Full text : Europäischer Geschichtskalender. Neue Folge. Dreiunddreißigster Jahrgang. 1917. Zweiter Teil. (58b)

Vie  äfterreichisch#ngerische  Moenarchie.  (Dezember  4.—7.)  215

wir  kämpfen  für  Elsaß-Lothringen  genau  so  wie  Deutschland
für  uns  kämpft  und  für  Lemberg  und  Triest  gekämpft  hat.
Ich  kenne  da  keinen  Unterschied  zwischen  Straßburg  und  Triest.
Wenn  in  dem  allgemeinen  europäischen  Kriegsbild  andere  Konstellationen
eintreten  sollten,  was  nicht  ausgeschlossen  erscheint,  und  an  anderen  Fronten

oße  Ereignisse  vorgehen  sollten,  dann  würde  ich  es,  ich  sage  es  offen  und
ühle  mich  hierbei  eins  mit  Grafen  Tisza,  lebhaft  begrüßen,  wenn  der  Moment
käme,  in  dem  wir  auch  an  den  anderen  Fronten  gemeinsam  mit  unseren
Bundesgenossen  kämpfen  würden.  Wenn  ees  also  nach  dieser  Richtung,  die  wir
eingeschlagen  haben,  seitdem  der  Krieg  begonnen  hat,  und  die  wir  mit  voller
Zustimmung  der  erdrückenden  Mehrheit  sowohl  Oesterreichs  wie  Ungarns
gehen,  wenn  es  nach  Klarlegung  dieser  Richtung  drüben  bei  der  Entente  immer
noch  Leute  gibt,  welche  in  dem  Glauben  leben,  es  könne  ihnen  gelingen,  uns
von  unserem  Bundesgenossen  zu  trennen,  so  kann  ich  nichts  sagen  als:  Die
das  glauben,  sind  schlechte  Psychologen  und  kindische  Gemüter.

Graf  Andrassy  hat  bezüglich  Valonas  und  Italiens  eine  Anfrage
an  mich  gerichtet,  auf  die  ich  vollständig  offen  antworten  möchte:  Die
italienische  Politik  seit  Beginn  des  Krieges  bewegt  sich  auf  einer  schiefen
Ebene  nach  abwärts.  Es  ist  den  Herren  bekannt,  daß  Italien  vor  dem
Kriege  mit  uns  hätte  sprechen  können,  weil  wir  ein  lebhaftes  Interesse
daran  hatten,  diesen  überflüssigen  Krieg  zu  vermeiden.  Hierbei  hätte  Italien
zu  einem  Arrangement  gelangen  können,  das  es  heute  wohl  in  seinen
kühnsten  Träumen  nicht  mehr  hoffen  kann  zu  erreichen.  Italien  hat  seitdem
  zwölf  Schlachten  und  Hunderttausende  an  Toten  verloren,  es  hat
Milliarden  an  Werten  und  große  Teile  eigenen  Bodens  eingebüßt,  die
heute  in  unserer  Hand  sind.  Italien  kann  heute  im  besten  Falle  hoffen,
den  Status  quo  ante  bellum  zu  erreichen.  Ich  muß  aber  noch  einen
Schritt  weitergehen,  wobei  ich  auf  das  komme,  was  Graf  Karolyi  gesagt
hat.  Er  hat  mir,  wenn  ich  recht  verstanden  habe,  am  Schlusse  seiner  Ausführungen
  zu  verstehen  gegeben,  ich  müsse  unter  allen  Bedingungen  ein
Pazifist  à  outrance  sein.  Im  Zusammenhange  hiermit  hat  er  meiner  Budapester
  Rede  einige  wohlwollende  Worte  gewidmet,  zu  meinem  Erstaunen
aber  nur  deren  erstem  Teile,  während  er  den  zweiten  totgeschwiegen  hat.
Dieser  zweite  Teil  ändert  aber  das  ganze  Charakteristikum  der  Rede.  Was
Graf  Karolyi  von  mir  verlangt,  heißt,  daß  ich  mich  zu  einer  Assekuranz
für  die  italienischen  Abenteuer  hergeben  möge.  Ich  soll  nach  Ansicht
Karolyis  heute  Italien  erklären:  „Setzt  den  Krieg  fort,  solange  ihr  wollt,
greisft  uns  an,  so  oft  ihr  wollt,  verlängert  den  Krieg  nach  Belieben  —
wir  garantieren  euch,  daß  euch  nichts  geschieht.“  Nun,  m.  H.,  ich  bin  sehr
weit  von  diesem  Standpunkt  entfernt.  Ich  sage  es  ganz  offen  und  damit
man  es  in  Rom  höre:  Wenn  Italien  den  Krieg  mutwillig  fortsetzt,  so
wird  es  später  einen  schlechteren  Frieden  bekommen.  Das  sind  wir  unseren
Truppen  und  unserem  Hinterlande  schuldig.  (Beif.)  Graf  Karolyi  möge
es  wissen:  Ich  habe  ein  Ziel  und  das  heißt:  Die  baldigste  Erreichung
eines  ehrenvollen  Friedens.  Dabei  weigere  ich  mich,  unseren  Feinden
Brämien  auf  die  Kriegsverlängerung  auszusetzen.

Bezüglich  der  U-Boote  kann  ich  vollständig  bestätigen,  was  Graf
Tisza  erwähnt  hat.  Es  wird  einer  späteren  Zeit  vorbehalten  sein,  die
genauen  Daten  zu  geben.  Ich  kann  aber  den  Grafen  Karolyi  versichern,
daß  die  maßgebenden  Militärs  sowohl  auf  deutscher  wie  auf  unserer  Seite

Ueberzeugung  Ausdruck  geben,  daß  die  Hinderung  der  Munitionszufuhr
  an  die  Ost-  und  Westfront  so  stark  war,  daß  sie  den  Gang  des
Krieges  wesentlich  beeinflußt  hat.  Daß  unsere  Gegner  gewaltig  unter  seiner
Wirkung  leiden,  das  wissen  wir  ganz  genau.