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den kaiserlichen Familien und den Regierungen bestehenden guten
Beziehungen, die bei der Zusammenkunft von Potsdam wieder angebahnt
und in Baltischport befestigt wurden. ‚Der Balkankrieg hat hieran
nichts ‚geändert. Klarblickende französische Diplomaten beschuldigen '
Rußland, daß es gegenüber seinem Verbündeten zugunsten Deutschlands
ein falsches Spiel treibe. Das ist nicht unwahrscheinlich und wäre für
Frankreich ein Grund mehr, darauf zu verzichten, der militärischen
Überlegenheit Deutschlands das Gleichgewicht halten zu wollen, und dem
Traumbilde einer Revanche zu entsagen.‘“ Den ganzen letzten für Frankreich
ungünstigen Satz hat das belgische Rundschreiben in die kurzen
Worte zusammengezogen: „Das ist nicht unmöglich.“ Damit macht
sich das Brüsseler Außenministerium in seinem Zirkular vom 5. Juni
19131) die Auffassung zu eigen, daß Rußland seinem Verbündeten Frankreich
gegenüber zugunsten Deutschlands vielleicht ein falsches Spiel
treibe. Den Schlußabsatz, worin Beyens sich über die aus einer deutschenglischen
Annäherung zu befürchtende Gefahr der. Aufteilung des beleischen
Kongos ausspricht, hat das erwähnte Zirkular gleichfalls gestrichen.
Faßt man den Hauptinhalt des Berichtes über die Hochzeit im Kaiserhause
zu Berlin zusammen, so ergibt sich, daß man in ihr einen nicht
unerheblichen und sympathischen Erfolg der deutschen Politik sah. Überhaupt
ist gerade in der belgischen Berichterstattung die persönliche
Betätigung des deutschen Kaisers sehr oft als außenpolitisch wirksam
und friedensfördernd gekennzeichnet worden. Ähnlich, wie es einst
Eduard VII. gelang, neben dem für die Außenpolitik verantwortlichen
Minister einen maßgebenden Einfluß auf die Gestaltung der äußeren
Politik des Inselreiches zu gewinnen, hat auch Kaiser Wilhelm II. auf
seine Weise durch -Aufrechterhaltung der persönlichen Beziehungen
zwischen den Herrscherfamilien im Sinne der deutschen Außenpolitik
und stets für die Erhaltung des Friedens zu wirken gesucht. Das ist,
wie wir noch an anderer Stelle sehen werden, sogar das Urteil des der
deutschen Sache so wenig günstigen Barons Beyens.
Kaum waren in Berlin die Hochzeitsfeierlichkeiten verklungen,
als der Balkankrieg von neuem seine Schatten zu werfen begann. Überraschend
trat anfangs Juni plötzlich der Zar mit einer sehr scharf gehaltenen,
an die Höfe von Sofia und Belgrad gerichteten Note hervor. In
Berlin machten die Tatsache sowohl wie der Ton tiefen Eindruck. Beyens
berichtet darüber am 12. und am 16. Juni 1913°). Der Zar trat den
Königen von Bulgarien und Serbien gegenüber als der Herr auf, der sich
an seine Lehnsleute wendet. Zum ersten Male stellte er sich offiziell als
Vertreter der slawischen Sache hin. An eine Unterwerfung Bulgariens
unter den russischen Schiedsspruch glaubte man trotzdem nicht. Noch
weniger war auf ein Einlenken Serbiens zu rechnen. Die große Gefahr
1) Bd. IV, S. 151.
2) Bd. IV, S. 151 #f. und 154/155.
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