Full text : Lesebuch für Landwirtschaftliche Winterschulen und ähnliche Anstalten im Königreich Bayern.

—  148  —

Eifersüchtig  auf  Preußens  Macht,  erklärte  der  französische  Kaiser-Napoleon
  III.  mit  frevelhaftem  Ubermute  um  eines  nichtigen  Vorwandes
  willen  am  19.  Juli  1870  an  Preußen  den  Krieg.  Die  süddeutschen
  Staaten  —  Bayern  an  der  Spitze  —  traten  entgegen  der  Hoffnung
Napoleons  als  treue  Bundesgenossen  auf  die  Seite  Preußens.  Die  deutschen
  Heere  eilten  von  Sieg  zu  Sieg  und  die  bayerischen  Truppen  unter
von  der  Tann  und  Hartmann  und  unter  dem  Oberbefehl  des  Kron-Prinzen
  Friedrich  von  Preußen  entwickelten  in  allen  Schlachten  und
Gefechten,  in  welchen  sie  beteiligt  waren,  so  bei  Weilßenburg,  Wörth,
Sedan,  Paris  und  Orleans,  heldenmütige  Tapferkeit.  Dieser  Krieg,
der  seinesgleichen  in  der  Geschichte  nicht  hat,  führte  auch  die  volle
Einigung  Deutschlands  herbei,  die  Frankreich  stets  zu  verhindern
gesucht  hatte;  denn  noch  vor  dem  Friedenschlusse  wurde  durch  den
Beitritt  der  süddeutschen  Staaten  der  Norddeutsche  Bund  zum  neuen
Deutschen  Reiche  erweitert  und  Bayerns  hochherziger  König  Ludwig  II.
trug  unter  Zustimmung  aller  deutschen  Fürsten  und  der  freien  Städte
dem  siegreichen  Könige  Wilhelm  von  Preußen  die  erbliche  Kaiserwürde
an,  worauf  dieser  am  18.  Januar  1871  im  Schlosse  zu  Verseilles  in  feierlicher
  Weise  die  Annahme  der  deutschen  Kaiserkrone  erklärte.  Damit
ging  eine  langgehegte  Hoffnung  des  deutschen  Volkes  in  Erfüllung.

Ein  besonders  freudevolles  Ereignis  in  der  Regierungszeit  Ludwigs
  II.  war  die  im  Jahre  1880  veranstaltete  Feier  des  700jährigen
Regierungsjubiläums  des  glorreichen  Hauses  Wittelsbach.  Der  König
aber  lehnte  alle  Huldigungen  und  Feste  ab,  die  ihm  persönlich  zugedacht.
waren,  und  verordnete  hochherzig,  daß  die  zur  Jubelfeier  bestimmten
Geldmittel  in  der  großartigen  Wittelsbacher  Landesstiftung  zur  Hebung
des  Handwerks  in  Stadt  und  Land  vereinigt  würden.

Indessen  war  es  dem  König  Ludwig  II.  nicht  beschieden,  bis  in
ein  höheres  Lebensalter  die  Krone  zu  tragen.  Am  Abend  des  13.  Juni
1886  fand  der  König  seinen  Tod.  Pfalzer  Lesebuch.

76.  Anteil  Bayerns  am  Veutschfranzösischen  Briege.
(1870—1871.)

Die  Einigung  Deutschlands  nach  dem  Kriege  von  1866  erschien  Napoleon
  III.,  dem  Kaiser  der  Franzosen,  welcher  bis  dahin  den  Schiedsrichter
in  Europa  gespielt  hatte,  bedrohlich.  Angetrieben  von  den  über  Preußens.
Erfolge  erbitterten  Franzosen,  führte  er  1870  durch  das  zudringliche  Vorgehen
seines  Gesandten  eine  Beleidigung  König  Wilhelms  herbei,  wodurch  der
Bruch  mit  Deutschland  erfolgte.  Da  erhob  sich  unter  den  Klängen  der
„Wacht  am  Rhein"  ganz  Deutschland  wider  den  alten  Erbfeind,  und  was
Ludwig  XIV.  und  Napoleon  I.  an  Deutschland  gesündigt  hatten,  wurde
gesühnt  durch  Frankreichs  Niederlagen.

Der  Tag  von  Weißenburg  öffnete  den  deutschen  Armeen  das  Elsaß;
der  Tag  von  Wörth  sicherte  seinen  Besitz.  Gerade  dem  dritten  Armee-