Full text : Lesebuch für Landwirtschaftliche Winterschulen und ähnliche Anstalten im Königreich Bayern.

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Bewußtsein  der  Pflicht,  in  deutscher  Treue  die  Rechte  des  Reichs  und  seiner
Glieder  zu  schützen,  den  Frieden  zu  wahren,  die  Unabhängigkeit  Deutschlands,
  gestützt  auf  die  geeinigte  Kraft  seines  Volkes,  zu  verteidigen.  Wir
nehmen  sie  an  in  der  Hoffnung,  daß  dem  deutschen  Volke  vergönnt  sein
wird,  den  Lohn  seiner  heißen  und  opfermutigen  Kämpfe  in  dauerndem
Frieden  und  innerhalb  der  Grenzen  zu  genießen,  welche  dem  Vaterlande
die  seit  Jahrhunderten  entbehrte  Sicherung  gegen  erneute  Angriffe  Frankreichs
  gewähren.  Uns  aber  und  unseren  Nachfolgern  an  der  Kaiserkrone
wolle  Gott  verleihen  allezeit  Mehrer  des  Deutschen  Reiches  zu  sein,  nicht
an  kriegerischen  Eroberungen,  sondern  an  Gütern  und  Gaben  des  Friedens,
auf  dem  Gebiete  nationaler  Wohlfahrt,  Freiheit  und  Gesittung."

Am  21.  März  1871  wurde  der  erste  allgemeine  Deutsche  Reichstag
eröffnet.  In  der  Eröffnungsrede  sprach  Kaiser  Wilhelm  I.  in  Demut  den
Dank  gegen  Gott  aus  für  die  weltgeschichtlichen  Erfolge,  mit  denen  seine
Gnade  die  Eintracht  der  deutschen  Bundesgenossen,  den  Heldenmut  und
die  Mannszucht  der  Heere  und  die  opferfreudige  Hingebung  des  Volkes
gesegnet  hatte,  und  schloß  dann  mit  den  Worten:  „Möge  die  Wiederherstellung
  des  Deutschen  Reiches  für  die  deutsche  Nation  auch  nach  innen  das
Wahrzeichen  neuer  Größe  sein!  Möge  dem  deutschen  Reichskriege  ein  nicht
minder  glorreicher  Reichsfriede  folgen  und  möge  die  Aufgabe  des  deutschen
Volkes  fortan  darin  beschlossen  sein,  sich  in  dem  Wettkampfe  um  die  Güter
des  Friedens  als  Sieger  zu  erweisen!  Das  walte  Gott!“

Der  innere  Ausbau  des  Reiches  machte  rasche  Fortschritte.  Die  Gesetggebung
  und  Verfassung  des  Norddeutschen  Bundes  wurde  auf  das
ganze  Reich  übertragen;  einheitliches  Maß-,  Gewichts=  und  Münzsystem
ward  eingeführt.  Elsaß  und  Deutschlothringen  wurden  deutsche  Reichslande
  und  erhielten  ihre  eigene  kaiserliche  Verwaltung.  Straßburg,  der
alte  Sitz  deutscher  Kunst  und  Wissenschaft,  erhielt  eine  glänzend  ausgestattete
  Universität.

Das  Deutsche  Reich,  das  in  seinem  Innern  auf  den  Gebieten  der
Kunst  und  Wissenschaft,  des  Ackerbaues,  des  Handels  und  der  Gewerbe  einen
herrlichen  Aufschwung  genommen,  steht  in  einer  Wehrhaftigkeit  und  Machtfülle
  da  wie  nie  zuvor,  so  daß  sich  ihm  kein  anderes  an  die  Seite  stellen  kann.

Möge  unser  teures  deutsches  Vaterland  in  seiner  aus  blutiger  Saat
erwachsenen  Neugestaltung  unter  Gottes  Gnade  die  Segnungen  des  Friedens
  genießen,  einig  im  Innern  und  stark  nach  außen!  Möge  in  unserer
Jüugend  für  alle  Zukunft  der  Geist  fortleben,  der  die  Kämpfer  des  letzten
Krieges  von  Sieg  zu  Sieg  führte:  der  Geist  der  Frömmigkeit,  der  Tapferkeit
und  der  Treue!  L.  Stacke.

78.  Prinz-Regent  Tuitpold.
.  (1886—1912.)
Ein  gutiges  Geschick  leitete  den  Prinzen  Luitpold  durch  ein
langes  Leben  und  hieß  ihn  in  den  Jahren,  da  andere  sich  unter  der

Last  des  Alkers  beugen,  die  Zügel  der  Regierung  ergreifen,  als  sein  königlicher
  Neffe  Ludwig  ll.  1886  unerwartek  aus  dieser  Zeitlichkeit  schied.