Full text : Wehr-Katechismus.

Wehrpflicht.  21

vollziehen,  im  Kriege  wie  im  Frieden,  zu  Wasser  und  zu  Land,
bei  Tag  und  bei  Nacht,  auf  Märschen  und  Wachen,  bei  Belagerungen,
  in  Stürmen  und  Schlachten,  überhaupt  bei  allen
Gelegenheiten  als  tapfere  und  treue  Soldaten  sich  erweisen,
Ihre  Fahne  (Standarte)  niemals  treulos  und  meineidig  verlassen,
  vielmehr  sie  stets  muthig  vertheidigen  und  sich  nach  Vorschrift
  der  Kriegsgesetze  jederzeit  so  benehmen  wollen,  wie  es
ehrliebenden  Soldaten  geziemt.“
Nachzusprechen  ist  van  dem  Schwörenden:

„Ich  schwöre  zu  Gott  dem  Allmächtigen,  daß  ich  altes
dasjenige,  was  mir  soeben  vorgehalten  worden  und  ich  wohl
verstanden  habe,  genau  befolgen  will,  so  wahr  mir  Gott  helfe
und  sein  heiliges  Wort.“

137.  Wenn  einer  aber  IFsraelit  ist?

Derselbe  läßt  nur  in  den  nachzusprechenden  Worten  (Stabung)
  die  Worte  „und  sein  heiliges  Wort"  aus.

138.  Wenn  einer  zu  den  Wiedertäufern  gehört,  die  bekanntermaßen
  nicht  schwören?

Derselbe  gelobt  eben  nach  seiner  Art  die  Erfüllung  der
vorgehaltenen  Verbindlichkeiten.

139.  Ist  der  Eid  in  Wahrheit  unentbehrlich,  um  den  Wehrpflichtigen
  zum  Soldaten  zu  machen?

I.  Ein  Eid  sollte  der  freieigene  Ausdruck  einer  Willensstimmung
  sein.  .

II.  Wo,  wie  dieß  häufig  vorkommt,  die  Leistung  des  Eides
in  Massen  geschieht,  kann  der  den  Eid  Abnehmende  nicht  von
jedem  Einzelnen  sich  überzeugen,  ob  und  wie  er  den  Eid  verstanden
  und  die  Stabung  (136)  nachfpricht.

III.  Jede  Verletzung  des  Fahneneides  müßte  folgerichtig
als  ein  Verbrechen  gegen  Gott,  also  viel  strenger,  als  dieß  ge-#schieht,
  bestraft  werden.  »

IV.  Wenn  sich  ein  Wehrpflichtiger,  wie  dieß  auch  schon
vorgekommen,  weigert,  den  Fahneneid  zu  leisten,  so  muß
dennoch  als  Soldat  angesehen  und  beurtheilt  werden,  weil  bonst
manche  Fahnenscheue  sich  hinter  religiöse  Scheu  stecken  würden
und  zuletzt  vor  lauter  Gottesfurcht  die  Armee  nur  aus  Ungläubigen
  bestehen  und  zu  einem  kleinen  Häuflein  würde.