Full text : Lesebuch für Landwirtschaftliche Winterschulen und ähnliche Anstalten im Königreich Bayern.

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Das  Maintal,  besonders  bei  Lichtenfels,  zählt  unstreitig  zu  den  schönsten
Tälern  Deutschlands.  Die  Gegenden  an  seinen  Ufern  bieten  vielfach
wechselnde,  herrliche  Landschaftsbilder,  die  das  Menschenherz  erfreuen.
Einen  entzückenden  Ausblick  hat  man  von  dem  hoch  gelegenen  Schlosse
Banz  aus  das  Maintal  aufwärts  bis  zum  Nordende  des  Frankenjuras.
Banz  gegenüber  sieht  man  den  Wallfahrtsort  Vierzehnheiligen,  wohin
jährlich  Tausende  von  frommen  Pilgern  ziehen.  Nicht  minder  schön  ist
die  Aussicht  auf  den  dichterisch  verherrlichten,  gewaltigen  und  zerklüfteten
Staffelberg,  an  dessen  Fuß  das  Städtchen  Staffelstein  liegt.  Gegen  Süden
dehnt  sich  der  Maingrund  in  blendender  Schönheit  aus.  Unter  anderen
Dchtern  Freist  ganz  besonders  Viktor  v.  Scheffel  diese  Gegend  in  seinem

anderlied:

 

„Zum  heil'gen  Veit  von  Staffelstein
Komm  ich  emporgestiegen

Und  seh'  die  Lande  um  den  Main
Zu  meinen  Füßen  liegen:

Von  Bamberg  bis  zum  Grabfeldgau
Umrahmen  Berg  und  Hügel

Die  breite,  stromdurchglänzte  Au  —
Ich  wollt'  mir  wüchsen  Flügel!“

Bei  Bamberg  gewährt  der  von  der  ehrwürdigen  Burgruine  Altenburg
  überragte  Michaelsberg  mit  dem  großartigen  Gebäude  einer  ehemaligen
  Benediktiner-Abtei  eine  prachtvolle  Aussicht.  Von  da  aus  übersieht
  man  Bambergs  weiten  Kessel,  den  „Garten  Deutschlands“,  auch
das  Deutsche  Italien“  genannt.  Vor  unseren  Augen  breitet  sich  hier  das
Maintal,  der  Baunach=  und  Itzgrund  aus,  letzterer  bis  nach  Koburg  hin.
Esist  ein  Bild,  wie  es  lieblicher  nicht  gedacht  werden  kann.  Zahllose  größere
und  kleinere  Ortschaften  beleben  die  fruchtbare  Maingegend;  wohin  wir
blicken,  nirgends  finden  wir  Eintönigkeit;  überall  ist  Abwechslung,  überall
Üppigkeit;  kurz  dieser  Landstrich  gehört  zu  den  gesegnetsten  der  Erde.

Teicher.

48.  Die  Vörfer  im  Weinlande  der  Pfalz.

Das  Weinland,  welches  etwa  oberhalb  Neuleiningen  beginnt  und  längs
der  Harthügelkette  in  einer  Breite  von  einer  oder  anderthalb  Stunden
hinaufzieht  bis  in  die  Gegend  von  Landat,  ist  der  „gesegnete  Gottesgarten“
der  Pfalz  mit  seinem  südlich  milden,  herzerheiternden  Klima.  Hier  reift
an  sonnigen  Hügeln  —  vorab  zwischen  Ungstein  und  Neustadt  —  der  Ruhm
und  Preis  des  Landes  und  seine  „goldene  Wonne“  und  hier  in  dieser
wundervollen  Umgebung  erheben  sich  auch  die  stolzen  Wohnsitze  des  „Adels
vom  Wein“.  Betrachten  wir  diese  Weinorte  näher.

Schon  der  äußere  Anblick  hat  einen  eigenen  Reiz,  liege  die  Ortschaft
am  Abhang,  am  Fuß  der  Hart  oder  am  Einschnitt  des  Tales.  Hinten  die
anmutig  geformte  Bergwand  der  Hart  mit  ihren  halbzerfallenen  Ruinen
und  anderseits  wieder  die  prachtvolle  Aussicht.  Die  Häuserstaffage  ge-