Full text: Illustriertes Realienbuch.

— 6 — III 
„Viele Pflanzen werden als „Kulturpflanzen“ angebaut, andere wachsen 
wild. Nur da gedeiht eine Pflanze, wo sie die ihr eigenartigen Lebensbedürf— 
nisse befriedigen kann. Diese sind für die verschiedenen Pflanzenarten sehr ver— 
schieden. Daraus erklärt sich die Pflege der angebauten Gewächse. Der Land— 
wirt bearbeitet und dungt den Boden, um den Kulturpflanzen die günstigsten 
Bedingungen zum Gedeihen zu geben. Auf demselben Raume, z. B. im Walde, 
Felde und auf der Wiese, scher meist vielerlei Pflanzen zusammen. Zu ihnen 
gesellen sich allerlei Tiere, die hier ihren Unterhalt finden. Tiere und Pflanzen 
bilden auf demselben Raume eine Lebensgemeinschaft und hängen vielfach 
in ihrem Leben und Gedeihen von einander ab. 
2. Der Haselstrauch. 
1. Er ist ein Strauch, d. h. ein Holzgewächs mit mehreren Stämmen, 
der Haselnüsse trägt. Er gehört zu den einhäusigen Pflanzen, die Staub- 
und Samenblüten getrennt in einem Hause, d. h. auf derselben Pflanze, 
haben. Staubblätter und Stempel in einer Blume vereinigt, wie beim Schnee- 
glöckchen, bilden Zwitterblüten. — 2. Der Haselstrauch wird über manns- 
hoch. Seine Pfahlwurzeln gehen senkrecht, die Tauwurzeln seitwärts in 
die Erde und halten ihn fest. Die Faser= oder Saugwurzeln führen ihm 
flüssige Nahrung zu. Die zähen Stämmchen sind mit einer braungrauen Rinde 
bekleidet, die sich in Fetzen abschuppt. Die Blätter erscheinen nach den Blüten 
an den Zweigen, sind rauh und fast kreisrund, der Rand doppelt gesägt, d. h. 
in große und diese wieder in kleine Sägezähne zerschnitten. An den kahlen 
Zweigen hängen im Frühjahr die Staubblüten als lange, gelbe und schuppige 
Kätzchen. An denselben Zweigen sitzen die Samenblüten als schuppige Köpschen 
mit roten Fäden. In der Frühlingssonne heben sich die dachziegelförmigen 
Schuppen der Kätzchen und streuen den gelben Blütenstaub darunter aus; so ge- 
langt dieser zwischen die roten Arme der Samenblüten, die dadurch befruchtet 
werden und nach und nach zu den Früchten sich auswachsen. Die reife Frucht 
ist eine braune, eiförmige Nuß mit süßem Kern und harter Schale in einem 
gefransten, grünen Blätterbecher. Mehrere zusammengewachsene Becherchen bilden 
eine Traube. — 3. In Zäunen und Buschwäldern ist kein Mangel an Hasel- 
sträuchern. Den Lamberts-Nußstrauch mit langen Früchten, die ganz vom 
Blätterbecher bedeckt sind und daher auch „Langbarts-Nüsse“ heißen, zieht man 
baumartig in Gärten. — 4. Kinder knacken die Nüsse um Weihnachten mit Lust; 
nur sollen sie dabei ihre Zähne schonen und sich lieber aus 2 Stäbchen harten 
Holzes mit aufgenageltem Lederrücken den einfachen Nußknacker selbst fertigen. 
Die Kerne geben süßes Ol, die Stämme Faßreifen, die Kohlen einen Bestandteil 
des Schießpulvers, die Schößlinge Ruten für böse Buben. — 5. Der Hasel- 
bohrer, ein graues, haariges Käferlein, bohrt im Juni mit seinem Pfriemen- 
rüssel ein Loch in die weiche Nuß und schiebt ein Eilein in das schwammige Bett 
Daraus schlüpft eine Made, die den Nußkern aufzehrt, dann sich durch die Schale 
bohrt, an einem Faden hinabläßt und in der Erde verpuppt. Vom Nußbohrer 
kommen die vielen tauben Nüsse. Doch sind wir nicht machtlos gegen diesen 
Schädling, der uns die Weihnachtsnüsse streitig macht. In jedem Garten steht 
wohl in einer versteckten Ecke ein schattiger Haselstrauch. Rings um ihn graben 
wir im Herbste die Erde um und lassen sie in großen Schollen liegen. Dann 
kann der Winterfrost recht hinein und tötet alles Ungeziefer. Ebenso kommen 
wir auch der Haselhecke zu Hilfe, die als dichter Zaun den Garten schützt. 
3. Die Sahlweide. 
1. Dieser baumartige Strauch gehört zu den zweihäusigen Pflanzen, 
die Staub= und Samenblüten getrennt auf verschiedenen Pflanzen haben. Sie