Full text : Deutsches Wörterbuch. Dritter Band R-Z. (3)

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R,  der  Laut  und  sein  Zeichen,  err  genannt.  —  Raa,
s.  rahe.  —  rab,  äußerste  Kürzung  von  herab  (s.  d.).

Rabätte,  k.  um  Gartenbau  schmaler  Streisen  Landes
mit  Blumen  oder  Zierpflanzen  besetzt,  oder  Einfassung
eines  Beetes;  im  16.  Ih.  bei  den  Niederländern  rabat
subScus,  vegula,  suleus,  canalieulus  Kilian,  romanischen
  Ursprungs,  mit  engl.  rabbet  Falz,  Fuge,  franz.
rabot  Plattengang  zusammenhängend,  seit  17.  Zh.  ins
Deutsche  ausgenommen.  Bei  Schneidern  ungeschlagener
Saum  an  Kleidungsstücken,  besonders  andersfarbiger
Aufschlag  an  Uniformen.

Nabe,  m.  der  Vogel  corous;  gemeingerm.  Bidmz,
goth.  nicht  bezeugt,  altnord.  hrafn.  altengl.  bräfn,  ahd.
hraban,  raban,  ram,  mhd.  raben,  mit  der  schwachen
Nebensorm  ahd.  rabo,  mhd.  rade,  auf  der  unsere  heutige
Form  (mundartlich  auch  als  Fem.)  fußt;  dem  Stamme
nach  urverwandt  ist  griech.  körar  Rabe,  koröhf  Krähe,
lat.  corvus  und  cornix.  In  der  Spr.  gezeichnet  als
Dieb:  er  stielet  wie  ein  rade  Stieler;  lieblos  gegen
seine  Jungen,  vgl.  rabenvater,  mutter,  -eltern;  Aasvogel
  und  Leichensresser,  auf  Gehenkte  gierig,  sprichwörtlich
  was  den  raben  gehört,  ertrinkt  nicht  Simrock
136;  mit  mißtönender  Stimme:  wo  wilde  raben  krüchzen
Schiller  Ränb.  1,  5;  von  glänzend  schwarzer  Farbe,
daher  im  Vergleiche:  scine  locken  sind  kraus,  sehwarz
wie  ein  rabe  Hohel.  5,  11;  im  Sprichwort  es  hilft  kein
bad  am  raden;  als  große  Seltenheit  ein  weiszer  rabe
Lessing  3,  363;  nach  der  biblischen  Erzählung  von
den  Raben  die  Elias  Brot  und  Fleisch  brachten  (1.  Kön.
17,  6):  Hermann,  mein  rabe  Schiller  Räub.  1,  5;  —
übertragen  auf  andere  Vögel,  namentlich  kleiner  rabe,
Krähe;  anf  eine  Schneckenart;  auf  den  Fisch  crms
aspius;  ein  Gestirn  des  südlichen  Himmels;  gelber  rabe
(Günther  445),  rabenducaten,  ungarischer  Ducaten
von  Matthias  Corvinus  mit  dem  Bilde  eines  Raben;
vgl.  auch  rappe.  —  Zusammensectzungen:  Nabenaas,  n.
Aas  für  Raben;  Schimpfwort,  eigentlich  zur  Bezeichnung
  henkenswerter  Menschen,  gern  in  älterer  Spr.  auf
Weiber  gewendet,  jetzt  abgekommen:  sie  rabenaas,  Lisette!
Lefsing  Freigeist  2,  5;  wenns  geld  solche  halsstarrige
rabenäser  macht,  so  möchte  ich  keine  vornehme  frau
haber  Weiße  kom.  Op.  2,  113.—  Rabenci,  n.  Ei  eines
Naben;  auch  Bezeichnung  des  Bovists.  —  Nabeneltern,  (.
lieblose,  gegen  ihre  Kinder  grausame  Eltern.  —  Rabenseder,
  k.  Feder,  besonders  Schwungfeder  eines  Raben,
zum  Zeichnen  gebraucht.  —  Nabenfuß,  m.  Fuß  eines
Naben,  auch  Pflanzenname.  —  Nabenhaar,  u.  Haar
von  der  Schwärze  eines  Raben:  zerraufte  sie  ihr  rabenhaar
  Bürger  Lenore.  —  RNabenkrähe,  k.  die  Hauskrähe.
  —  Rabenmutter,  k.  lieblose,  gegen  ihre  Kinder
grausame  Mutter.  —  Rabennacht,  (.  tiesdunkle  Nacht;
auch  tiefdunkle  Schwärze  des  Haars:  ihrer  zöpfe  rabennacht
  Droste  235.  —  rabenschwarz,  tiefschwarz;  verstärkt
  auch  kohlrabenschwarz  (vgl.  kohlschwarz),  pechrabenschwarz
  (vgl.  pechsehwarz).  —  Nabenstein,  m.

M.  Heyne,  Deutsches  Wörterbuch,  III.

gemauerter  Richtplatz  unter  den  Galgen,  von  Raben
umkreist  und  besucht;  auch  Bezeichnung  eincs  schwarzen
Belemniten.  —  Nabenstimme,  k.  Stimme  eines  Raben,
oder  krächzend  wie  eines  Raben.  —  Rabenvater,  m.
liebloser,  gegen  seine  Kinder  gransamer  Vater.  —
Rabenvieh,  n.  als  Schimpfwort  Blumauer  Aecn.

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Nache,  #  Vergeltung  einer  Ubelthat  oder  Beleidigung;
Bildung  zu  einem  gemeingerm.  Verbum  (vgl.  rächen),
in  verschiedenen  Dialecten  verschieden  geformt:  goth.
vrôkei,  vraka,  vrakja,  altengl.  wraen  und  wræe,  altsächs.
  wräka,  ahd.  rähha,  mhd.  räche,  der  hier  erscheinende
  lange  Stammvocal  auch  noch  älter  uhd.:
raach,  vindieta  Schottel,  aber  seit  dem  späten  17.  Ih.
vor  der  heutigen  Form  gewichen:  rache,  ms#tro,  vindietu
Stieler;  zuerst  Rechtswort,  Verfolgung  eines  llbelthäters
  durch  den  Richter,  in  der  Bibel=  und  geistlichen
Spr.  auf  Gott  bezogen:  der  gott  der  rache,  der  berr,
bezalet  sic  Jer.  51,  56;  die  rache  ist  mein,  ich  wil  vergelten
  5.  Mos.  32,  35;  gemach  gebt  gottes  rach  Simrock
  136;  göttlichc,  ewige,  himmlische  rache;  in  erweitertem
  Sinne,  von  Menschen,  Vergeltung  für  ein
erlittenes  Unrecht:  (Gott)  wird  die  creatur  rüsten  zur
rach  uher  die  feinde  Weish.  Sal.  5,  18;  dasz  sie  wolten
rach  thun  an  jhrem  vatter  B.  d.  Liebe  2795;  Elisabeth
von  England  ubtec  nur  eine  gerechte  rache  und  wieder--vergeltung
  aus  Schiller  7,  20;  ausgewichen  in  die  Bed.
einer  unedeln,  leidenschaftlichen  Vergeltung  für  Böses,
schon  mhd.:  der  Kriemhilte  räche  Nib.  2303;  aber  erst
in  neuerer  Spr.  Hauptbed.  geworden:  rache  ein  unedler
  und  selbst  niedriger  atlekt  Schiller  10,  176;
mein  herz  ist  viel  zu  grosz  zur  rache  Gellert  zärtl.
Schwest.  3,  16;  als  Leidenschaft  heisze,  gluhende,  grimmige
  rache;  rache  koehen,  brüten;  die  Franzosen  werden
  .  .  raehe  schnauben  Moltke  4,  218;  sonst  rache
nehmen,  üben  (1.  Macc.  7,  38)  an  einem,  anf  rache
denken,  sinnen,  rache  schwören,  fordern,  sehreien,  u.  d.;
staub,  der  wider  dich  rache  ruft  Schiller  1,  13;  rache
uber  den  verräther!  Goethe  Clavigo  1;  in  dichterischer
Rede  persönlich  gefaßt:  die  raehe  wacht  Stolberg
I,  19;  des  argwohns  und  der  rache  kinder  Schiller
Br.  v.  Mess.  420;  —  ironisch  edle  rache  nehmen,  burch
Vergebung,  Wohlthaten  gegen  einen  Beleidiger;  verzeihen
  ist  die  beste  rache  Aimrock  437.  Name  einer
Krankheit:  drennende  rache,  Antoniusfeuer  Frisch.  —
Zusammensetzungen:  Nachbegier,  s.  (Ranuke  Päpsie
1,  297),  -begierde,  -gier  (Rompler  169),  -ierde,  t.
heißes  Verlangen  nach  Nache,  —  Nachedurst,  m.  Durst
nach  Rache.  —  Racheengel,  m.  Engel  der  Nache  übt
Schiller  Wallenst.  Tod  1,7.  —  Nachegeist,  m.  Geist
der  Rache  übt.  —  racheglühend,  glühendes  Verlangen
nach  Rache  babend:  in  wildem  muth,  rachegluhend
Moltke  2,  218.  —  Rachegott,  m  Gott  der  Nache.  —
Nachekrieg,  m.  Krieg  zur  Rache  unternommen.  —
Nacheschwert,  u.  Schwert  für  die  Nache  gebraucht.  —

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