Full text : Lesebuch für Landwirtschaftliche Winterschulen und ähnliche Anstalten im Königreich Bayern.

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Die  Leinwand  dieser  Gegend,  im  Handel  unter  dem  Namen  „Passauer
Linnen“  bekannt,  wird  als  gediegenes  Fabrikat  sehr  geschätzt.

Außerdem  beschäftigt  die  Gewinnung  und  Verarbeitung  verschiedener
nutzbarer  Mineralstoffe  zahlreiche  Hände.  Es  findet  sich  bei  Bodenmais
Schwefelkies,  aus  welchem  Vitriol  und  Alaun  gewonnen  wird,  und  bei
Wegscheid  gräbt  man  feine  weiße  Porzellanerde  sowie  Graphit  und  schwarze
Töpfererde,  woraus  die  weltbekannten  Schmelztiegel  Obernzells  gefertigt
werden.  Nach  Mayenberg.

45.  Bauernhaus  und  Cehöfte  in  Nordbayern.

Bodengestaltung  und  vorhandenes  Baumaterial  sind  beim  Bau  des
Hauses  maßgebend.  Da  das  Fichtelgebirge  und  seine  Ausläufer  Reichtum
  an  weichem  Werkholz  bieten,  so  ist  dort  auch  Fachwerk  und
Schindeldachung  vorwaltend.  Das  Giebeldreieck  des  Wohnhauses,
nicht  selten  der  ganze  Oberstock,  ist  mit  Brettern  verschalt.  Bei  den
großen,  mehrfirstigen,  geschlossenen  Gehöften  bilden  Wohnhaus  und
Nebengebäude  drei  Seiten,  eine  hohe  Holzwand  mit  gedecktem  Gang
bildet  die  vierte,  das  Ganze  gleicht  einer  hölzernen  Festung.

Im  Innern  trennt  die  Hausflur  Stube,  Schlafkammer  und  Küche
von  der  Stallung.  Die  Einrichtung  ist  auf  das  Unentbehrlichste  beschränkt;
  Farbenschmuck  fehlt.

Die  Weberhütten  im  nördlichen  und  östlichen  Bergvorland  vereinigen
  in  der  Regel  Flöz,  Küche,  Schlafkammer  und  Wohngelafß  in
einem  Raum,  in  dem  außer  Webstuhl  und  Familienliegerstätte  kaum
ein  bischen  Platz  um  den  Kachelofen  sich  findet.

Mehrfirstige  Bauerngehöfte  erheben  sich  an  der  Eger  und  unteren
Kösseine.  Hier  steht  das  Wohnhaus  mit  der  angebauten  Stallung
einerseits,  der  Heuschuppen  andrerseits,  in  der  Tiefe  die  Stadeltenne
und  gegen  die  Straße  die  abschließende  Planke  mit  der  Einfahrt;
auf  der  Hausseite  breitet  sich  die  Dungstätte  aus,  in  der  Mitte  des
Hofes  steht  der  Taubenschlag  und  daneben  der  granitene  Hausbrunnen.
An  die  Stadeltüre  ist  ein  Geier  mit  ausgespreizten  Schwingen  angenagelt,
  damit  der  Hof  vor  Wetterschlag  sicher  sei.  Aufzerhalb  der
Umfriedung  ist  das  eingezäunte  Hausgärtchen,  von  einer  Birke  spärlich
  beschattet.  Der  Starenkobel  darf  nicht  fehlen;  denn  wie  die
Schwalbe  gilt  auch  der  Star  als  glückbringend  und  unverletzlich.

Im  unteren  Regnitzgrund  und  im  flachen  Maintal  finden  wir
Steinbau,  in  der  Hügelregion  Riegelbau  mit  bloliegendem  Fachwerk,
meist  einstöckig  mit  mäßig  steiler  Dachung  und  wenig  vorspringenden
Sparren.  Die  Türe  ist  an  der  Breitseite.

Auferst  eigenartig  ist  das  Bauernhaus  im  Frankenwald,  namentlich
  an  der  Rodach,  der  oberen  Kronach  und  Haslach.  Holzreichtum
ist  die  Ursache,  daf  der  Holzbau  in  allen  möglichen  Formen,  vom
Blockhaus  mit  den  einfachsten  Balkenwandungen  bis  zum  buntesten
und  launigsten  Riegelwerk,  vorkommt.  An  den  Hausecken  finden