Full text : Regierungsblatt für das Königreich Württemberg vom Jahr 1894. (71)

704  Nr.  101.  1917.

gereinigten  Transportkannen  derart  eingefüllt  wird,  daß  ein  Zehntel  des  Kanneninhalts
ungefüllt  bleibt.  Werden  z.  B.  Kannen  von  einem  Raumgehalt  von  20  Liter  verwendet,
so  muß  ein  Leerraum  von  2  Liter  gelassen  werden.  «

Alsdann  wird  die  abgemessene  Wasserstoffsuperoxydlösung  hinzugegossen  und  die
Flüssigkeit  durchgemischt,  indem  man  mit  einem  sauberen  Holz-,  Glas=  oder  Porzellanstab
  oder  einem  ähnlichen  Gerät  gut  umrührt.  Die  Kannen  sind  gleich  darauf  zu
verschließen.  «

Um  ein  Entweichen  des  in  größeren  Mengen  frei  werdenden  Sauerstoffgases
während  der  Beförderung  zu  ermöglichen,  dürfen  die  Deckel  der  Kannen  nicht  ganz
luftdicht  abschließen.  Ist  dieses  gleichwohl  der  Fall,  so  empfiehlt  es  sich,  im  Deckel  der
Kanne  eine  kleine  Durchbohrung  anzubringen.

6.  Lagerung  und  Beförderung  der  Vollmilch.  Die  mit  Waseserstoffsuperoxyd  versetzte
  Vollmilch  soll  bei  der  Lagerung  und  Beförderung  möglichst  kühlgehalten  werden.
Sie  darf  nicht  später  als  24  Stunden  nach  dem  Zusatz  des  Frischerhaltungsmittels  in  die
Hände  der  Verbraucher  gelangen.

7.  Behandlung  der  Vollmilch  im  Haushalt.  Im  Haushalt  soll  die  Vollmilch  alsbald
  abgekocht  werden;  zweckmäßig  werden  hierzu  die  mit  Vorkehrungen  gegen  das
Überwallen  versehenen  sogenannten  Milchkochtöpfe  verwendet.  Nach  dem  Kochen  ist  die
Milch  sofort  abzukühlen  und  zur  Verhütung  des  Zutritts  neuer  Keime  möglichst  in  demselben
  Gefäß,  das  zum  Aufkochen  dient  und  einen  übergreifenden  Deckel  haben  soll,
kühl  aufzubewahren.  ·

8.  Ist  Vollmilch  infolge  zu  langer  Lagerung  oder  unsachgemäßer  Behandlung
und  Aufbewahrung  fadenziehend  oder  schleimig  geworden  oder  zeigt  sie  sonst  eine  abweichende
  Beschaffenheit,  insbesondere  einen  fremdartigen  Geruch  oder  Geschmack,  so  ist
sie  vom  Genuß  auszuschließen.

9.  Zur  Ernährung  von  Säuglingen  darf  die  mit  Waseerstoffsuperoxyd  versetzte
Vollmilch  auf  keinen  Fall  verwendet  werden.  "

Bekanntmachung.

Auf  Grund  der  Anordnung  der  Reichsstelle  für  Speisefette  über  die  Zulassung
von  Waseserstoffsuperoxyd  zur  Frischerhaltung  von  Vollmilch  vom  1.  Juni  1917  in  Verbindung
  mit  den  §§  2  und  5  der  Anordnung  der  Reichsstelle  für  Speisefette  über  die
Zulassung  von  Wasserstoffsuperoxyd  zur  Fris  erhaltung.  von  Magermilch  vom  21.  Dezember
  1916  wird  zur  Ausführung  der  erstgenannten  Verordnung  folgendes  bestimmt:
Für  die  Erteilung  der  Ermächtigung  zur  Verwendung  von  Wasiserstoffsuperoxyd
zur  Frischerhaltung  von  Vollmilch  an  Molkereien  und  zur  Durchführung  der  Maßnahmen
  zur  Überwachung  von  Molkereien  und  Milchhändlern,  die  Vollmilch  mit  Woeestoffsuperoxydzusatz
  in  den  Verkehr  bringen,  ist  die  Landesfettstelle  in  Güstrow  zuständig.
Schwerin,  den  6.  Juni  1917.

Landesbehörde  für  Volksernährung.
E.  v.  Blücher.  v.  Böhl.  Capobus.