Full text : Leitfaden der Preußischen Geschichte.

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geschickte  Ausnutzung  aller  ihm  zugänglichen  materiellen  Hilfsquellen:
  harte,  aber  durch  strenge  Mannszucht  und  gleichmäßige
Verteilung  der  Last  erträgliche  Bedrückung  der  eroberten  Länder,
besonders  Kursachsens  (laus  dem  er  an  barem  und  Lieferungen
im  ganzen  45  Millionen  Taler  zog)  und  Mecklenburg-Schwerins
(8  Millionen),  während  die  Kroaten,  Panduren,  Russen,  Franzosen
  u.  s.  w.  durch  barbarische  Plünderung  und  zwecklose  Zerstörung
  in  Freundes  Land  viel  mehr  schadeten;  die  englischen
Hilfsgelder  (4½/  Millionen  Taler  jährlich  von  1758—1761);
leichtere  Geldprägung  („Ephraimiten");  —  andrerseits  die
Begeisterung,  welche  seine  Person  und  seine  Sache  dem  Volke
und  Heere  einflößten,  und  welche  zu  übermenschlichen  Anstrengungen
spornte.  Ihm  half  endlich,  daß  er,  der  größte  Feldherr  des  Jahrhunderts
  und  seiner  kleineren  Streitmacht  unumschränkter  Herr,
einem  ohne  rechten  einheitlichen  Plan  und  oft  ungeschickt  Krieg
führenden  Bunde  gegenüber  stand.  Auch  waren  Frankreichs,
des  deutschen  Reichs  und  Schwedens  Kriegsverfassungen  in  Verfall,
  und  das  Feldherrntalent  des  Prinzen  Ferdinand  überwog  die
numerische  Ubermacht  der  Franzosen.  Desto  tüchtiger  waren  freilich
  die,  an  Zahl  auch  allein  überlegenen,  Armeen  Osterreichs  und
Rußlands;  ihre  Abwehr  bildete  den  Hauptgegenstand  des  Krieges
und  war  die  schwierige  Aufgabe  des  (oft  gichtkranken)  Königs.
Seine  verdientesten  Gehilfen  waren  hierbei:  sein  Bruder  Heinrich
  (geb.  1726  zu  Berlin,  1802);  Kurt  Christoph  Graf
v.  Schwerin  (geb.  1684);  Friedr.  Wilhelm  v.  Seydlitz  (geb.
1721  zu  Kalkar,  k.  1773);  Hans  Joachim  v.  Zieten  (geb.
1699  zu  Wustrau  bei  Ruppin,  1786);  der  Schotte  James
Keith;  Moritz  von  Dessau  (Sohn  des  1747  gestorbenen
Leopold).

Den  ungeheuren  Soldatenmassen  des  Bundes  entsprach  die
Größe  ihres  Geldaufwandes:  Frankreich  zahlte  an  Osterreich  und
die  verbündeten  deutschen  Fürsten  über  100  Millionen  Livres
Hilfsgelder;  wie  alle  Bundesglieder  stürzte  es  sich  durch  diesen
Krieg  in  tiefe  Schulden  (677  Millionen  Livres);  Österreich
machte  deren  für  154  Millionen  Gulden.  An  Menschen  verlor
Europa  über  eine  Million,  Preußen  hiervon  fast  die  Hälfte;
Nord=  und  Mitteldeutschland  waren  verwüstet.  Friedrich  dem
Großen  kostete  der  Krieg  180  000  Soldaten,  1500  Offiziere,
125  Millionen  Daler;  dennoch  erhöhte  er  weder  die  Steuern,
noch  machte  er  Schulden,  sondern  er  allein  behielt  „den  letzten
Taler  in  der  Tasche“,  war  1763  gerüstet  zu  einem  neuen,
großartigen  Feldzug  und  baute,  seine  Finanzkraft  zu  zeigen  und
Arbeiter  zu  beschäftigen,  sofort  ein  kostbares  Palais  (bei  Sans-