schreclich.“  Aus  Aquenay
  meldet  ein  Cefange  nenbrief  vom  27.  6.:
„Es  gibt  viele  Truppen,  die  nicht  marschieren
wollen.  Man  schidät  sie  nach  Saloniki  und  stellt
Senegalesen  zum  Schiehen  dahinter.“

Sen##che  Snahschau.

Das  Reichslags  Mandat
Dr.  Spahne

Die  „Germania“  iit  umachtig.  zuteilen.
daß  Exzellenz  Dr.  Spahn  für  den  Rocichslag
nicht  wieder  landidieren  werde.  Sie,  sch  reibi  da
zu:  „Die  Jeutrumspariei  wird  den  Verlm  ihres
bewährten  Führers  in  der  Reichslagsfranion
aufrichtig  bedauern.  Sie  sieht,  daß  die  Neuordnung
  der  Dinge  im  Sinne  einer  engeren
Fühlungnahme  zuischen  Negerung  und  Parla
ment  nich!t  ohne  Mrober  Opser  auch  seitens  der
Parteien  möglich  it.  Da  das  Zemrum  aler
gewohnt  ill,  das  Vaterland  über  die  Parteiin
teressen  zu  stellen.  wird  c;  sich  mit  dem  Nerlun
in  der  Ueberzeugung  absinden,  daß  Dr.  Spahn
auf  den  Platz  gessellt  isl,  auf  dem  er  der  Allge
meinbeit  dant  seiner  Erfallrung  u.  Arbeitskraft
die  beiten  Dienste  zu  leisten  vermag.“  In  libera
len  Vlänern  wird  dieser  Verzicht  Dr.  Spahn###
bedauert;  es  Leißt  dort:  Alle  „Neuordnung“
wird  ja  binsällig,  wenn  der  alte  Misbrauch,  das
Parlamentarier  aus  der  Vollzvertrelung  aur
schiden  müssen,  um  an  der  Reglerung  leiluel
men  zu  können,  ethalten  bleibi.

Elne  Lücke  im  henichemungsgele
ine  Angest  ulle

 

 

Das  Versicherungegesetz  für  *  lile,  vem
20.  Dezember  1911  weist  eine  noch  wenn  beach
tete  Lüte  auf,  die  für  die  versiche  erien  Angesteli.
ten  eine  Quelle  ständig  gröfer  werdender  Ver
luste  Lildet  und  die  es  verhinderl,  daß  die
Wartezeit  der  Angestelltenversicherung,  d.  h.
die  Zeit,  innerhalb  derer  die  versicherten  An
gestellten,  obwohl  sie  Beiträze  zahlen,  ieine  An.
sprüche  auf  Invaliden.  W  #wen  und  Woisen.
**  haben,  auf  die  Zeil  von  nur  10  Jahre!

beichränkt  bleirt.  Wird  n  imlich  ein  Anzestellier
il:  llungeles  u.  bleib:  er  es  in  einem  Jahre  län
ger  als  vier  Monate,  so  erlöschen  alle  seine
Rcchte  auf  Alters-,  Invaliden,  Wumen-  und
Waisenrenten,  und  die  sämulichen  für  iha  und
von  ihm  an  die  Reichsversicherungsan#lalt  für
Angeltellte  gezahlren  Veirräge  find  zuguntten
der  Anslalt  verfallen.  So  sind  chaunksreiie  in
den  Jahren  1913  1914  rund  2.7  Mill.  Mark
für  die  versicherten  Angqest:  Ihlen  verloren  g’gan
gen.  für  Angeitellte,  die  mit  einem  Durchichnitte
Jahreseinkommen  von  nicht  einmol  2010  Mark
die  Hälfte  der  verlorenen  2.7  Millienen  Mark
aus  eigener  Tasche  aufbringen  muntten.

Wie  diese  Verlultauelle  unterbunden  werden
lann,  zeigt  ein  Aufsatz  von  Dr.  Mosch  Mün
chen!  in  Masius“  Rundschau.  Der  Nerfasser
führt  dort  aus,  daß  man  gegen  eine  Erhöhung
der  an  die  Reichsrerjicherungsanitalt  jür  Ange
itellte  zu  zahlenden  Beitrage  von  monatlich  11
bis  80  Pig.  auf  jene  rigorosen  Beimmunzgen
des  Ge  *  verzichten  und  auch  wahrend  der

„Ich  bin  jehr  Zufrieden,  ich  erhalte  für  die
Erteiluna  iiner  Stunde  drei  Mark.“"“

Kröfus!“  rief  Cleonore.  „Goit,  wie  habe
ich  Mmich  einst  als  Kineergärtnerm  mi  meiten
paar  Kiennigen  durchschlagen  müssen!  n
recht  erbarmlich  geht's  uns  auch  heute  noed
nicht  wahr.  Horst?  Pag  aus,  nun  wird  er  uns
beiden  bald  über  sein:  Und  wenn  mwir  noch
bei  der  Rennerten  wohnen,  ist  er  schon  eine
Größe  und  sieht  stolz  zu,  wie  ihm  die  Pserde
ausgespannt  werden.“

Horst  nickte  vergnügt.  So  luftig  Hatte  er
sein  29  wesuchen  lange  nicht  gesehen.  Namentlich
  wahrend  der  letzten  Wochen  war  sie  immer
verdrossen  und  wortkarg  gewesen

Und  AMoligang  lachelte  I#gg  danlbar
Er  hatte  bejürchtet,  daß  sie  ihm  seine  Schrofiheit
  von  neulich  nachtragen  würde,  und  war
nun  doppelt  froh,  daß  sie  seinem  Wunsche  so
bereitwillig  entgegenkam.

Eleonore  erhob  sich  und  sagle,  daß  sie  nun
gehen  müsse.  In  etwa  zwei  Stunden  würde
sie  zurück  sein  und  ihm,  Wolsgang.  die  EnlIscheidung
  Prosessor  Mertens  mitteilen.  Sie
setzte  den  einsachen  Strohhut  auf  das  volle
Haar  und  verabschiedete  sich,  nachdem  Wolfgang
gesagt  hatle,  er  würde  ihre  Rückkehr  hier  erwarten,
  falls  er  Horst  nicht  störe.

„Selbverstandlich  bleiben  Siee,  entgegnete
der  Moler  sosort.  Dann  ries  er  Eleonore,  die
schon  in  der  Tür  stand,  nach:  „Vergiß  den
Negeusschirm  nicht!“

wird  es  regnen,  wenn  ich  unterwegs
anno  20°  sie  lachend  zurück.  „Nur  Sonic,

zu.

 

(Fortsetzung  folgt.)