Full text : Meyers Großes Konversations-Lexikon. Zweiter Teil. (2)

Staatsoberhäupter,  Staatsmänner,  Heer-  und  Flottenführer.

III

—.

Boroevié  von  Bojua,  Svetozar,  österr.-  ungar.
Generaloberst,  geb.  13.  Dez.  1856  zu  Umetic,  1897
Oberst,  1904  Generalmnjor,  1908  Feldwarschalleutnant,
  1913  Gen.  d.  Inf.  und  Führer  des  6.  Armeekorps,
Sept.  1914  Befehlshaber  der  3.  Armee,  entsetzte  die
Festung  Przemysl  (10.  Okt.  1914),  verteidigte  bis  Mai
5  die  westlichen  Karpathenpfsse  und  späüter  die
österr.-ungarische  Isonzofront  gegen  die  Italiener.

Pflanzer-Baltin,  Karl,  Freiherr  von,  österr.-ungar.
  Heerführer,  geb.  1.  Juni  1855  in  Pécs  (Fünfkirchen),
  1897  Generalstabschef  des  11.  Armeekorps,
1907  Feldmarschalleutnant,  1911  Gencralinspekteur
der  Korps-Offiziersschulen,  Aug.  1914  Gen.  d.  Kav.,
verteidigte  die  Bukowina  gegen  die  Russen.  P.  trat
1916  in  den  Ruhestand.

Puhallo  von  Brlog,  Paul,  österr.-ungar.  General,
geb.  26.  Febr.  1856  in  Brlog,  1905  Generalmajor,
1  Feldmarschalleutnant  und  Kommandeur  der
46.  Infanterictruppendivision,  1913  komm.  General
des  5.  Armeekorps,  1915  Führer  der  3.  Armee,  drang
gegen  Wolhynien  vor  und  eroberte  Luzk.

XII.  Türkische  Staatsmänner  und  Heerführer.


Enver  Pascha,  türk.  General  und  Staatsmann,  geb.
1872  in  Konstantinopcl,  schloß  sich  1908  der  revolutionären
  Bewegung  an,  wurde  1909  türk.  Militärattaché
in  Berlin,  leitete  1911  den  Volkskrieg  in  Tripolis
gegen  die  Italiener,  war  im  1.  Balkankrieg  Generalstabschef
  des  10.  Armeekorps  und  eroberte  1913
Adrianopel.  Seit  1914  Kriegsminister,  wurde  E.  Ckt.
1914  Vizegeneralissimus  des  Heeres  und  der  Flotte.

Said  Halim  Pascha,  Prin  z,  türk.  Staatsmann,  ein
Vetter  des  Khediven  von  Agypten,  geb.  1859  in  Kairo,
bildete  nach  der  Ermordung  des  Großwesirs  Machmud
Schefket  Juni  1913  ein  jungtürkisches  Kabinett,  förderte
  die  deutsch-türkischen  Beziehungen  und  setzte
sich  für  den  Anschluß  der  Türkei  an  die  Zentral--mächte
  im  Kriege  ein.  S.  trat  Februar  1917  zurück.

Liman  von  Sanders,  Otto,  preuß.  General,  geb.
18.  Febr.  1855  in  Stolp  (Pomm.),  1904  Oberst,  1911
Generallcutnant  und  Komm.  der  22.  Division,  1913
Leiter  einer  Reformmission  im  türk.  Heere,  dann
Kommandeur  des  1.  türk.  Armeckorps,  1914  preub.
Gen.  d.  Kav.,  wurde  Nov.  1914  Führer  der  Kaukasus-Armeoc
  und  verteidigte  seit  März  1915  die  Dardanellen.

Dschemal  Pascha,  Achmed,  türk.  Staatsmann
und  Heerführer,  geb.  1873  in  Konstantinopel,  1913
Minister  der  öffentlichen  Arbeiten,  bald  darauf  der
Marine,  leitete  als  Oberbefehlshaber  der  4.  türkischen
Armee,  die  von  Damaskus  nach  dem  Sueskanal  vorging,
  die  Kämpfe  auf  der  Sinaihalbinsel.  D.  ist  seit
auch  Statthalter  von  Srien.

Talaat  Pascha,  Mehmed,  türk.  Stantsmann  und
hervorragender  Führer  der  jungtürkischen  Bewegung,
geb.  Aug.  1874  in  Adrianopel,  1908  Vizeprisident
des  Parlaments,  führte  eine  moderno  Verwaltung  ein.
1909  —  11  und  seit  1913  Minister  des  Innern,  wurde
7.  Febr.  1917  Grohwesir.

Goltz,  Colmar,  Freih.  von  der,  preuß.  General,
geb.  12.  Aug.  1843  in  Bielkenfeld,  1878—  83  im
Generalstab,  dann  Leiter  des  türk.  Militärbildungswesens,
  1896  Generalleutnant,  1898  Generalinspek--teur
  des  Ingenicur-  und  Pionierkorps  und  der  Festungen,
  1900  Gen.  d.  Inf.,  1902  Komm..des  1.  Armeckorps,
1908  Generaloberst,  führto  1009—10  die  türk.  Heeresrelorm
  durch.  Seit  1911  Generalfeldmarschall,  wurde

G.  Aug.  1914  Generalgouverneur  von  Belgien,  April
1915  Führer  der  1.  fürkischen  Armee  in  Mesopotamien,
  in  deren  Hauptquartier  er  19.  April  1916  starb.

XIII.  Bulgarische  Staatsmänner  und
Heerführer.

Schekoff,  Nikolaus,  bulgar.  Gencral,  geb.  25.Dez.
1864,  Leiter  der  Offiziersschule  in  Sofia,  im  1.  Balkankrieg
  Generalstabschef  der  2.  Armee,  später  Divisionskommandeur,
  wurde  Aug.  1915  Kriegsminister,
Okt.  1915  Oberbefehlshaber  der  bulgar.  Feldarmee.

Radoslawoff,  Wassil,  bulgar.  Staatsmann,  geb.  in
Lowatsch,  1884—86  Justizminister,  dann  Minister--präsident,
  wurde  nach  dem  Sturz  Stambuloffs  1894
Justizminister,  war  1899—1900  Minister  des  Innern
und  wurde  1913  Ministerprisident.

Bojadschijeff,  bulgar.  General,  im  Balkankrieg
Kommandeur  der  4.  Division,  1913  Kriegsminister,
1914  Armeeinspekteur  in  Rustschuk,  eroberte  1915  als
Führer  der  1.  Armee  den  nordöstlichen  Teil  Serbiens.

Schostoff,  Konstantin,  bulgar.  General,  war  nach
seiner  Ausbildung  im  Wiener  Generalstab  tätig,  dann
Militärattaché  in  Wien  und  Paris,  wurde  1912  Generalstabschef
  der  3.  Armee,  1913  Brigadekommandeur,
1915  Führer  der  7.  Division  und  1916  Chel  des  bulgarischen
  Generalstabes.  S.  starb  1.  Sept.  1916.

Neidenoff,  Kalin,  bulgar.  General,  geb.  25.  Aug.
1863  in  Schiroka-  Laka,  1895  Chef  des  Arsenals  in
Sofia,  1906  Oberst,  war  im  Balkankrieg  stellvertretender
  Chef  der  Artillerie  beim  Hauptquartier,  wurde
Inspektor  der  Artillerie,  1917  Generalleutnant
und  ist  seit  1915  Kriegsminister.

Todoroff,  bulgar.  General,  geb.  1858,  führte  im
1.  Bulkankrieg  die  7.  Division,  wurde  1913  Generalinspektor,
  kämpfte  1915  als  Führer  der  2.  bulgarischen
  Armee  gegen  die  Sarrail-Armee  und  besetzte  den
Nordostzipfel  Griechenlands  mit  Kawalla.

Entente.
XIV.  Die  Staatsoberhäupter.

Poincaré  (spr.  pälngkars),  Raymond,  Prisident
der  franz.  Republik,  geb.  20.  Aug.  1860  in  Bar-le-Duc
  (Lothr.),  Advokat,  1887  Deputierter,  1894—95
Unterrichtsminister,  1903  Senator,  1906  Finanzminister,
  wurde  1912  für  die  Periode  1913—  20  zum
Prüsidenten  gewählt.

Georg  V.,  Friedrich,  König  von  Grobbritannien
  und  Irland,  2.  Sohn  König  Eduards  VII.,
aus  dem  Hause  Koburg,  geb.  3.  Juni  1865  in  Marlborough-House,
  wurde  1892  infolge  des  Todes  seines
Bruders  Albert  Viktor  Thronerbe,  1901  Prinz  von
Wales,  6.  Mai  1910  König  und  liel  sich  12.  Dez.
1911  in  Delbi  zum  Kaiser  von  Indien  krönen.  G.  ist
seit  6.  Juli  1893  mit  Prinzessin  Viktoria  Mary  von
Teck  vermählt;  Thronfolger  ist  Eduard,  Prinz  von
Wales  (geb.  23.  Juni  1894).  August  1917  nahm  er
für  seine  Familie  den  Namen  Windsor  an.

Viktor  Emannel  III.,  König  von  ltalien,  geb.
11.  Mai  1869  in  Neanpel,  einziger  Sohn  König  Humberts,
  bestieg  29.  Juli  1900  den  Thron.  Aus  seiner
Ehe  mit  Prinzessin  Helene  von  Montenegro  stammen
zwei  Töchter  und  Kronprinz  Humbert  (geb.  15.  Nov.
1904).  Am  25.  Mai  1915  übernahm  V.  den  Oberbefehl
  über  Heer  und  Flotte  und  übergab  die  Regentschaft
  seinem  Oheim  Herzog  Thomas  von  Genua.