Der militärische Verlauf des Krieges: Balkan und Osten 1916/17
ungarischen und osmanischen Einheiten nicht unbedeutende
Verstärkungen erhalten hatte. Es kam
Zum Stellungskrieg. Die Kampftätigkeit der Orientarmee
beschränkte sich daher für die nächste Zeit auf
rege Erkundungen. Sie wurden von den Verbündeten
durch zahlreiche Angriffe auf die Unterkunft des
Feindes und den Hauptstapelplatz Saloniki durch Flugzeuge
mit großem Erfolg erwidert.
itte April nahm das Artilleriefeuer im Cernabogen
wieder zu, am 24. desselben Monats kam es
zu heftigen Teilangriffen zwischen Vardar und Dojran-See;
ersteres setzte sich auch auf dem von den
OÖsterreichern und Osmanen besetzten Abschnitt zwischen
Ochrida- und Prespa-See sehr bald fort, um
dann auf der ganzen Front zwischen Prespa= und
Dojran-See einen neuen allgemeinen Angriff einzuleiten.
Dieser brach am 8. Mai mit großem Ungestüm
los. Die daraus sich entwickelnde mehrtägige Schlacht
übertraf in ihrer Heftigkeit alle bisherigen Kämpfe
auf diesem Kriegsschauplatz. Der Hauptstoß wurde
am 9. Mai in einer Breite von 16 km im Cernabogen
von Italienern, Franzosen und Russen geführt:
die Schlacht endete am 10. Mai mit einer blutigen
Niederlage des Angreifers, der trotz rücksichts.
lisem Einsetzen der Kräfte nirgends auch nur den
geringsten Vorteil hatte erringen lönnen. Noch einmal
versuchte hiernach der linke Flügel, nördlich und
nordwestlich von Monastir am 15. vorzukommen; doch
auch dieser Angriff mißlang und brachte nur eine
bedeutende Erhöhung der blutigen Opfer für die
Orientarmee. — Nicht anders erging es einem nochmals
im Cernabogen unternommenen Vorstoß am
17. Mai, — hiermit flauten die Kämpfe allmählich ab.
Anfang Juni trat auf der ganzen Front Ruhe ein,
nur unterbrochen durch vereinzelte Kanonaden und
Erkundungen. Die am 16. Juni beginnende Räumung
der unteren Strumagegend durch die Engländer,
die nur ihre Brückenkopfstellungen am Fluß festbielten,
ließ die Erneuerung eines allgemeinen Angriffs
sehr unwahrscheinlich erscheinen. Die Bulgaren
besetzten nun ihrerseits die freigewordenen Ortschaften.
Auch schien der Sommer mit seiner selbst für diese
Breitengrade ungewöhnlich starken Hiye — am 24.
Aug. 60° im Schatten — größere Unternehmungen
unmöglich zu machen. Dennoch hatte sich seit Mitte
August die Feuertätigkeit belebt, und am 1. Sept.
gingen die Franzosen bei Monastir und im Cernabogen,
die Engländer im Strumagebiet noch einmal
energisch vor. Nordwestlich vom Malik-See gelang
es den Franzosen, die deutschen vordersten Abteilung
auf die Höhen am Orenda-See zurückzudrücken.
ach wenigen Tagen fiel die Orientarmee angesichts
des Widerstandes der Verbündeten aber in ihre Untätigkeit
zurück. Es trat nochmals eine längere Ruhepause
im Stellungskrieg ein. — Der Tagesbericht vom
10. Okt. erst wieder melter ein Aufleben der Artillerietätigkeit
in der Enge zwischen Ochrida= und Prespa-See,
im Cernabogen und zwischen Vardar und Dojran=See,
die nach den folgenden Berichten stets an Heftigkeit
zunahm. Das Losbrechen des Infanterieangriffs
schob das eingerretene starke Regenwetter hinaus. Obwohl
das schlechte Wetter andauerte, begann derselbe
am 21. Oktober, jedoch nicht einheitlich und zunächst
nur im Skumbital und bei Monastir sowie an
der Struma. Der Feind erreichte nirgends Vorleile,
der Franzose entschloß sich sogar dazu, seine
bisher gehaltenen Stellungen westlich vom Ochrida-See
etwas zurückzunehmen.
91
Die Offensive der russischsn Südfront im Feptember
19161.
In der Bukowina und in Ostgalizien gingen
die Russen im Sept. 1916 erneut zum Angriff über.
Gleich am 1. d. M. holten sie sich eine schwere Niederlage
bei ihrem Sturm auf den Abschnitt Swiniuchy-Swelzow;
erst am 8. vermochten sie ihren Angriff zu
erneuern, ihren Hauptstoß verlegten sie hierbei einige
Kilometer weiter nach Norden, jedoch auch nur, um
sich erneut blutige Abweisung zuzuziehen. — Auch in
den Karpathen brachten die Tag und Nacht erneuer.
len Durchbruchsversuche nur gereg örtliche Erfolge.
Besonders heftig wurde hier am 13. Sept. gekämpft.
Am 15. nahmen die Russen ihre Angriffe zwischen der
Le# Lipa und dem Dnjestr, Front des Erzherzogronfolgers
Karl, Abschnitt Graf Bothmer, wieder
auf. Es gelang ihnen, die Mitte dieses Abschnittes
etwas einzudrücken. Den Erfolg zu vergrößern vermochten
sie aber in den folgenden Tagen nicht. Gänzlich
fehl schlug ein am 8. südlich von Brzezany unternommener
Durchbruchsversuch; osmanische Truppen
zeichneten sich hier in der Abwehr besonders aus. Am
10. Sept. begann die Gefechtstätigkeit am unteren
Stochod aufzuleben, am 11. begann der Infanterie.
angriff, der aber blutig zusammenbrach. Der Tagesbericht
vom 17. meldete wieder das Scheitern eines
gewaltigen feindlichen Ungriffs westlich von Luzk, der
in einer Breite von 20 km gegen die Linie Zaturey-Pustomyty
angesetzt war, desgleichen eines solchen
zwischen dem Sereth und der Strypa nördlich von
Zborow, ferner an und östlich von der Narajowka und
nördlich von Stanislau und in den Karpathen beider
seits der Ludowa, dann westlich von Schipoth und
südwestlich von Dorna Watra. Am 17. erneuerte der
Feind seine Angriffe zwischen Zborow und Perepel-.
niki, wiederum wie vorher erfolglos. Am Stochod
ging die Initiative auf die hier fechtenden Truppen
des Generals v. Bernhardi über, der am 18. den befestigten
Brückenkopf von Zarecze erstürmte. Auch
an der Narajowka wurde zum Gegenstoß erfolgreich
übergegangen. ·
Das Gesamtbild im September war Kampf auf
der ganzen galizischen Front, ohne daß ein einheitliches
Vorgehen zustande gekommen wäre. Ortliche
Erfolge blieben zwar dem seine an Zahl überlegenen
Massen rücksichtslos einsetzenden Gegner nicht versagt,
allein an der Gesamtlage wurde hierdurch nichts geändert.
Am 22. wurde von einem erneuten racht.
losen gewaltigen Angriff nördlich von Zborow zwischen
Sereth und Strypa sowie zwischen der Zlota Lipa und
der Narajowka und im Ludowa-Abschnitt in den Karpathen
berichtet. Wenn auch die Kämpfe mit Oktoberbeginn
etwas abflauten, so griffen die Russen einzelne
Stellen doch immer und immer wieder erfolglos an,
so in Wolhynien den Abschnitt Swiniuchy-Zaturay
am 9. u. 4. Okt., am 4. bei Luzk, am 5. an der Zlota
Lipa, am 14. in der Gegend Bubnow und südlich von
Zaturay. Mitte Oktober begann das Artilleriefeuer
gleichmäßig auf der ganzen Front wieder aufzuleben.
während bedeutendere Infanteriekämpfe nicht mehr
gemeldet wurden.
Das Eingreisen Rumäniens im August 19167.
Das bis Kriegsausbruch mit den Mittelmächten
verbündete Rumänien erklärte sich danach neutrat,
1 vVal. die Karte Bd. 11, S. 200/7. — 90 die NKart-Bd.
Il, S. 110/1