236 Bildung d. ev. Landeskirchen. Reichst. z. Augsb. Schmaltald. Bund. 88 354 356.
zu Bologna vom Papst die Kaiserkrone. Jetzt pute er Zeit, sich wieder
Deutschland zuzuwenden. Schon die Aussicht auf sein Kommen gab der
römisch-katholischen (bayrisch-österreichischen) Partei, die sich indessen noch im
stillen gerüstet und verstärkt hatte, Mut, entschlossener aufzutreten. Aber-
mals zu Speyer 1529 ward auf einem Reichstage beschlossen, das Wormser
Edikt (§ 342) sei strenger durchzuführen, mithin der Reformation Einhalt
zu thun. Gegen diesen Beschluß protestierten 19 Reichsstände, Sachsen und
Hessen voran, da in Glaubenssachen Stimmenmehrheit nicht entscheiden
und binden könne; von nun an hießen die Anhänger der Reformation
Protestanten.
* 355. Der Kaiser hatte auf den Sommer 1530 einen Reichstag nach
Augsburg ausgeschrieben. Dieser kam in noch stolzerer Pracht zustande, als.
der zu Worms neun Jahre früher. Auch Luthers Landesfürst, ebenso seine
theologischen Freunde, besonders Melanchthon, zogen dahin; nur er, als in
des Reiches Acht, blieb zu Koburg zurück, schwer in Kümmernis und doch
freudig in seinem Glauben. Viel protestantische Fürsten waren zugegen.
Schon zeigte sich der neue Geist auch äußerlich; als des Papstes Legat, den
Segen spendend einzog, blieb manches Haupt bedeckt; auch an der Prozes-
sion, die am Fronleichnamstage der Kaiser mitmachen wollte, weigerten sich
protestantische Herren teilzunehmen. Eh' solle man ihm den Kopf vom
Rumpf schlagen, meinte der Markgraf Georg von Anspach. „Myn werde
ürste, nit Kopp af, nit Kopp 8 sagte besänftigend in seinem Nieder-
ändisch der Kaiser, der ein behutsames Auftreten liebte. — Am 25. Juni
legten hier die Protestanten ihr Glaubensbekenntnis vor: die sog.
Confessio Augustana, die seitdem als der Hauptausdruck des pro-
testantischen Bekenntnisses gegolten hat. Die Schrift, von Melanchthon
mild, klar und gemäßigt abgefaßt, legte dar, in welchen Punkten man mit
den Katholiken stimme, in welchen man abweiche. Der Kaiser ließ durch
Eck eine Widerlegung (Confuotatio) aufsetzen, und obwohl Melanchthon einc
Gegenschrift (Apologia) dagegen einreichen wollte, erklärte der Kaiser die
Sache für geschlossen. Mißmutig entfernten sich viele der anwesenden
ürsten, besonders der entschlossene, schon längst kampffertige Philipp von
essen, noch vor Schluß des Reichstags. Der Kaiser ebenfalls mißmutig
eworden, drohte im Reichstagsabschied mit strengen Maßregeln. Das
Reichskammergericht begann mit Prozessen wegen eingezogener Kirchengüter
gegen protestantische Fürsten vorzugehen. So trennte man sich uneiniger
nn zuvor.
8 356. Noch zu Ende desselben Jahres traten die Häupter der Pro-
testanten zu Schmalkalden in Thüringen zusammen und schlossen hier am
letzten Tage des Jahres 1530 den schmalkaldischen Bund auf 6 Jahre,
dem alsbald viele Fürsten und Städte beitraten. Der Kaiser, den seine spa-
nischen Angelegenheiten wieder aus Deutschland riefen, ließ zuvor 1531 seinen
Bruder Ferdinand zum römischen König wählen, trotz des Protestes, den
Sachsen einlegte. Allein da das bayrische Haus mit der Wahl unzufrieden
war, so zerfielen die Hauptgegner der Protestanten unter sich selbst. Auch
drohte neue Türken Efahr So ging Karl V. gern auf die vom Kurfürsten
riedrich von der z gebotene Vermittlung ein, und noch ehe es zum
riege gekommen, ward 1532 der Nürnberger Religionsfrieden ge-
s losen. Beide Parteien gelobten, nichts gegeneinander zu thun, bis ein
il, auf welches man allseitig hoffte, die religiösen Fragen
emeines Konz
entschieden habe.