Dom Mürnberger Religionsfrieden bis zu Luthers Tod. 9§ 557 —358. 257
7. Nom Rürnberger Religionsfrieden (1532) bis zu Luthers Tod
(1540).
§ 357. Von nun an begann auf länger als ein Jahweehnt eine sehr
glückliche und erfolgreiche Zeit für die Reformation. Zu den Ländern, die be-
reits reformiert hatten, trat 1534 Württemberg hinzu. Der vertriebene
Herzog Ulrich (§§ 329. 347) hatte sich zu dem Landgrafen Philipp von Hessen
begeben, der, von Frankreich, Osterreichs Erbfeind, mit Geld unterstützt, gegen
den Statthalter Ferdinands von Osterreich zog (der schwäbische Bund hatte
sich aufgelöst), ihn bei Laufen am Neckar 1534 schlug und den Erzherzog
im Frieden zu Kadan an der Eger nötigte, das Land an Ulrich heraus-
zugeben. Die Herzen seines Volkes hatten sich in der langen Trennung dem
angestammten Herzog treu bewahrt, dieser gab ihm als Gegengeschenk die
Reformation; die Kriegskosten bezahlte er von dem eingezogenen Kirchengut
und schloß sich dem schmalkaldischen Bunde an. — Im Jahre 1535 starb
der Kurfürst Joachim I. von Brandenburg (ein Sohn Johann Ciceros,
276), der bis an sein Ende ein grimmiger Feind Luthers und der Re-
formation gewesen war. Seine Söhne teilten nach des Vaters Bestimmung
das Land: der jüngere, Johann, von Küstrin genannt, führte in seinen
Ländern (Neumark, Kottbus, Peitz) die Reformation sogleich ein; der ältere
Bruder, Kurfürst Joachim II. (1535—1571) zögerte bis 1539, wo auch
er übertrat. So bekannten sich bereits zwei Kurfürsten zur neuen Lehre.
Im Jahre 1539 starb auch der alte Herzog Georg von Sachsen (§ 337),
gleichfalls ein heftiger Gegner Luthers; sein ihm nachsolgender Bruder Heinrich
(1539—1541) reformierte alsbald auch diese Länder samt ihren wichtigen
Städten Leipzig und Dresden. Ebenso waren Pommern, Anhalt, die
Städte Augsburg, Frankfurt am Main und Hamburg seit 1536 in den
Bund eingetreten; bald folgten noch die Oberpfalz und andere Länder mehr.
* 358. Im Jahre 1537 ward der schmalkaldische Bund auf 6 Jahre er-
neuert. An seiner Spitze standen noch Sachsen und Hessen; im ersteren Lande
regierte seit 1532 der fromme Johann Friedrich Fast alle protestantischen
Fürsten gehörten dem Bunde an. Vergebens schlossen die bayrischen Herzöge
und König Ferdinand nebst den Enbischöfen von Mainz und Salzburg und
anderen geistlichen und weltlichen Fürsten dagegen das dem Schmalkalder
Bunde nachgebildete Nürnberger Bündnis, 1538. Immer mehr Fürsten
traten zur Reformation und dem schmalkaldischen Bunde. Selbst der Kur-
fürst von Mainz, beständig in Geldverlegenheiten und von dem guten
Willen seiner Landstände abhängig, mußte in seinen Stiftslanden zu Magde-
burg und Halle (§ 255) der Reformation freien Lauf lassen. Auch der
Herzog Wilhelm von Cleve, Jülich und Berg (§F 253 Anm.) begann
zu reformieren; ja sogar der Kurfürst Hermann von Köln rief Melanch-
thon zu sich, ließ evangelisch predigen und strebte sein Erzbistum zu refor-
mieren und zu säkularisieren. Noch hielt in Norddeutschland der alte wüste
Heog Heinrich der Jüngere von Braunschweig zornig den Schmal-
aldern entgegen. Nach einem maßlos erbitterten Schriftenstreit, an dem-
auch Luther beteiligte, und nachdem Heinrich die freien, bereits pro-
testantischen Städte Braunschweig und Goslar angegriffen hatte, überfielen
die Häupter des Bundes, Johann Friedrich von Sachsen und Philipp
von Hessen den Herzog, vertrieben 1542 aus seinem Lande — auch
* ward nun die Reformation eingeführt — und als er 1545 zurückzu-
ehren versuchte, ward er geschlagen und gefangen genommen. Selbst der